Haushalt 2011 – die Zweite

[jpg] Man muss, wenn man über Ennepetaler Politik schreibt, mit göttlichem Humor gesegnet sein um die Vorfälle auch richtig zu verarbeiten. Verarbeiten heißt für mich, ich wähle grundsätzlich die Form des Kommentars oder auch einmal die Glosse und halte mich mehr an die Regeln des amerikanischen New Journalism. Dies gibt mir die Gewähr unbeschadet die Ennepetaler Vorkommnisse zu überstehen.

                       

Gestern, am 20.Oktober 2010, war es wieder soweit, der Sportausschuss tagte im Rathaus. Anders als im Umweltausschuss gab es kein ermüdendes Vorprogramm, vielmehr ging es mit nur einem Zwischenschritt direkt zur Sache. Nun, der Zwischenschritt war der Gedanke der Stadt in Zusammenarbeit mit der Skigemeinschaft Ennepetal eine Montainbikestrecke im Hülsenbeckertal zu errichten. Angeblich haben Jugendliche den Bürgermeister zu diesem Thema 2009 angesprochen. Allein schon die Prüfung ist für mich ein Unding; denn seit Monaten läuft die Stadtverwaltung mit dem Rat hausieren, wir sind arm und müssen alle den berühmten Gürtel enger schnallen. Und da wir alle mit dem berüchtigten HSK (Haushaltssicherungskonzept) beschäftigt sind, wäre es doch fair den Jugendlichen zu sagen, vor 2015 gibt es keine Montainbikestrecke. Selbst das Beschäftigen mit diesem Gedanken bindet Personal und kostet unnötiges Geld. Aber nein, wir fertigen schon Pläne an und führen weitergehende Gespräche. Sicherlich werden die Personen der Stadtverwaltung diese Arbeiten nicht ehrenamtlich durchgeführt haben.

Und dann ging es auch schon mit den Haushaltsberatungen los.

   Da war auch noch der Antrag von Blau Weiß Voerde die gerne, sehr gerne, 13.550,–€ an Beton- und Pflasterarbeiten "Am Tanneneck" noch mal schnell bewilligt haben wollten. Abgesehen, dass der Antragsteller übersehen hat, dass die Arbeiten noch die Mwst. enthielt, war dies doch bei der derzeitigen Haushaltssituation sicher nicht zeitgemäß. Hallo, Erde an Blau-Weiß, wir müssen sparen!!  

Wie dem auch sei, es ging nun weiter.

Rot Weiß Rüggeberg verzichtete auf eine Investition in Höhe von 17.500,–€  für Pflasterarbeiten, sehr vorbildlich,möchte aber dafür bei den anstehenden Renovierungsarbeiten in den Folgejahren unterstützt werden. Rot Weiß ist da  in der Argumentation etwas Edeler um an Gelder zu kommen.

Um es kurz zu machen, der Ausschuss war offensichtlich, so mein Eindruck, mit Lobbyisten der einschlägigen Ennepetaler Sportvereine besetzt.

Anita Schöneberg (SPD) stellte die Frage in den Raum: Wo der Sparwille beim Sport zu erkennen wäre? Denn im Gegensatz würden im sozialen- und kulturellen Bereich eklatante Kürzungen zu konstatieren sein.Logischerweise blieb die Antwort aus. Herr Müller der Fachbereichsleiter sieht eine besondere Verpflichtung im Sportbereich. Jens Knüppel (CDU) meinte man müsse eben Prioritäten setzen.

Wie denn nun? Auf der einen Seite, also im sozialen und kulturellen Bereich sparen wir 50% und auf der anderen Seite kriegen wir gerade einmal rund 5%, wenn überhaupt, zusammen. Da wird die Kürzung der Seniorenarbeit auf den Zuschuss zu einer Tasse Kaffee klein geredet, der Sportbereich wird aber wichtig geredet. Es wurde über Fangzäune für Diskus-, Speer-  und evtl. Hammerwerfer geredet. Eine neue Lautsprecheranlage in der Mehrfachsporthalle müsse her. Über haupt die technischen Möglichkeiten wären nicht mehr auf der Höhe der Zeit ( Im Ratssaal müssen wir uns noch ohne Anlage verständigen). Die Tribüne des TUS muss dringend überdacht werden, Einsparung nein, nur um ein Jahr verschoben. Im Grunde hielten die Einsparungen sich in Grenzen und können als homöopathisch bezeichnet werden.

Was mich auch berührte waren die Verschiebungen, wobei ein Investitionsstopp bis 2014, also Investitionen raus aus der Planung,  Sinn machen würde. Denn durch diesen Stopp würde die Bereitsstellung von Kapital verringert und mit einem HSK könnte man ja schon einmal die neue Sparsamkeit üben. Aber, allein der Wille scheint sehr schwach ausgeprägt zu sein. Auch hier wollte niemand an das Personal ran, schweigend blätterte man weiter. Auch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Realitätssinn der Ratsmitglieder abhanden gekommen war. Die erörterten Investitionen, sowohl in ihrer Art als auch in der Höhe, würden sicher einem Leistungszentrum angemessen sein und nicht einer Kleinstadt mit 30.000 Einwohner. Wenn die Anlagen für technische Disziplinen für ein Training nicht ausreichend sind, so nutzt man als Kleinstadt eben die Anlagen von befreundeten Städten die solche Anlagen vorhalten. Das war früher so im Sport und da hat sich auch nichts daran geändert.

Dann ist es für mich nicht nachvollziehbar, wenn die Stadtverwaltung mit einer Vision 2025 rum läuft in welcher mit einem Bevölkerungsrückgang auf 24.000 Einwohner gerechnet wird und auf der anderen Seite die Sportstätten erweitert. Zusammenlegung wäre sicher das Stichwort. In der Vision 2025 wird sogar von einer Überalterung der Bevölkerung gesprochen, konsequenterweise müssten dann sicher die Sportarten für Alte oder Senioren ausgebaut werden. Denn körperliche Fitness im Alter spart im Gesundheitsbereich. Die prognostizierten 24.000 Einwohner erfordern eine ganz andere Weichenstellung, hier und heute, das nennt man Politik. Und für solch eine Politik braucht es nur gesunden Menschenverstand. Oder war die Vision 2025 nur ein Joke gewesen, weil die Stadtverwaltung nichts zu tun hatte? Aber es geht ja wohl um das Erhalten von Besitzständen der in die Jahre gekommen Sportlobbyisten im Rat und Lobbyisten gehen grundsätzlich nach dem Floriansprinzip.  Wie wohltuend das die SPD sich zumindest enthalten hat, wobei der Verdacht nahe lag, dass alle anderen sowieso die Mehrheit stellten.

Ach ja, da wir ja nicht nur hier in Ennepetal rum kommen, sondern auch in anderen Städten zumindest teilweise die Haushaltsberatungen mit bekommen, stellt sich für uns eine Frage: Wieso fördert die Stadt Ennepetal nur? Andere Städte fordern auch von ihren Vereinen und das nicht zu knapp. Da werden Vereine schon mal "gezwungen" eigene Einnahmen zu generieren um damit den Stadtsäckel zu entlasten. Und hier? Hier wird so getan, als wären wir eine national bekannte Sportstadt und müssten unseren "Hochleistungssportlern" Zuschüsse zahlen. Wieviel Europa-, Welt-oder Olympiameister haben wir eigentlich in Ennepetal? Und der Tus oder Blau-Weiß haben sicher nicht die Möglichkeit die Deutsche Meisterschaft irgendeiner Sportart zu erringen.

Also wenn schon sparen, dann überall sparen.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

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8 Kommentare
  1. Lumpazi Vagabundi says:

    Personalkosten Ansätze lt. Vorlage in Ennepetal:
    2009: 14.842.830
    2010: 14.978.720
    2011: 15.472.880 !!!!!!!!

    Das einzige, woran die Verwaltung wohl nie sparen wird ist die eigene Einkommensentwicklung. Wann wird diesem Selbstbedienungsladen endlich einmal das Handwerk gelegt?

  2. Ennepetalerin says:

    @ Lumpazi Vagabundi

    Und alle machen mit.

    Durfte ich doch mit eigenen Ohren hören, das die ganzen Spitzenkräfte abwandern werden (in die ganzen anderen reichen Städte und in die Privatwirtschaft – sie wissen schon), wenn sie nicht regelmäßig mehr Geld kriegen. Ein Beförderungsstopp? Undenkbar.

  3. Lumpazi Vagabundi says:

    @ Ennepetalerin

    Also ganz ehrlich…langsam habe ich das Gefühl, daß Ennepetal eher das Auffangbecken für weniger begabte “Spitzenkräfte” geworden ist. Warum hat Ennepetal rd. 40% höhere Verwaltungskosten als vergleichbare Nachbarstädte?? Weil wir mehr “Spitzenpersonal” beschäftigen? Und glauben sie ernsthaft, aus der Ennepetaler Verwaltung würde auch nur ein Mitarbeiter von der Privatwirtschaft abgeworben ?? Um auf ein vergleichbares Nettogehalt in der Besoldungsstufe A15 zu kommen, muss man rd. 120.000 Euro Brutto in der Wirtschaft verdienen. Glauben sie ernsthaft, da würde jemand wechseln und sein geruhsames Leben in der Verwaltung aufgeben ? Nö..nö..die bleiben alle schön auf der ” Insel der Glückseligkeit”.

  4. Redaktion
    Redaktion says:

    @Ennepetalerin

    Nennen Sie mir doch einmal mindestens 2 Spitzenkräfte und was die für eine außergewöhnliche Leistung erbracht haben um als Spitzenkraft eingeordnet zu werden. In Gevelsberg können Sie Spitzenkräfte und deren Leistung augenscheinlich bewundern. Und die arbeiten für weniger Geld.

  5. Ennepetalerin says:

    @ Lumpazi Vagabundi

    Mein Beitrag war durchaus ironisch gemeint – bin also ganz auf ihrer Linie!

  6. Lenchen says:

    Die Steigerungen dürften tariflicher Natur sein. Es gibt nun mal jedes Jahr eine tarifliche 1-5%ige Lohnerhöhung nicht nur für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Sollen die darauf verzichten ?

  7. Redaktion
    Redaktion says:

    @Lenchen
    Autsch. Es geht nicht um die tariflichen Lohnerhöhungen. Es geht für mich um einen Personalabbau, auch geht es für mich um mindestens 5 tarifliche Heraufsetzungen. Man kann sozial verträglich Personalabbau betreiben. Geschieht dies, so macht sich das in der Summe der Personalkosten innerhalb der dargestellten Jahre bemerkbar. Ich weiß nicht wie hoch die natürliche Fluktuation in der Stadtverwaltung ist, gehe jedoch davon aus, dass innerhalb von 4 Jahren einige Mitarbeiter aus dem Amt ausscheiden.Dieses Ausscheiden schlägt sich auch dementsprechend in den Personalkosten nieder.

  8. klutinchen says:

    Solange es weiterhin Beamte gibt, wird es auch einen hohen Personalstand in der Verwaltung der Stadt Ennepetal geben. Die Verwaltung braucht viele, viele “Häuptlinge”, die die uns bekannten ach so wichtigen Entscheidungen treffen und, damit diese auch umgesetzt werden können, benötigen sie die vielen, vielen “Indianer”. Ein “Häuptling” macht doch keine “Indianer-Arbeit”!! Und wenn der „Indianer“ klaglos und stumm seine aufgetragene Arbeit erledigt hat und immer brav nickend den Anordnungen der Häuptlinge folgt, hat er evtl. eine Chance auch mal ein „kleiner Häuptling“ zu werden. Und jeder noch so kleine Schritt wird in der Presse dokumentiert, obwohl hinterher gar nichts daraus entsteht und man nie wieder etwas davon hört. Hauptsache der “Oberindianer” war mal wieder in der Zeitung!!
    Mountainbike-Strecke in Ennepetal – wer braucht so etwas ???? Die Halfpipe nähe Platsch ist doch auch nur dafür da um sagen zu können “Wir haben in Ennepetal auch so etwas”!! Es ist doch keine gepflegte Anlage, wo sich dann die Kinder auch dementsprechend vernünftig verhalten müssen. Vielleicht sollten die Kinder und Jugendlichen unter professionelle Anleitung diese Anlage selber pflegen (siehe Hellerfeld in G´berg) – ja das wäre dann eine andere Baustelle „Baustelle Jugendamt“. Also, immer weiter Kürzen bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, den Jugendräumen, allen freiwilligen Leistungen usw.. Aber wie sollen Kinder Sauberkeit und Ordnung lernen, wenn es mittlerweile an vielen Stellen in Ennepetal so aussieht. Da brauchen wir keine Stadtwache, die bei Fehlverhalten sich die Kinder/Jugendlichen „vorknöpft“ sie den Eltern übergibt – was auch immer; das sind keine gelernten Sozialarbeiter! Nein, wo ist denn der sogenannte „Streetworker“ geblieben? Ach ja, ist sicherlich auch so ganz nebenbei den Kürzungen zum Opfer gefallen. Wie oben schon geschrieben „ganz stark mit Presse usw. vorgestellt und dann sang- und klanglos verschwunden“, oder arbeitet er undercover?????
    Egal, Hauptsache die ganzen „Häuptlinge“ fahren nach Feierabend nach Hause in die umliegenden Städte und Ennepetal, Ennepetal ist dann ganz, ganz weit weg. Man flaniert dann am Wochenende durch die jeweiligen FuZo´s und besucht den ein oder anderen Wochenmarkt – gesehen und gesehen werden. Geh´ doch mal einer an einem Samstag nach Milspe – g r a u s a m !!!
    Wie mag das für Ennepetal noch enden??? Man sollte mit Verstand sparen und unter Beteiligung der Bürger, denn der ist mündiger als die Politiker denken. Ich wünsche mir den „alten Kämmerer“ wieder, der noch etwas von seinem Job verstand!
    Wegziehen möchte ich jedoch nicht, weil ich schon lange in einem landschaftlich sehr schönen Stadtteil von Ennepetal wohne und ich deshalb den Verfall der Stadt gut beurteilen kann. Das Umfeld meines Wohnens ist noch sauber, dank der täglichen Pflege aller Hausbesitzer oder Mieter und nicht der Straßenreinigung mit der Beifahrer-Politesse. Wie lange wird das noch anhalten?????

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