Die Idee selber als Objekt der künstlerischen Betrachtung

[jpg] Kunst lebt von der Umwelt, ja sie spiegelt quasi die sie umgebene gesellschaftliche Umwelt.


Katja Mudraya               Foto:Linde Arndt
 

Der Künstler selber steht vor dem Problem das wahr genommene in Form seines Werkes wiederzugeben. Nun hört sich das so an, als wenn nur der Künstler von der ihn umgebenen Umwelt partizipieren würde.

Dies sollte man jedoch gleich vergessen. Vielmehr findet immer wieder ein ernsthafter aber auch nachhaltiger Dialog zwischen Gesellschaft und Künstler statt. Bilanziert man diesen Dialog, so stellt man einen nicht unerheblichen Mehrwert auf Seiten der Gesellschaft fest.

 
Mittenverdichtung    Foto: Linde Arndt

Im Rahmen seiner Dialoge sammelt sich im Künstler eine immense Masse an Bildern, Eindrücken, Verhaltensweisen oder auch Gefühlen.
Diese schwirren teils ungeordnet als Facetten im Unterbewusstsein oder im Langzeitgedächtnis herum.
Was fehlt ist eine Idee, die wiederum in der Regel eine Mission beinhaltet und die mittels eines Impulses in einem Kunstwerk mündet. Diese Idee muss aber auch eine gewisse Intensität haben um schlussendlich umgesetzt zu werden.

Was aber, wenn die Idee selber zu einer Betrachtung gelangt und in ein Kunstwerk mündet? Oder gar der Gedankenflug der Ideen zu einem Kunstwerk erhoben wird?


 Facetten                      Foto: Linde Arndt
  An solch ein Kunstwerk, also die Idee darzustellen, hat sich   Katja Mudraya von der Friedrich-Harkort-Fachhochschule aus Herdecke herangewagt.

Und mit diesem Kunstwerk hat sie auch den ersten Preis der KidsNatureArt neben der Hauptschule Friedenshöhe zu gesprochen bekommen.

Es ist eine Art Mandala ein aus vielen Materialien zusammengesetztes ebenerdiges Bodenmal. Mandala gefällt mir deshalb, weil dieses Mal dem Verfall preisgegeben wurde, eben wie eine Idee die nicht umgesetzt, eben verfällt.

In seiner Ausdehnung erahnt man den Ideenreichtum der Künstlerin. Begehbar ist das Kunstwerk von der Mitte aber auch von seinen äußeren Rändern.

In der Mitte erkennt man klar eine Verdichtung zu der alles hinstrebt aber von der aus auch alles ausgeht. Die Mitte ist aber auch aus Stein angefertigt die offensichtlich die Härte der nun zur Ausführung neigenden Idee darstellt. Unterschiedliche Formen und Materialien zeigen auch den Grad der Leichtigkeit der zufliegenden Facetten einer Idee.

Nein, fertig ist die Idee nicht, sie sucht noch Teile die zur Größe finden könnten. Abgrenzungen zu thematischen Nachbarfelder werden vorgenommen. Das mäandernde der Teilideen wird sichtbar. Und immer ist eine Verbindung gegeben, noch ist nichts verworfen worden.

Alles fügt sich zusammen und ist doch nicht zusammen. Und doch läuft alles auf den einen Punkt zu, den Punkt der Entscheidung mit ganzer Schaffenskraft etwas umzusetzen. Das Kunstwerk kann dann alles sein, von einer Installation über eine Zeichnung bis zu einem Happening mit Interaktion.

Katja Mudraya hat mit ihrem Kunstwerk ein Werk geschaffen das einen hohen Abstraktionsgrad besitzt. Im Auge des Betrachters entsteht das „Kino im Kopf“ um die Fantasie und Kreativität der Künstlerin zu erahnen.

Spielerisch führt sie den Betrachter in eine Welt in der er sich wohl fühlt, er wird inspiriert und zum mitmachen aufgefordert.

Frau Mudraya nimmt den Betrachter irgendwie an die Hand und lässt ihn an ihrer Welt teilhaben.

Die von ihr gewählten Ausdrucksformen und Materialien sind bewusst und professionell und haben einen hohen künstlerischen Ausdruck. Es deuten sich Vielschichtigkeiten an die  durchaus einen künstlerischen Wert in seiner Ausführung erkennen lassen. Frau Mudraya ist weit von der Liga der Hobbykünstlerin entfernt und befindet sich auf einem Weg des künstlerischen Reichtums.

Sie begibt sich allerdings auf einen unsicheren Weg. Denn die meisten Künstler lassen von Anfang an Formen, Techniken oder Farben erkennen in denen sie zeitlebens verharren. Katja Mudrayas Kunstwerke werden immer offen in ihren Formen, Ausdrücken oder Techniken sein.

Die vielen Linien und Ebenen verlangen eine hohe geistige Disziplin und eine klare Vorstellung von Bild und Form Graphische, geometrische Elemente, Figuren, perspektivische und verlaufende Linien, weiche und harte Konturen, verschieden Strukturen und Oberflächen, all das bereichert sich gegenseitig und macht die Bilder wirklich spannend.

Bei einem Gespräch hatte Katja Mudraya angekündigt sich in Bonn einschreiben zu wollen, ich denke wir werden sicherlich eines Tages von Katja Mudraya im Kulturbetrieb hören.

 Ich zumindest bin gespannt auf diese Katja Mudraya von morgen.

 
Spuren            Foto:Linde Arndt

Zum Abschluss bleibt die Frage: Warum eine Laudatio für Katja Mudraya? Warum nicht für die anderen Preisträger auch? Nun, ich denke mir, dass diese Laudatio stellvertretend auch für die anderen Preisträger von KidsNatureArt stehen kann und sollte.
Das wesentliche einer Laudatio ist, dass dem Laureat das verdiente Lob zuteil wird, welches ihm nicht nur mit der Übergabe des Preises schon zukam. Auf der anderen Seite stehen die Teilnehmer die keinen Preis oder einen geringeren Preis bekamen. Ihnen mag diese Laudatio als Ansporn aber auch Anleitung dienen Mut für die kommenden Wettbewerbe zu finden. Der Kunst und Kulturbereich in einer Gesellschaft ist der reichste Bereich den eine Gesellschaft überall auf der Welt vorhält. Auch wenn er am Anfang nicht mit monetären Reichtümer gepflastert ist, so ist er jedoch mit einer unendlichen Lust und Freude im Schaffensprozess verbunden, auf die die anderen gesellschaftlichen Bereiche neidisch blicken.

  KidsNatureArt im Hülsenbecker Tal war eine spannende Veranstaltung auf einer spannenden Naturbühne.

Allerdings sollte man sich hüten, solch eine Veranstaltung zu banalisieren, vielleicht hatte die stellvertretene Bürgermeisterin und Dacho Chefin Christiane Sartor aus Schwelm ja recht, wenn sie die nächste Austellung in Schwelm sah.

Für das Hülsenbecker Tal könnte man dann ein Lichterfest organisieren, meinetwegen unter: „Ennepetal in neuem Licht“ Aber das wäre ein ganz anderer Artikel.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

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