Der Trashman oder „Gott der Tankwarte“ nun auch in Ennepetal


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  [jpg] Erst die KultGarage und nun hat die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld das „Ein Wochen Museum“ aus der Taufe gehoben.

Nicht ohne Stolz stellte Johannes Dennda das erste Exponat vor. Man muss sich das erst einmal durch die gesamten Gehirnwindungen gehen lassen; denn dieses Exponat ist HA Schult „Die Tankstelle“ von 1972. HA Schult der Trashman oder wie er sich selber einmal nannte der „Gott der Tankwarte“.

Dieses Werk entstand in einer Zeit der Ölkrise (1973). Die Opec verlangte von heute auf morgen einen Ölpreis der die westliche Welt schockte. Damals gab es als Antwort die autofreien Sonntage oder in anderen Ländern wurden nach den  Nummernschildern die Autos an verschiedenen Tagen abgestellt, staatlich verordnet versteht sich. In dieser Zeit des Wandels gelangte HA Schult zu seinen ersten Arbeiten. Als Aktions- oder Objektkünstler  wurde HA Schult bekannt. Wobei er sich mit den Prozessen der Müllentstehung und Müllverwertung beschäftigte. Die Zeit der Studentenbewegungen war die Zeit der Fragen und des Hinterfragens. Sie war aber auch die Zeit der neuen Stilrichtungen in der Kunst. Die gesellschaftlichen Verkrustungen sollten aufgerissen werden. Für viele war es eine unruhige Zeit, die Ängste erzeugte. Für andere war es jedoch eine inspirierende Zeit, eine Zeit der Befreiungen von gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen – macht kaputt was euch kaputt macht.

              
     

In diesem gesellschaftlichen Umfeld entstand das Werk „Die Tankstelle 1972“. Es ist ein Werk welches gerade heute, nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, noch eine ungeheurere Aktualität besitzt. In diesem Bild, welches wie ein Setzkasten wirkt, ordnete Schult ein Szenario an, welches eine Weltuntergangsstimmung darstellt. Der Boden mit Erdöl verseucht und auf diesem Boden eine Tankstelle an der ein Auto betankt wird.Hinter der Tankstelle häufen sich die verbrauchten Reifen, die nicht entsorgt wurden. Es ist eine geschunden Welt. Die heile Welt ist nur andeutungsweise durch den an der Tankstelle stehenden Geländewagen vorhanden. Dieses Bild ist wie ein Drama im Sinne von Brecht angeordnet. Man möchte eingreifen und eine Umkehr erzwingen. Es geht jedoch nicht. Schult zwingt uns zu zu sehen was wir mit unserem Ego anrichten und fragt: Wollt ihr das?

Er stellt auch diese ganze Konsumwelt des Verbrauchens damit in Frage und weist auf intelligentere Lösungen hin, die wir sicher auch erbringen könnten.

   
  v.l.: Jürgen Schlothauer, Johannes Dennda, Saskia Lipps und Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin                                      Foto: © Linde Arndt  

Die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld zeigt einmal mehr den Mut, Außergewöhnliches  zu wagen als nur das Alltägliche. Wobei das Alltägliche ja heute schon in gewisser Weise Mut erfordert.

Mit der Sparkasse mit Johannes Dennda und dem K.E.Osthaus Museum mit Dr. Tayfun Belgin haben sich zwei Institute zusammen gefunden, die offensichtlich eine Botschaft vermitteln wollen – es geht. Es geht eine Kunstvermittlung jenseits des musealen Kunstbetriebes aufzubauen.

Und mit Saskia Lipps vom K.E. Osthaus-Museum als Soziologin ist es sogar möglich Artefakte in einem alltäglichen Umfeld, wie einer Sparkasse, den Heranwachsenden näher zu bringen. Die ersten Besucher, die sich mit diesem Projekt vor Ort mit großem Interesse auseinander setzen konnten und in die Details zu diesem Werk von Saskia Lipps  eingeweiht wurden, waren 16 Schüler des Leistungskurses vom Reichenbach-Gymnasium Ennepetal mit ihrem  Kunstlehrer Jürgen Schlothauer.

Es musste zwar noch etwas improvisiert werden aber so ist das eben bei einem Findungsprozess. Manchmal ist eben auch der Weg das Ziel. Es hatte auch noch gereicht sich in einem Gespräch auszutauschen und Hintergrundinformationen über die Zeit eines HA Schult, und über Karl-Ernst Osthaus, den Begründer des Hagener Museums zu erfahren.

Ja, ich denke die Idee der Sparkasse und des K.E. Osthaus Museums könnte in der Region Wellen schlagen. Wellen, die dazu führen, dass unsere Kultur und damit die Kunst mehr wert ist als nur eine Haushaltsposition die nach Belieben gekürzt werden kann.

Johannes Dennda von der Sparkasse und Dr. Tayfun Belgin mögen sich offensichtlich, denn für das nächste Bild aus dem Osthaus Museum ist schon wieder gesorgt. Es ist eben so in der Kunst – sie verbindet.

Das Bild von HA Schult ist noch bis 9. Juli 2011 während der Öffnungszeiten in der Hauptstelle der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld zu sehen.

Das nächste „Ein Wochen Museum“ mit einem weiteren Exponat wird dann am 4. Oktober 2011 in der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld eröffnet.

Man darf gespannt sein.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

Hier geht es zum K.E.Osthaus Museum.

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