Gevelsberg und das Panta rhei

[jpg]  ( Pánta chorei kaì oudèn ménei ) "Alles bewegt sich fort und nichts bleibt" so der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos. Dies hätte man als roten Faden für die Jahresausstellung 2009 "Im Fluss der Zeit" des Gevelsberger Künstlerkreises einfließen lassen können.

Der ehemalige Gevelsberger Bürgermeister Klaus Solmecke hielt die Laudatio im Ratssaal der Stadt Gevelsberg, anlässlich der Vernissage am 30.10.09 zur Ausstellung "Im Fluss der Zeit" des Gevelsberger Künstlerkreises.

Anwesend waren auch der Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer (SPD) nebst Gattin, sowie der zukünftige parlamentarische  Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Ralf Brauksiepe ( CDU ).


Der Gevelsberger Künstlerkreis bot mit den Künstlern:
 

  •  Eugen Viehmann
  •  Ursula Tempelmann
  •  Gilda Hippenstiel
  •  Annemaria Semeria  †
  •  Jürgen Unger
  •  Brigitte Riechelmann
  •  Rolf in den Birken
  •  Susanne Mantilla – Kopatz
  •  Renate Schmidt – V.

und als Gast: Konrad Koppold aus Leverkusen mit seinen Holzobjekten

eine sehr starke Gruppe, die sich diesem Thema in vielfältiger Weise genähert hatte und ihm auch gerecht wurde.
Es war eine ansprechende Ausstellung, ging sie doch andere Wege, die alle Sinne einforderte und auch in seinen Bann zog.

                                               
Zu Beginn der Eröffnung gedachten die Beteiligten, rund 100 Besucher, in einer Schweigeminute der in 2009 verstorbenen Mitglieder des Künstlerkreises,
 

  •   Annemarie Semeria
  •   Werner Liebkies
  •   Reginald Rebisz aus der Partnerstadt Szprotawa (Sprottau)

Man merkte, alle drei waren feste Größen im öffentlichen Bewusstsein der Stadt Gevelsberg. Liebevoll erinnerte Klaus Solmecke sich der Verstorbenen, auch indem er über seinen Besuch am Krankenbett von  Reginald Rebisz in Szprotawa berichtete, dessen Augen aufleuchteten, als er vom Gevelsberger Künstlerkreis berichtete.

Womit wir bei der Laudatio wären. Heraklit war das Thema seiner Rede aber auch der Ausstellung.

"Alles bewegt sich fort und nichts bleibt." Diese Aussage, die in Ihrem Ursprung auf den griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos zurückgeht, trifft über 2 500 Jahre später auch den Kern der Veränderungen in der Stadt Gevelsberg in den letzten Jahren. Moderne Kommunen und damit Gesellschaften  verändern sich kontinuierlich. Sie sind durch äußerst komplexe Interdependenzen der verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereiche geprägt. Das Problem ist die Herausforderung die sich jede Kommune stellen muss, sich diesem strukturellen Wandel anzupassen aber auch diese selbstbewusst zu gestalten. Unsere Bequemlichkeiten und das Beharrungsvermögen stehen jedoch dem unausweichlichen Wandel schmerzhaft im Wege. So ist der Fluss der Ennepe ein Stellvertretersymbol für die Wandlungen der letzten Jahrzehnte. Die Ennepe, die vor 40 Jahren noch umsäumt von Industriebetriebe war und nicht gerade als reines Gewässer galt, ist heute mehr oder weniger frei und hat inzwischen wieder einen nennenswerten Fischbestand. Sie, die Ennepe, lebt wieder. Der "Ennepebogen" der in der Planung ist, soll Ausdruck des Wandels in der Stadt Gevelsberg sein, die sich strukturell verändert hat.

Hier kommt die Kunst ins Spiel, die weit voraus denkt aber auch gestaltet, welche den Menschen zum Denken auffordert. Der Dialog der mit der Kunst und dem Betrachter einhergeht fordert immer wieder den Fluss des bewegenden Denkens, kein Stillstand. Kunst schöpft aus einem unendlichen Reservoir welches keine Grenzen hat, sie weitet,  sprengt die Enge der eingefahrenen Denkweise. Aber Kunst löst auch Unsicherheiten beim Betrachter aus, der sich allein gelassen fühlt indem er sich außerstande sieht dem Vorgegebenen zu folgen, sich auf ihn einzulassen. 

So sagt Heraklit auch, "Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht" und meint nicht das Vergehen in der Zeit, sondern den Wandel, der jedoch von einer Einheit in der Vielfalt mündet indem er sich immer wieder neu gebiert.

So ist auch das Ende der Eröffnung als Wandel in der Zeit zu verstehen, rätselhaft ist unser Streben, das zwar menschlich, jedoch scheinbar ziellos sich nicht dem Sein fügen kann. Gustav-Adolf Schmidt improvisierte mit der Querflöte zu den von Renate Schmidt-V. geschriebenen Texten  "Die Kunst-der Fisch-die Zeit", die auch von ihr  und Susana Mantilla-Kopatz vorgetragen wurden. Der für diese Inszenierung extra abgedunkelte Ratssaal und ein Lautsprecher mit Nachhalleffekt verzauberte den Raum in eine rätselhafte Atmosphähre. Versöhnlich, nachdenklich aber auch tröstend wurde das Sein auf eine andere Ebene gehoben, indem sich der Hörer in einer imaginären Heimstatt öffnen kann.

Im Anschluss widmeten sich die Besucher den Exponaten der anwesenden Künstler. Hier und dort entstanden Gesprächsgruppen die sich durch die Ausstellung inspiriert sahen, heiter und gelassen ein anderes Sein zu leben.

Die Ausstellung wurde von dem Fachbereich Bildung, Jugend und Soziales der Stadt Gevelsberg initiiert und ist während der Öffnungszeiten des Gevelsberger Rathauses präsent und dauert bis zum 14.11.2009.

Eine durchaus sehenswerte Ausstellung, eine Stunde meines Lebens die ich nicht missen mag.

 

Jürgen Gerhardt
 

Hier eine kleine Galerie zur Ausstellung:

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