Der EN-Kreis und Ennepetal ist auch Europa. Wir haben gewählt!

[jpg] Zum ersten Mal habe ich mich zu einer „Wahlfete“ ins Rathaus begeben, um mir die Ergebnisse  der Stadt und auch vom EN-Kreis anzeigen zu lassen. Fast alle „Häuptlinge“ oder auch „Silberrücken“ waren da, die sich je nach Wahlkreis die neusten Ergebnisse um die Ohren schlugen. Die Indianer saßen entweder vor dem Laptop oder hatten sich in den hinteren Bereich zurückgezogen.

Es war eine reine Männerdomäne, in der von den Bürgermeisterkandidatinnen einzig Frau Schöneberg sich auftat in den Kreis der „Häuptlinge“ wie selbstverständlich einzubrechen. Man merkte schon, dass es den Häuptlingen nicht so recht war, dass ihr angestammtes Gebiet, das Kommentieren der einzelnen Wahlergebnisse, von einer Frau begleitet wurde.

Herr Faupel, der von uns immer wieder beobachtende „Silberrücken“ fühlte sich auch sichtlich unwohl, wartete sicherlich seine Angetraute zu Hause mit dem Abendessen auf ihn, wie es sich gehört.

Auch merkte man, Europa war bei den kommunalen Politikern doch sehr weit entfernt.

An den Ergebnissen, die niemand auf Bundesebene von den Medien verwunderte, konnte man absehen, Europa ist ein Stiefkind geworden. Es wird nicht geliebt aber auch nicht gehasst.
                  [Quelle Internet  Collage JPG]
 

So ist denn anzumerken, Europa hat ein Kommunikationsproblem, es weiß sein Dasein nicht so recht bei dem Wähler rüberzubringen.

Nur wenn es die Kommunalpolitiker von unten nicht rüberbringen können, wer soll es denn dann rüberbringen? In den letzten zwei Wochen wurden nur lieblose Veranstaltungen hier in Ennepetal auf den Weg gebracht, die aber sicher den Wähler nicht erreichten. Die Wahlkämpfe haben ein anderes Timing aber auch eine andere Dramaturgie verlangt, was von der alten Garde der Politiker schlicht und einfach ignoriert wurde.
 
Gegen 0.00 Uhr denken wir haben wir verlässliche Ergebnisse, die wir Ihnen im Einzelnen darstellen wollen:
 
                                        Europawahl in Ennepetal
 
Stimmen 2004
Veränderung
Stimmen 2009
Veränderung
CDU
41,9
-1,7
35,3
-6,6
SPD
29,3
-12,2
28,4
-0,9
Grüne
10,6
4,7
10,8
0,2
FDP
7,5
3,9
12,4
4,9
Linke
2,3
0,9
5,0
2,7
sonstige
8,4
7,1
8,0
-0,4
 
 
 
 
 
Wahlbeteiligung
38,5
-5,1
38,6
0,1
 
Und weil es so schön ist den Kreis direkt dazu:
 
                                        Europawahl im EN-Kreis
 
Stimmen 2004
Veränderung
Stimmen 2009
Veränderung
CDU
35,9
-1,4
30,7
-5,2
SPD
32,5
-13,3
31,5
-1,0
Grüne
13,2
5,7
13,6
0,4
FDP
7,5
4,0
11,3
3,8
Linke
2,4
0,8
5,3
2,9
sonstige
8,4
5,6
7,5
-0,9
 
 
 
 
 
Wahlbeteiligung
41,4
-3,1
42,1
0,7
 
Das gute zuerst. Der vorhergesagte Absturz bei der Wahlbeteiligung ist ausgeblieben. Festhalten müssen wir trotzdem, die Wahlbeteiligung ist sehr niedrig, sprich, das Interesse ist gering.
 
Das zweite was wir feststellten, die Neonaziparteien, wie NPD, DVU und Republikaner haben im Kreis als auch in der Stadt Ennepetal einen „Stammwählersatz“. Genau konnten wir das allerdings nicht ermitteln, in der Regel liefen die auf den Rechnern unter „sonstige“ Wobei die Rubrik „sonstige“ nicht richtig dargestellt werden konnte, hier fehlt es offensichtlich an der Sensibilisierung der Verantwortlichen.
 
Nachdem im Jahre 2004 die SPD zweistellig, durch die Agenda 2010, abgestürzt war, hat sie sich offensichtlich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Allerdings stürzte die CDU nunmehr massiv ab und findet sich auf der Verliererstrasse der Volksparteien wieder. Dies ist einerseits der großen Koalition und andererseits der Finanzkrise und deren Handhabung geschuldet. Das aber die FDP davon profitiert vermag niemand rational zu erklären. Ist doch die FDP die Partei die für die so genannte Freiheit der Märkte, auch der Finanzmärkte, eintrat.
Die ersten Weichen wurden nachhaltig während der Ära Kohl CDU/FDP Koalition gestellt, um sodann in der Ära Schröder nochmals justiert zu werden. Bis heute ist kein einziges Gesetz oder eine Verordnung auf den Weg gebracht worden um die entfesselten Finanzmärkte unter Kontrolle zu bringen.
 
Wenn man für Ennepetal eines daraus lesen kann, so folgendes:
 
Wenn es den Parteien gelänge die Wähler über die 50% Marke zu hieven, so würden die beiden großen Volksparteien die kleinen wieder auf die Plätze verweisen. Aber auch die Neonazis klar, so sie denn antreten, in ihre Schranken der Bedeutungslosigkeit verweisen. Was aber fehlt sind die Themen; denn warum sollte man etwas thematisieren, wenn der Trend einem doch die notwendigen Mehrheiten beschafft?

So ist es nicht verwunderlich, dass die CDU auf einen Angstwahlkampf setzt, um zumindest ihre Stammwähler, die überwiegend zu den älteren Wählergruppen gehören, zu mobilisieren. Denn die Älteren haben diese überzogene Angst ihre Besitzstände zu verlieren. Bei der Bürgermeisterwahl verfolgt die CDU eine Doppelstrategie. Einerseits soll, für die Erzkonservativen, keine Frau an die Macht, andererseits setzt sie auf die angeblich erfolgreiche Politik des Herrn Eckhardt, die von Frau Schöneberg nicht in Gefahr gebracht werden sollte. Das zweite Thema, das in Ennepetal rumgeistert, ist die Fuzo „inne Milspe“, welches von der Mehnertruppe favorisiert wird. Die SPD als auch Frau Schöneberg halten sich gepflegt zurück und halten sich an ihre Programmpunkte.

Die großen Themen, die auch in Ennepetal zu sehen sind, sind von allen Parteien tabuisiert. Ennepetal als Avantgarde, in den Bereichen Jugend, Ausbildung, Bildung, Ehe und Familie oder stellen wir uns vor, die Printmedien titeln, „Ennepetal die kinderfreundlichste Stadt in NRW“ oder "Ennepetal hat dem demografischen Wandel Einhalt geboten und ihn sogar durchbrochen". Für die hasenfüßigen Ennepetaler Politiker wäre das undenkbar, würden sie doch auf einmal aus der Bedeutungslosigkeit ins Rampenlicht gezerrt, und das treibt jedem die Schweißperlen auf die Stirn.
 
 

 Jürgen Gerhardt

 

6 Kommentare
  1. markus schmidt sagte:

    Für die Ennepetaler SPD muss das Ergebnis doch niederschmetternd sein, einen Prozentpunkt verloren.
    Die CDU fast 6 Punkte verloren.
    Ich vermute das einige CDU und SPD Wähler zur FDP gegangen sind.
    Bin gespannt ob CDU und SPD bis zur Kommunalwahl noch mehr verlieren.
    Die Grünen sind eigentlich sehr stabil,kontinuierlich bei 10%.
    Die Linke kommt wahrscheinlich in den nächsten Rat, was der SPD noch mehr wehtun dürfte.

  2. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Heißt das, die 6 Punkte der CDU sind nicht niederschmetternd? Oder das 6 Punkte weniger als 1 Punkt sind?

    Das Problem kommt aber noch, offensichtlich haben die Neonazis genügend Wählerpotenzial.
    Und weiter, die beiden großen Parteien haben keine Attraktivität mehr, weder für den Wähler,
    noch als Partei als solches.
    Wenn Sie die Zahlen richtig lesen, können Sie spekulieren, wer der erste und wer der zweite Verlierer und so weiter Verlierer ist. In letzter Konsequenz stellt sich die Frage, inwieweit hat die Parteiendemokratie noch ihre Daseinsberechtigung.

  3. markus schmidt sagte:

    @ Redaktion

    Der Unterschied ist , das Polster der CDU ist noch relativ komfortabel.
    Bei der SPD wird es langsam eng, mit 20-28% ist der Anspruch als Volkspartei irgendwann dahin.
    Und der Anspruch auf die Regierungübernahme (sei es im Bundestag oder im Rat der Stadt Ennepetal) ist mit diesen Wahlergebnissen praktisch unmöglich.
    Was nützt es später ,wenn Frau Schöneberg Bürgermeister wird, aber die bürgerlichen im Rat die Mehrheit haben ?
    Dann kann es sein ,das sie später für die CDU-Politik den Kopf hinhalten darf.
    Da sehe ich das Risiko.

    Denn bis jetzt war es so ,das die stärkste Fraktion immer den Bürgermeister stellte (egal er sich nun als “unabhängig” bezeichnete).

    Ein Potenzial für Rechtsradikale sehe ich nicht,
    die Protestwähler werden von der Linken “aufgesogen”.
    Was auch so gut ist, allerdings ist das ein weiterer “Alptraum” für die SPD.

    Denn unter “Sonstiges” können alle kleinen Parteien stehen, der Wahlzettel war ja fast einen Meter lang 🙂

  4. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Klar ist das Polster der CDU noch vorhanden. Nur was nutzt das? Zweiter Verlierer kann doch auch kein Ziel sein.

    Was den Bürgermeister betrifft, Sie denken noch in den alten Kategorien.
    Allen KandidatInnen ist bewusst, dass sie auch Entscheidungen tragen müssen, die nicht aus den Reihen ihrer Parteien kommt.
    Bezüglich der Neonazis, die sie gleichsetzen mit der Partei Die Linke, machen Sie es sich aber zu einfach. Geschichtlich ist es doch so, dass die Konservativen (Zentrum) mit der damaligen NSDAP koalierten. Nehmen Sie nur den Lebenslauf des damaligen Herrn von Papen, aber auch anderer Größen der Zentrumspartei. Und die heutige CDU hat nun einmal ihren Ursprung in der Zentrumspartei.
    Aber Sie haben Recht, die Konservativen haben immer erst geschrien wenn das Kind in den Brunnen gefallen war.

    Wir haben ja noch nichts zu verlieren, als unsere Demokratie. Und wenn die weg ist,Hauptsache wir kriegen unser Pöstchen, sei es als Blockwart oder Ortsgruppenführer.

  5. markus schmidt sagte:

    @Redaktion

    Da haben sie mich missverstanden.
    Ich setze “die Linke” nicht mit den Nazis gleich.
    Ich habe nur geschrieben :das es besser ist wenn die Protestwähler “die Linke” wählen.
    Denn ich habe lieber Sozialisten im Rat meiner Stadt sitzen als Nazis.
    Denn die Linke (in Westdeutschland) besteht zum überwiegenden Teil ja aus eh. SPD’lern und Gewerkschaftlern.
    Also aus ehrenwerten Menschen, während die Rechten (NPD,DVU…etc) einfach nur “brauner Pöbel” sind.
    Die politisch überhaupt kein Programm haben, außer halt ihre Rechten Parolen.

  6. Redaktion
    Redaktion sagte:

    Ok, Schwamm drüber.
    Nur das Problem Neonazis kann man nicht mit der Strategie Ausgrenzen beseitigen. Man muss sie da bekämpfen wo ihre schwachste Stelle ist, und die ist nun einmal in dieser unsäglichen Theorie.
    Übrigens mit der Linken haben sie auch nicht Recht, die haben inzwischen ein Stammwählerpotenzial von 8%, nicht nur die Unzufriedenen.

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