Ennepetal, das Tal der Zurückgebliebenen?

 

[jpg] Als Journalist hat man es mit Ennepetal schon schwer. Schwer im Sinne von, man muss sehr, sehr viel Zeit haben um mit dieser 14 Millionen Truppe klar zu kommen.

Nun ist jedem bekannt, EN-Mosaik wurde von Informationen der Stadt Ennepetal vor 3 Jahre abgeschnitten. Warum? Man mag keine kritische Berichterstattung im „Tal der Glückseligen“. Unmissverständlich wurde uns im vorbei gehen gesagt, wir müssen erst über ihre Berichte sprechen.  Und so wurden wir kurzerhand per Definition zur Nichtpresse ernannt. Wir haben uns um orientiert und sind in anderen Rathäusern, aber nicht nur dort, gern gesehene Vertreter der Presse.

Rathaus Ennepetal –   Foto Linde Arndt    

Inzwischen schreiben wir auch für zwei Printmedien im süddeutschen Raum. Kurz, wir haben einen ausgefüllten Tag.

Und da muss ein gutes Zeitmanagement durch den Tag helfen. Wie geht das heute? Ganz einfach. Jeder von uns gibt seine Termine und Anwesenheitsdaten in das Internet ein. So ergibt es sich, dass ich morgens weiß wo ich hin zu fahren habe.

So war am Dienstag ein Termin im Rathaus Ennepetal für mich  eingetragen, nämlich der Betriebsausschuss um 17:15  Uhr im Sitzungssaal. Ich musste den Vortermin etwas verkürzen um pünktlich in Ennepetal zu sein. Aber was war? Der Betriebsausschuss tagte nicht. Zwei Bewohner der „Insel der Glückseligen“ standen wie wir auch, vor dem verschlossenen Sitzungssaal.

Kein Schild oder ein Zettel informierte über den Ausfall des Termins. Nur eine Raumpflegerin meinte ganz trocken: „Wenn Tür zu, dann keine Sitzung“  Die beiden Ennepetaler gaben sich auch mit dieser Auskunft zufrieden und gingen. Schade, rufen doch immer mal wieder die Politiker dazu auf ihren Politzirkus zu besuchen. Nun haben die mal Besucher, dann so etwas.

Während wir auf der Straße standen, fuhr gerade Herr Adrian von dannen.
Wir guckten in den Sitzungskalender der Stadt Ennepetal und was sahen wir da? Der Termin war schlicht und einfach gelöscht worden. Da stand nicht: Fällt aus. Nichts stand da mehr, der Termin einfach gelöscht so als wenn es ihn gar nicht gegeben hätte.

Regelmäßig checken wir, wie sicherlich andere auch, den Sitzungskalender. Warum hat diese 14 Millionen Truppe nicht  die Bemerkung, fällt aus, eingetragen. Oder den Termin durch gestrichen? Da gibt es der Möglichkeiten viele, aber doch nicht löschen. Das ist so, als wenn man eingeladen wird und beim klingeln macht keiner auf.

Es gibt bei allen Veranstaltern diese gute Regel die Anderen zu informieren. Warum in Ennepetal  nicht auch? Wenn ich jetzt einen der Herren der Öffentlichkeitsarbeit anrufen würde, würde ich sicher die Antwort bekommen:

„Sie hätten uns ja anrufen und fragen können“. Tja, wie oft habe ich solche Antworten bekommen? Sehr oft! Wenn ich diesen Mehraufwand für Ennepetal betrachte, so kommt in der Summe so an die 14 Tage an Arbeitszeit im Jahr heraus, die für nichts vertan wurde.

 
     v.l.:Wiggenhagen und Heymann – Foto Linde Arndt

  Der Gipfel ist, wenn man sich von einem subalternen Ratsmitglied, der nur seine Ruhepausen im Rat verbringt, anhören muss: Was sie machen, ist für mich keine Presse. Richtig. Aber das kommt daher, dass was im Rat der Stadt Ennepetal gemacht wird, hat selten was mit Politik zu tun. Eher die immer mal wieder unzulänglichen Versuche Politik als ein Kaffeekränzchen zu organisieren. Und da kommt kritische Presse nicht so gut.

  Das solche Schlampereien überhaupt möglich sind, haben wir wohl alle diesem Rat zu verdanken, der meint er brauche die 14 Millionen Truppe nicht zu überwachen. Da werden zuviel gezahlte Gebühren nur auf Abmahnung  zurück gezahlt, Anträge verschwinden im Nirwana, Fragen werden nur oberflächlich und nichtssagend beantwortet und obendrein das geltende Recht nicht eingehalten. Und jetzt  lässt Wilhelm Wiggenhagen sich von einer Haushaltszeitung sagen, was er zu tun hat. Die diversen Anrufe seiner „Untergebenen“ Stadtbewohner  lässt er da schon mal ins Nichts laufen, bzw. beantwortet sie recht Nichtssagend? Wie war das Versprechen während des Wahlkampfes?
 Screenshot  WAP  Nr.:54  v.9.Juli 2011    

Bei der Übergabe der Beschwerden wurde ein Fototermin gemacht, was einen Bürgermeister zeigen soll, der für seine Bürger da ist. Toll!  Glauben sie das?  Es dient nur der PR und der Eitelkeit von Wilhelm Wiggenhagen. Aber nicht nur das, vielmehr lässt es doch tief in unser Ennepetaler System blicken, wenn die Bürger zu ihren gewählten Vertretern kein Zutrauen mehr haben. Werden also in Zukunft die Ratssitzungen mit der WAZ Gruppe abgehalten? Und werden in Zukunft die Redakteure der einzelnen Blätter sich als Kandidaten zur Wahl stellen? Wofür brauchen wir eigentlich noch politische Parteien? Wie dem auch sei, die WAP macht sicher mehr Auflage, was ihr gegönnt sei, nur sie stellt das politische System damit bloß. Das schöne für einen Wilhelm Wiggenhagen ist jedoch, er wird nicht mehr kontrolliert. Aber wurde er das schon mal?

 Der Haushalt 2010 und 2011 wurde schon von der Firma KPMG aufgestellt, nachdem der eigene Sachverstand nicht ausreichte. Oder war es nur eine Mithilfe? Für so viel Geld? Nun ist der Haushalt 2012 dran. Muss jetzt der WAZ Konzern mit einer Umfrage im lokalen Teil alle Buchhalter zur ehrenamtlich Mitarbeit aufrufen um den Haushalt 2012 zu erstellen? Denn da werden von Einsparmöglichkeiten und Einnahmeverbesserungen im Rat gesprochen das einem sämtliche Gesichtszüge entgleisen.

Die „14 Millionen Truppe“ ist ja mit anderen, sicherlich wichtigeren,  Dingen beschäftigt; denn sonst würden diese Vorlagen sicher nicht ernsthaft kursieren.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

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4 Kommentare
  1. Leserkritik says:

    “Der Haushalt 2010 und 2011 wurde schon von der Firma KPMG aufgestellt, nachdem der eigene Sachverstand nicht ausreichte. Oder war es nur eine Mithilfe? Für so viel Geld?”

    Na unser Kämmerer Kaltenbach jedenfalls scheint völlig überfordert, gilt aber bei allen Parteien als absolut kompetent. Und der Bürgermeister geht lieber mehrmals im Jahr auf Kreuzfahrt. Die Vorbereitung auf die hohen Zahlungen der Stadt im Alter muss man ja ruhig angehen…

  2. Horst Rodewig says:

    @ Leserkritik

    Die gesamte Verwaltung geht nicht mehr als kompetent durch. Kaltenbach ist seinerzeit von einem anderen Kämmerer im Kreis kommentiert worden, mit: Na ja, es geht so. Aber er ist höflich.
    Was mich allerdings mehr bewegt, sind die Menschen die über eine Zeitung an ihre Verwaltung heran treten müssen. Die Verwaltung und die Politik ist sicher in ihrer Wagenburg eingeschlossen. Sind denn für den Haushalt 2012 schon Grausamkeiten bekannt geworden? Bei der SIHK ist man sich sicher, dass keine Gewerbesteuererhöhung kommt, Bilstein hat da vorgesorgt. Wir wissen zwar nicht wie, aber da ist was gelaufen.

  3. Leserkritik says:

    Die Verwaltung gibt ja nicht mal aktuelle Schuldenstände raus. Tolle Transparenz… Herr Bicking hat ja im Rat dezent versucht das Thema Schulden anzusprechen… sofort gifteten CDU/Grüne/FDP massiv los. Und… da schaffen CDU/Grüne/FDP mal schnell eine neue Stelle, werfen damit das Personalwirtschaftskonzept über den Haufen, was elementarer Bestandteil des Haushaltssicherungskonzeptes ist – und das obwohl das Schuldenloch immer größer wird… grandios, es ist einfach nur noch lächerlich, peinlich und unerträglich… ich dene die Mankels werden da genauso mitspielen wie Bilstein und Co. Gibt in Ennepetal genug die Interesse an einer sehr geringen Gewerbesteuer haben. Die Zeche zahlen dann die BürgerInnen. Und… dafür das wir so einen geringen Gewerbesteuerhebesatz haben… Frey sagt doch immer das wir dadurch so mega attraktiv sind… also ich sehe hier keine Unternehmen Schlange stehen. Sind doch jetzt erst wieder welche auf dem Sprung weg aus Ennepetal.

  4. Redaktion
    Redaktion says:

    @Leserkritik

    Unsere Nachbarstadt Gevelsberg hat den Hebesatz auf 490 % ( Ennepetal hat 403%) erhöht. Und,ist ein Betrieb abgesprungen?Nein! Im Gegenteil. Die Betriebe die in Gevelsberg ansiedeln sind nicht so anfällig für Konjunkturschwankungen. In Ennepetal sind die Betriebe sofort in den Keller gegangen.
    Gevelsberg denkt darüber nach ein neues Industriegebiet auf zu machen, die alten Gebiete sind alle voll.

    Na ja, wahrscheinlich geht es Mankel, Bilstein und Co. wirtschaftlich so schlecht, dass sie eine Erhöhung der Hebesätze nicht verkraften können. Aber, auf der anderen Seite, wäre ich auch gegen eine Erhöhung der Hebesätze, wenn ich sehe was die Truppe mit dem Geld zur Zeit anfängt. Da würde ich doch lieber meinen Gewinn in Luxemburg bunkern.

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