Ennepetal und die bösen, frechen Journalisten

[jpg] Nun haben wir einen Artikel 5 im Grundgesetz, die Meinungsfreiheit, daraus ableitend die Informationsfreiheit. Dieser Artikel gehört zu den so genannten Menschenrechten, heißt, er ist für unser Staatswesen "konstituierend". Ohne diesen Artikel oder auch die Einschränkung dieses Artikels könnten wir nicht von einem demokratischen Staatswesen sprechen. Kein anderer Artikel bietet soviel Zündstoff wie der Artikel 5. Dabei haben wir doch gesehen wohin es führt , wenn die Meinungsfreiheit unterdrückt wird. Zur Diktatur. Das so genannte dritte Reich ebenso wie die totalitären Regime des ehemaligen Ostblocks sprechen eine klare Sprache.

Aber ist unsere Demokratie verschont geblieben, die uns garantierte Meinungsfreiheit einzuschränken? Nein, ist sie nicht. Es findet ein Kampf statt, zwischen den politisch Verantwortlichen auf der einen Seite und den Journalisten, Redakteuren und Verlegern auf der anderen Seite. Wobei das heutige Internet diesen Kampf noch verschärft hat.

Wenn wir in die Geschichte unserer jungen Bundesrepublik schauen, so finden wir viele Sündenfälle die immer mal wieder die Meinungsfreiheit in Gefahr gebracht hatte. Von wem? Hauptsächlich von der Politik, den so genannten gewählten Vertretern des Volkes.

Konrad Adenauer, unser erster Kanzler,  war auch der Erste der versuchte die Meinungsfreiheit auszuhebeln.
1950 lud Adenauer zum ersten Mal eine handverlesen Schar von Journalisten ins Palais Schaumburg zu den so genannten Teegesprächen. Er erläuterte ihnen seine Politik und die sich für ihn daraus ergebenden Perspektiven.

Diese "Teegespräche" wurden von der Personenzahl immer größer. Und schon bald galt derjenige, der an diesen Gesprächen teilnahm als "geadelt". So war es nicht verwunderlich das der  "Alte", so nannte man Adenauer damals, eine durchweg positive Presse bekam. Adenauer hatte die Presse damals schlichtweg instrumentalisiert.

So war es ihm auch ein leichtes die Bundesrepublik auf die Westbindung und die Wiederbewaffnung einzuschwören. Die Widerstände kamen  nur von so genannten linken und liberalen Presseerzeugnissen, die damals aber nur einen kleinen Teil der Presselandschaft ausmachten. Der Spiegel galt zu der Zeit nicht zu der etablierten Presse, weil Methode und die "schnoddrige und freche" Art der Artikel aus dem Rahmen fielen.

Anfang der 60er Jahre wurden die Journalisten jedoch aufmüpfig. Zunehmend wurden über Skandale oder auch Skandälchen berichtet. Ein Skandal war es damals, dass die Aufarbeitung der Nazivergangenheit vieler Politiker aber auch im öffentlichen Leben noch nicht einmal im Ansatz begonnen hatte. 1962 wurde ein Panorama Magazin Team verhaftet, welches einen Lehrer interviewen wollte der früher als KZ Aufseher tätig war. Das Bundespresseamt, unter Otto Lanz, schäumte damals vor Wut. Panorama, welches vom NDR, ins Hauptprogramm gestellt wurde, bemängelte die unzureichende Aufarbeitung der Nazi Vergangenheit. Mehr noch, es warf der Regierung vor untätig zu sein.
 

Die damalige Regierung wähnte sich jedoch sicher die Medien im Griff zu haben. Und jetzt auf einmal fingen junge Journalisten an die Regierung mit Kritik zu überziehen. Unverständnis breitete sich damals aus, man könnte auch sagen, es begann die Abenddämmerung der Regierung Adenauer.  

Der Sündenfall trat im Herbst 1962 ein, als eine kritische Berichterstattung des Spiegels über das Bundeswehrmanöver "Fallex62" zur Verhaftung von Rudolf Augstein durch den damaligen Verteidigungsminister Strauß führte, die mit Rückendeckung des Kanzleramtes veranlasst wurde.

Die Anschuldigung: Landesverrat. Später stellten sich jedoch alle Anschuldigungen vor Gericht als unhaltbar heraus. Der Spiegel war rehabilitiert und Strauß musste gehen. Und was für die Geschichte noch wichtiger war, das Tischtuch zwischen Presse und Politik war zerschnitten. Die Medien hatten sich eindrucksvoll solidarisiert und erkannten endlich ihre eigentliche Rolle, die der Unabhängigkeit. Fortan wurde das politische Geschehen in Bonn kritisch begleitet. Die Wechsel von Adenauer auf Ehrhardt und danach Kiesinger waren keine Selbstverständlichkeiten mehr. Die junge Bundesrepublik hatte endlich eine Presse, die man auch als solche bezeichnen konnte. Die Presse als "Sturmgeschütz der Demokratie", dieser Begriff wurde damals geboren, etwas überzogen, aber in der Richtung passend. Die Trennung von Politik und Öffentlichkeit war für die Politik schmerzhaft, für die Medien jedoch die Emanzipation schlechthin. Nur in dieser Zeit gab es noch große Fürsprecher für mehr Öffentlichkeit, wie Habermas, Dahrendorf, Haffner, Fest, Arno Schmidt, Andersch oder die Gruppe 47 um Böll und Walser und in gewisser Weise auch der Verleger Springer. Die damaligen Epizentren dieses Prozesses waren Frankfurt, Hamburg und Berlin.

Dieser emanzipative Prozess der Medien wurde niemals bis in die kleinsten Gemeinden herunter gebrochen. Hier herrschten noch die örtlichen Redakteure die sich mit der Politik versöhnlich an einen Tisch setzten um das kommunale politische Geschehen zu begleiten. Nicht Kritik war angesagt, sondern Haus- und Hofberichterstattung wurde zelebriert. Bürgermeister, Stadtdirektoren, Kämmerer aber auch Ratsmitglieder waren für die örtlichen kleinstädtischen Medien unantastbar. Die Unantastbarkeit wurde noch durch die über die Jahre einhergehende Pressekonzentration verfestigt. Schritt für Schritt zogen sich die Medien aus den kleinstädtischen Bereichen zurück.
Eine Stadt wie Ennepetal wurde damit uninteressant. Denn die großen Nachrichten aus Berlin, Brüssel oder Düsseldorf brachten die Auflagen. Das Treffen der Bienenzüchter war nur für einen ganz kleinen Bereich interessant, dass aber eben nur lokal.

Das Aufkommen des Internet mit seinen vielfältigen und schnellen Möglichkeiten verschärfte noch den Prozess des Rückzuges aus den lokalen Bereichen. Die Politik sieht heute dem Treiben tatenlos zu und sieht nicht, wie sie sich selber einer Möglichkeit der Kommunikation mit dem Bürger beraubt. Pressegespräche oder Pressekonferenzen findet man auf kommunaler Ebene entweder gar nicht oder nur in ausgesuchten Kommunen. Warum auch? Man fühlt sich in seiner Wagenburg ganz wohl.

Womit wir wieder in Ennepetal wären, dieser "Insel der Glückseligen". Hier hat sich, dem Internet sei Dank, etwas wiederholt, was ich eingangs beschrieb. EN-Mosaik, vormals Romantisches-Ennepetal  ( Das war mit den politischen Artikeln nicht mehr haltbar), machte den Anfang. Es kritisierte die politische "Kaste" in ihren Entscheidungen und Versäumnissen, griff recht frühzeitig in den Kommunalwahlkampf ein.
Es folgte ein Forum und zu guter letzt ein Portal. Nur Forum und Portal etablierten sich als Sprachrohr des neuen Bürgermeisters bzw.der CDU. Kritische Momente fand man nur im Hinblick auf den politischen Gegner, hier offensichtlich Frau Schöneberg als Alternative zu Wiggenhagen und die SPD als Alternative zur CDU. Es findet nur Hofberichterstattung statt oder ersatzweise die Amtsblattankündigungen. Eigene Meinungen werden durch Verlautbarungen ersetzt.

Wir selber wurden als Nestbeschmutzer, Majestätsbeleidiger und Kritiker um der Kritik Willen diskriminiert. Ein Lokalpolitiker brachte es in einem Gespräch mit mir auf den Punkt, er sagte: "Ich würde ihnen ja was ganz anderes jetzt sagen, nur dann bringen sie das am nächsten Tag in ihrem Internet."  Damit hatten wir erreicht was wir wollten, wir waren in den Köpfen der politischen "Kaste" angekommen. Aber auch in den Köpfen und Herzen  der Bürger in Ennepetal. Zunehmend artikulieren die Bürger sich auch gegenüber der politischen "Kaste". Auch die "Insel der Glückseligen" hatte nunmehr ihren Sündenfall. Nur haben wir schon das erreicht, was auf nationaler Ebene inzwischen Alltag ist? Nein! Es sind noch sehr "dicke Bretter" zu bohren, bis die Wiggenhagens, Eckhardts, Faupels, Rauleffs, Freys oder Hofmanns usw. begreifen, dass es gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit keine Barrieren geben sollte und kann, wenn eine Demokratie funktionieren soll.

Abgehoben und gönnerhaft stehen diese Politiker ihren Bürgern gegenüber, verständnislos reagieren sie auf Kritik, haben sie doch für sich einen Absolutheitsanspruch vereinbart. Die Meinungs- und Deutungshoheit  kann nur bei ihnen liegen, sie sind, so sie an der Macht sind, fehlerfrei, damit wären sie aber "unmenschlich".

Der Staat, also auch unsere Kommune, ist nicht mehr wie nach Hegel  "Die Verkörperung eines höheren Willens", womit das Politische alleine seine Sache ist. Vielmehr sind in einer Demokratie fließende Übergänge, die ohne Grenzen sind. Wenn nämlich Hegel heute Recht hätte, so wäre Staat und Politik, wie es Nitsche einmal formulierte, ein Moloch für die Überflüssigen. Und da sind wir wieder bei der Politikverdrossenheit, die sicher im nicht geringen Maße ihre Ursache in der Entmündigung des freien emanzipierten Bürgers hat.

Selbstkritisch nehmen wir, wie der damalige Spiegel um Augstein, für uns in Anspruch einen eigenen Weg in der heute viel größeren Medienlandschaft zu suchen und letztendlich einzunehmen. Es gilt jedoch für uns der Ausspruch und Anspruch von Habermas in der damaligen Zeit: Für ihn führt eine kritische Öffentlichkeit, also auch der Medien, nicht zu einer Krise des Staates, zu dem nun mal auch die Kommune gehört, sondern sie führt geradewegs in eine selbstbewusste Demokratisierung der Gesellschaft. Der in diesem Jahr verstorbene Soziologe Ralf Dahrendorf, übrigens zeitweise bei der FDP und späterer Lord Mitglied des britischen Oberhauses, pflichtete diesem Anspruch Habermas begeistert zu  und ergänzte: Der Staat und deren Autoritäten sollten keinen besonderen Schutz genießen, sondern das Streben nach einer größtmöglichen Öffentlichkeit wäre die vornehmste Aufgabe.
Dies, und nur dieses, sollte unsere Legitimation gegenüber der Politik in Ennepetal sein  und ist nur auf eines ausgerichtet: Veränderungen öffentlich einzuklagen. Politik ist nicht für wenige, die mittels Wahl sich legitimiert haben, Politik ist für jeden da, auch und gerade für den emanzipierten Bürger.

Der verspätete Ennepetaler "Sündenfall" , sollte die Politiker dazu bringen sich die Erfahrung der Geschichte zu nutze machen und endlich die "Insel der Glückseligen" aufgeben, so dass Stadt und Politik mitten in der Öffentlichkeit Bestand hat.

Fangt endlich an mit dem Bürger und für den Bürger Politik zu machen.  Trennt öffentliche nicht mehr von nicht öffentlichen Sitzungen, lasst zu jedem Tagesordnungspunkt Einlassungen des Bürgers zu. Ich weiß es ist schwer sich von einmal eingeübten Regeln zu trennen. Aber und das ist das schöne an der Freiheit und der Demokratie, sie beginnt mit jedem Tag neu. Und die Politik? Sie ist nicht nur auf einen elitären Zirkel beschränkt, sie ist ebenso das gestaltende Element in einer Kommune. Die Kommunen aber sind die Zellen, die den modernen Staat ausmachen, nicht den Nationalstaat, sondern den Staat der sich gestaltend in einen Bund der Staaten  einbringt.

Zu idealistisch? Nein, ich denke nicht. Allerdings gehört etwas Mut dazu und der fehlt hier vielen Politikern.

Jürgen Gerhardt

14 Kommentare
  1. Nina Poll says:

    Zitat: "Es sind noch sehr 'dicke Bretter' zu bohren, bis die Wiggenhagens, Eckhardts, Faupels, Rauleffs, Freys oder Hofmanns usw. begreifen, dass es gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit keine Barrieren geben sollte und kann, wenn eine Demokratie funktionieren soll."

    Unsere Ennepetaler Opposition, die SPD, sollte beim "Bohren" die Initiative ergreifen! Denn: "Die Stärke von morgen resultiert aus der Fähigkeit, Fehler von gestern einzugestehen" (Manuela Schwesig). Diesen Satz der jüngsten Ministerin in der BRD sollte sich die Ennepetaler Opposition – nachdem sie eine neue Seite aufgeschlagen hat – ganz oben ins Stammbuch schreiben. Von den Jamaikanern werden wir mehr als "weiter so" kaum erwarten können.
     

  2. Leserkritik says:

    #1
    Ist nur blöd, wenn der Oberbohrer der Genossenschaar best friend mit Faupel ist. Da haben die SPD-Indianer gleich zwei Widerstände – sprich zwei Häuptlinge – zu überwinden. Und die (Häuptlinge) wissen seit Jahren geschickt genug Indianer um sich zu schaaren. Und nun überlegen sie mal, welche Indianer aus den Parteien austreten? Richtig, diejenigen, die das nicht mehr ertragen. Somit sind die Machtverhältnisse doch klar verteilt – sowohl zwischen den Parteien als auch in den Parteien. Und dann kommt das Problem: Nun könnte man hoffen, dass ganz viele neue Bürger in die Parteien eintreten… frischen Wind reinbringen und sich nicht vereinnehmen lassen… jetzt kommt aber dieser blöde Teufelskreis ins Spiel. Wer tritt denn angesichts der Häuptlinge und ihrer verstaubten Demokratieauffassung (kann man das noch so nennen?!) noch in eine Partei ein? Wer ist so blöd und tut sich das an? So viele Kugelschreiber kann sich keine Partei leisten… *ironie*.

  3. ein ennepetaler says:

    Ein Lokalpolitiker brachte es in einem Gespräch mit mir auf den Punkt, er sagte: "Ich würde ihnen ja was ganz anderes jetzt sagen, nur dann bringen sie das am nächsten Tag in ihrem Internet."  Damit hatten wir erreicht was wir wollten, wir waren in den Köpfen der politischen "Kaste" angekommen.
     
    Ich würde einem Journalisten ebenfalls keine Auskunft geben wenn ich weiß, dass dieser sich Grundsätzlich nur die faulen Rosinen zur Berichterstattung heraussucht und dabei sich nicht neutral verhält.
    Es fehlt leider bei EN-Mosaik der gesunde Mix aus positiver und negativer Kritik.  Das ist schade!

  4. Nina Poll says:

    #2
    Faupel, Rauleff etc. haben die Chance verpasst, sich ehrenvoll aufs Altenteil zurückzuziehen. Freiwillig werden sie das auch nicht mehr tun wollen (ähnlich wie Müntefering). Bleibt zu hoffen, dass es ihrer Umgebung bald gelingt, sich ihrer zu entledigen, ohne Generationenwechsel wird sich der Schlendrian immer wieder neu reproduzieren. Faupel zehrt zur Zeit noch davon, zum ditten Mal einen Bürgermeister installiert zu haben. Rauleff kann überhaupt nichts vorweisen! Gerade in der Oppositionsrolle sollte es seinem Umfeld am ehesten gelingen, den Neuanfang zu schaffen, zumal sie ohne langatmige Personaldiskussion auf eine nur knapp unterlegene BM-Kandidatin zurückgreifen können. Meine Hoffnung richtet sich auf eine oppositionelle SPD, in der Schöneberg aus dem Schatten (Rauleff) herausbefördert wird.
    Zitat: "Ist nur blöd, wenn der Oberbohrer der Genossenschaar best friend mit Faupel ist."
    Das ist eine der Politik-Perversionen, die man – wenn man sie nicht selbst beobachtet hat – einem Außenstehenden kaum erzählen kann: Die Opposition neutralisiert sich selbst! Nebenan, in Gevelsberg entwickelte sich die SPD zu einer erfolgreichen, modernen Partei und hier Stillstand – aber sie scheinen sich doch recht wohl dabei zu fühlen!

  5. Hans_Becker says:

    @3 ein ennepetaler – Lesen Sie nur die Artikel von denen Sie Kritik erwarten? Im en-mosaik ist eine Menge Positives und Neutrales. Oder erscheinen Sie selbst in nach Ihrer Meinung negativen Berichten.
    Dann wäre es an der Zeit die eigene Einstellung zu ändern, bzw. das Verhalten.

  6. Redaktion
    Redaktion says:

    @ein ennepetaler #5

    Das ist doch eine Frage von Bewusstsein. Offensichtlich scheinen Sie mit Ihrem Ennepetal ganz zufrieden zu sein. Nur, wenn Sie Ihren Standort verändern würden, würden Sie auch überwiegend Probleme sehen. Und im übrigen, wer soll den gesunden Mix bestimmen? Was bei Ihnen ein gesunder Mix ist, ist bei Anderen ein totales Schönreden. Wer soll das also bestimmen?
    Wenn der Politiker mir keine Auskunft gibt, so ist es letztendlich sein Problem, dass ist für mich dann in Ordnung. Lässt er mir doch bei einer Zustandsbeschreibung den Raum um die Meinungs- und Deutungshoheit einzunehmen. Er schadet sich und der Demokratie. Er ist es doch der die Politikverdrossenheit nährt, indem er die Meinung nährt Politik sei ein schmutziges Geschäft.

    Übrigens haben wir bis heute Äußerungen die uns im Vertrauen übermittelt wurden letztendlich auch vertraulich behandelt. Und wenn uns jemand aus der Stadtverwaltung oder der Politik etwas gesagt hat, was wir aber nicht bringen sollten, so sind wir dem auch immer gerecht geworden.

  7. Redaktion
    Redaktion says:

    @Leserkritik

    Im Wirtschaftsausschuss habe ich zumindest den Beginn einer neuen Art sehen dürfen. Die SPD mit Berg, Schöneberg und Herrman und die FDP mit Bicking und Haas machten doch den ersten kräftigen Schritt zu einem Mehr an Emanzipation gegenüber der Stadtverwaltung. Also die Politik wieder dahin zurück wohin sie gehört, in den Rat der Stadt. Das Einzelhandelskonzept der CIMA ist “Trash” und kommt aus dem Fachbereich aus dem schon so viel Unsinn kam. Bei der CDU, FWE und den Bündnisgrünen, sah ich nur verblüffte Gesichter. Vielleicht wird ja bei denen eines Tages wieder das Denken erlaubt.

  8. Leserkritik says:

    #4
    Volle Zustimmung. Aber diese Aussage von ihnen bezweifel ich: "zumal sie ohne langatmige Personaldiskussion auf eine nur knapp unterlegene BM-Kandidatin zurückgreifen können.". Da wird ein Häuptling vorsorgen (siehe #1, Thema Teufelskreis). Vernunft hat da keine Chance, ebenso wenig gute Ideen.
    #7
    Wenn es nach der FDP ginge, würde in Ennepetal gar nicht mehr geplant. Der Markt regelt das – will sich also noch ein Discounter ansiedeln, dann kann er gerne kommen. Das ist in meinen Augen unverantwortlich. Unglaublich ist, dass die FDP ihren marktradikalen Kurs auch hier in Ennepetal fortführt. Aber richtig ist: die FDP äußert wenigstens ihre Meinung und so entwickeln sich zukünftig hoffentlich noch viele weitere Diskussionen. Das ist Politik – zumindest meine Auffassung davon. Die Bürger können dann anhand der unterschiedlichen Positionen in den Diskussionen entscheiden, auf welcher Seite sie stehen oder ob sie noch eine ganz andere Position einnehmen. So werden Entscheidungen auch transparent.
    Bei der Verwaltung sah man deutlich den Unmut über den Sitzungsverlauf… aber wer sagt uns, dass es den nicht auch bei den Häuptlingen gab?! Emanzipation braucht es nicht nur gegenüber der Verwaltung, sondern auch gegenüber den Häuptlingen. Die haben aber Axt und Säge schon ausgepackt, um den einen oder anderen zu Fall zu bringen. Das Denken ist noch verboten – fragt sich nur, wer sich dran hält bzw. wie lange diejenigen sich halten, die sich nicht dran halten.
    #3
    Die Redaktion nimmt alle politischen Parteien in die Pflicht und daher ist die Kritik auch völlig in Ordnung. Gerade bei den festgefahrenen Strukturen hier in Ennepetal ist es gut, wenn jemand eine sehr kritische Position einnimmt. Wie kritisch – das ist doch jedem Berichterstatter selbst überlassen. Anscheinend gibt es ja genügend Anlass zur Kritik, es ist ja nicht so, dass die Redaktion aus dem blauen Dunst heraus ohne jede Hintergrundinformationen einfach draufhaut. Und das man mit Berichterstattung nicht immer einverstanden ist – das gehört dazu. Die Presse ist nicht dazu da, denen zu gefallen, über die sie berichtet.

  9. ein ennepetaler says:

    @ Hans Becker
    Sie haben recht! Es gibt bei EN-Mosaik durchaus positive Berichte. Vielleicht hätte ich mich klarer ausdrücken sollen. Mir geht es um die politische Seite von EN-Mosaik. Meist sind diese Artikel von Herrn Jürgen Gerhard verfasst.
    Mir geht es nicht um das Schönreden der teils wirklich fragwürdigen Vorgänge in Ennepetal, sondern um Objektivität. Natürlich brauchen wir den Journalismus um der Politik zu zeigen, dass sie beobachtet wird. Was schlecht oder falsch ist, darüber muss auch im nötigen Rahmen berichtet werden. Meinem empfinden nach verliert der Journalismus aber an Glaubwürdigkeit und Wirkung wenn er immer nur als contra formuliert ist.
    Ich bin ganz bestimmt kein Fachmann in Bezug auf Ennepetaler Politik, jedoch kann ich ganz bestimmt ausschließen, dass nicht alles schlecht ist was auch schlecht geredet wird. Es gibt immer mehrere Wege ein Ziel zu erreichen. Der bevorzuge Weg des Journalisten mag eine Option sein, jedoch ebenso wenig der garantiert Richtige.

  10. Redaktion
    Redaktion says:

    @ein ennepetaler

    Über die Begriffe Objektivität und Subjektivität sollten Sie aber einmal reflektieren.
    Ein Beispiel:
    Die derzeitige Bundesregierung senkt die Steuern und nimmt dafür Kredite auf. Alleine dieser Satz ist so nicht objektiv, denn die Bundesregierung beschreibt das ganz anders und will das auch in den uns zugeleiteten Pressemeldungen des Bundespresseamtes anders gesehen haben.
    Oder das sogenannte “Bad Bank” Gesetz, wie wollen Sie das objektiv darstellen?

    Es ist nun einmal so,dass Ennepetal jahrelang keine Kritik ertragen musste, Politik war kein Thema. Nehmen Sie nur das Thema Oelkinghausen, welches jetzt wie ein Kartenhaus zusammen gebrochen ist. Wie wollen Sie jetzt schreiben, wenn andere Kommunen im Bereich der Industrieansiedlung ihren Fokus auf einen breiten Branchenmix gelegt haben und dadurch relativ geringe Gewerbesteuereinbußen haben?

    Es ist nicht alles schlecht, da haben Sie recht. Die Bewohner sind geduldig und schauen dem Treiben der Politik gelassen zu. Wir haben eine wunderbare Landschaft in unserem Stadtgebiet, nur diese wurde nicht von der Politik geschaffen.

  11. ein ennepetaler says:

    "… Oder das sogenannte “Bad Bank” Gesetz, wie wollen Sie das objektiv darstellen?"
    … in dem ich völlig wertfrei darüber berichte! Nichts anderes will ich mit meinem Kommentar sagen. Oft ist mir die politische Berichterstattung hier zu sehr geprägt von persönlichen Meinungen (parteiorientiert??).
    Natürlich könnte man diese Berichte auch als Glosse oder Kolumne bezeichnen. Damit könnte man diese Art Berichterstattung natürlich erklären. Dazu sollte man aber dann einen Bereich EN-Mosaik – JG-Kolumne/Glosse einfügen… ….nur um Verwechslungen auszuschließen.
    Letztendlich ist es Ihr Webauftritt und Sie bestimmen die Art der Berichterstattung! Das steht außer Frage! Davon ist jedoch auch das Verhalten unserer Politiker Ihnen gegenüber abhängig.
    … damit schließt sich dann wieder der Kreis zu meinem ursprünglichen Kommentar.

  12. Redaktion
    Redaktion says:

    @ein ennepetaler

    Über das Bad Bank Gesetz wertfrei berichten? Das ist niemanden in Deutschland gelungen, selbst das Bundespresseamt oder die Pressestelle des Bundesrates waren da überfordert.
    Es gibt keine objektive Berichterstattung. Es gibt nur eine Näherung an eine objektive Berichterstattung, vielleicht noch in einem Polizeibericht. Aber auch bei einem Polizeibericht finden sie wie manchmal subjektive Wahrnehmungen mit einfließen.
    Und da kommen wir zu der persönlichen Meinung, diese ist nun einmal geprägt, von z.B. Wissen, Lebenserfahrungen oder auch dem sozialen Hintergrund. Wenn Sie nun über einen Sachverhalt schreiben, meinetwegen der mangelhaften Attraktivität von Ennepetal, so stellen Sie automatisch die Verantwortlichen heraus, und dies waren nun einmal in den letzten 10 Jahren immer wieder dieselben. Es sind aber nur Personen die in den letzten 10 Jahren politisch agiert haben. Persönlich habe ich nichts gegen diese Personen, nur sie waren in den letzten 10 Jahren am falschen Platz.

    Was nun die besondere Kennzeichnung meiner Artikel betrifft, so kann ich Ihnen folgendes sagen. Alle Artikel von mir sind ausdrücklich gekennzeichnet. Die von mir geschriebenen Artikel werden auch immer wieder über die interne Suchfunktion aufgerufen. Ich will das jetzt nicht bewerten.

    Das Verhalten der Politiker mir gegenüber ist nicht von einer freundlichen Berichterstattung abhängig, vielmehr ist es abhängig davon inwieweit unser Blog verbreitet ist. Und da stehen wir ganz gut da, mit demnächst 80.000 unterschiedlichen Besuchern.
    Wenn unsere Ennepetaler Politiker und die Stadtverwaltung, übrigens alle Farben, es sich erlauben können uns von den Informationen abzuschneiden, ist das wieder ein Beweis von ihrer Unfähigkeit die ihresgleichen sucht. Unser Problem, Ennepetaler Themen zu bekommen, steht diesem Verhalten der Politiker jedoch nicht im Wege. Wir haben genug Themen, die wir bringen können. Gute Öffentlichkeitsarbeit besteht darin indem ich die Meinungs-und Deutungshoheit in meinem Spielfeld belasse. Ich gebe also immer offensiv den Sachverhalt als auch die dazu gehörige Interpretation in geeigneter Form an die Öffentlichkeit, übrigens auch an mißliebige Medien respektive Multiplikatoren.
    Was nun meine Parteienpräferenz betrifft, so kann ich Ihnen versichern, im Rat der Stadt gibt es keine Partei der ich meine Stimme geben würde. Es sind mehrere Personen deren Meinungen ich im Ansatz aufmerksam aufnehme und auch verarbeite.
    Was Sie wollen ist mir aber schon klar, Sie wollen die gute alte Haus- und Hofberichterstattung aus der guten Feudalzeit, Kritik ja, aber doch bitte nur gegenüber dem politischen Gegner. Und das kann ich leider nicht bieten.

  13. Karin Schöne says:

    @ein ennepetaler  Ich fände es schade wenn die verfaßten Artikel nicht mehr kritisch geschrieben würden. Immerhin ist es ja eine Auswirkung bei der WR/WP, dass die immer nur schreiben sollten, bzw. durften was nicht negativ ist und jetzt beschweren sich alle das die Zeitung nichts mehr taugt.
    Und die arme Frau Noelke wurde ja fast von den Lesern gelüncht als sie mal kritisch geschrieben hat.
    Ich kenne viele Leute die mit der Schreibweise von en-mosaik durchaus zu frieden sind.
    Karin Schöne

  14. Anna Brux says:

    Zitat (#11, ein ennepetaler): "Letztendlich ist es Ihr [EN-Mosaik] Webauftritt und Sie [J. Gerhardt] bestimmen die Art der Berichterstattung! Das steht außer Frage! Davon ist jedoch auch das Verhalten unserer Politiker Ihnen gegenüber abhängig. … damit schließt sich dann wieder der Kreis zu meinem ursprünglichen Kommentar [#3]."

    Ich möchte dazu an ein paar Binsenweisheiten loswerden: Ein Kommunalpoltiker, der sich am Gemeinwohl ausrichtet, hat nichts zu verbergen – im Gegenteil. Er beantwortet Fragen von Bürgern und Pressevertretern bereitwillig, wohl wissend, dass seine Arbeit als politischer Dienstleister dadurch unterstützt wird. Wenn Politiker gegenüber der kritischen Presse mauern, befürchten sie, bei Fehlern ertappt zu werden …
     

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.