Dreigroschenoper kommt im Theater Hagen zur Aufführung

[jpg] Die Dreigroschenoper war Anfang des vorigen Jahrhunderts der größte “Straßenfeger”. In den  Jahren  nach der Aufführung der Dreigroschenoper wurden die Songs dreigroschen-logoimmer wieder auf den Straßen geträllert, der Kanonensong, die Moritat von Mackie Messer, das „kleine Lied“ der Polly Peachum oder auch die Ballade vom angenehmen Leben. Es war Ende der 20er Jahre, Brecht schrieb gerade an seiner Mahagonny Oper als er durch Elisabeth Hauptmann auf das aus 1728 stammende Stück( Beggar’s Opera von John Gay und Johann Christoph Pepusch) aufmerksam gemacht wurde. Kurzerhand adaptierte er dieses Stück, schrieb es um und machte daraus eine politische “Oper”. Von der durch Elisabeth Hauptmann übersetzten Vorlage blieb kaum etwas übrig. Die Uraufführung  fand am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm (heute Berliner Ensemble) in Berlin statt.

Die Dreigroschenoper ist keine durchkomponierte Oper im engeren Sinn, sie ist mehr ein Theaterstück mit 22 abgeschlossenen Gesangsnummern, für die keine Opernsänger benötigt werden, sondern singende Schauspieler. Das Theater Hagen hält sich an die Vorlage aus der Uraufführung, also mehr oder weniger die mal angedachte “Lumpenoper”, die dann in der Zeit  des 18ten Jahrhunderts angesiedelt wird. Bis auf einige Änderungen. Das Orchester, die 9 Musiker, die auf der Bühne sein sollten, werden aus Platzgründen in den Orchestergraben verwiesen. Und, es sind keine singenden Schauspieler, sondern schauspielende Sänger.

 

Zum Inhalt:

 Ein Moritatensänger erzählt auf der Straße von Macheath, alias Mackie Messer, einem Gangster der oberen Gesellschaft, der in Konkurrenz steht zu Jonathan Jeremiah Peachum, der üble Geschäfte mit den Ärmsten der Armen macht – den Bettlern. Beide stehen in erbittertem Konkurrenzkampf um die Macht auf der Straße. Mackie Messer heiratet Polly Peachum, die Tochter des Bettlerkönigs Peachum ohne diesen zu fragen. Peachum ist natürlich nicht einverstanden und sinnt auf Rache. Aus diesem Grunde ruft er den Polizeichef „Tiger“ Brown, der ihm Mackie Messer vom Halse halten soll. Als dieser sich weigert droht er mit seiner Bettlerbande die Krönungsmesse zu stören. Brown gibt nach und lässt Mackie Messer suchen.

Mackie Messer flieht auf anraten von Polly Peachum zu seinen Huren ( Betty, Dolly, Molly, Vixen, Alte Hure, 1. Hure, 2. Hure ) und vergnügt sich dort. Spelunken-Jenny verrät Mackie Messer an die Polizei, die ihn auch in dem Salon schließlich festnimmt. Nun kommt es für Mackie Messer ziemlich hart und schließlich steht er unter dem Galgen. Im Schlußakt als Mackie Messer gehängt werden soll, kommt ein reitender Bote der Königin, der die Begnadigung Mackies verkündet. Mackie wird in den Adelsstand berufen und bekommt eine königliche Rente.

 Es ist eine stille Kumpanei zwischen der Königin und dem Verbrechen als auch den Verbrechern, die einander bedingen und fördern. Der kleine Mann ist der Bettler und immer der Gebende und auch aus diesem Grund immer in der Schuld. Der Moritatensänger singt denn auch: “Denn die einen sind im Dunkeln, und die anderen sind imLicht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.”

Man ahnt wie die folgende Oper Mahagonny ausfallen wird. Brecht findet Parallelen, die wir grimmig lachend hinnehmen, weil sie allesamt hochaktuell und nur in einem anderen Äußeren auf uns weiter einwirken.

Und so ist es nur schlüssig wenn Brecht in dem Lied:

 

Das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens

“Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm nicht aus
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.

Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht schlau genug
niemals merkt er eben
allen Lug und Trug.”

über das Leben reflektiert. Es ist kein erbauliches Stück, es ist eher ein nachdenkliches Stück. Und es gehört zu dem Besten was das deutsche Theater zu bieten hat, weltweit ist es eines der meist gespielten Stücke des deutschsprachigen Theaters.

 

Info:

 Premiere 04.05.2013   im großen Haus um  19:30 Uhr

  • Musikalische Leitung: Alexander Ruef

  • Inszenierung: Thomas Weber-Schallauer

  • Ausstattung: Jan Bammes

  • Dramaturgie: Maria Hilchenbach

  • Chor: Wolfgang Müller-Salow

  • Regieassistenz: Pawel Strotschilin

  • Inspizienz: Bettina Grüger

 

Besetzung:

Jonathan Jeremiah Peachum, Chef einer Bettlerplatte: Werner Hahn

Frau Peachum: Marilyn Bennett

Polly Peachum, ihre Tochter: Tanja Schun

Macheath, Chef einer Platte von Straßenbanditen: Christian Higer

“Tiger” Brown, Polizeichef von London: Orlando Mason

Lucy, seine Tochter: Maria Klier

Filch, einer von Peachums Bettlern: Robert Schartel

Spelunkenjenny, Hure: Evelyne Wehrens

Smith, erster Konstabler: Robert Schartel

Hochwürden Kimball: Robert Schartel

Trauerweidenwalter / Bettler: Dirk Achille

Hakenfingerjakob / Bettler: Richard van Gemert

Münzmatthias / Bettler: Firat Baris Ar

Sägerobert / Bettler: Krzysztof Jakubowski

Ede / Bettler: Pawel Strotschilin

Jimmy / Bettler: Wolfgang Niggel

ein Moritatensänger: Ks. Horst Fiehl

6 Huren: Soraya Almanza / Anja Frank-Engelhaupt / Verena Grammel / Gisela Ribbert / Britta Strege

 

Weitere Vorstellungen: 8.Mai, 11.Mai, 18.Mai, 23.Juni (15:00h) 26.Juni, 4.Juli und 12.Juli>|< jeweils um 19:30h

Karten unter 02331/207-3218 oder www.theater.hagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern,

Tel.: 02331/207-5777 sowie bei allen EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Hagen

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