Das Geschäft eines Anderen besorgen …

Das Geschäft eines Anderen besorgen  – so geschehen in Ennepetal

 [jpg] Schlimmer hätte es nicht kommen können. Auf der einen Seite Champignonsliga Endspiel und andererseits in Ennepetal eine Diskussion von Bildenden Künstlern über den „Wert der Kreativität“. Zwei gesellschaftliche Gruppen die um ihre Gewichtung, und damit um Geld, in der Gesellschaft kämpfen. Die Realität? Der Sport hat schon längst gewonnen, wenn man sich die Stadien oder Sportstätten gegenüber den Museen oder Opernhäusern ansieht. Woran liegt das, dass der Wert der Kunst und damit der Kreativität hinter dem Wert des körperlichen Wettstreits weit zurück liegt? Ich denke, nicht nur ich , es liegt an dem mangelnden Selbstbewusstsein der Kunst und der Künstler.

Ich habe die Diskussion sehr aufmerksam verfolgt und fand meine These bestätigt. Auch das Grußwort des Geschäftsführers des Deutschen Kulturrates Olaf Zimmermann zu diesem Tag bestätigte meine vorgemachte These. Es geht den Kulturschaffenden und -entscheidern nicht um den ideellen Wert in der Gesellschaft. Sie haben sich mit der Einordnung der Kunst in der Gesellschaft abgefunden. So erscheinen die Künstler landauf und landab als Bettler, die von ihrer Arbeit (ja, Kunst ist Arbeit) nur unzureichend leben können. Dazu kommt noch die Neiddebatte. So war es nicht verwunderlich, als eine Künstlerin danach fragte was sie machen müsse um z B. so viel zu verdienen wie der Künstler Markus Lüpertz ( Maler und Bildhauer).

Fussballstadion Soccer City, Johannesburg

320 Millionen Euro hat das nebenstehende Stadion „Soccer City“ den Staat Südafrika gekostet. Es wurde ein Stadion in dem man wie in eine Kirche geht. Man geht nicht in ein Stadion, sondern man wallfährt in ein Stadion.Nach der Weltmeisterschaft wurde dieses Stadion übrigens für die Parteiveranstaltungen der führenden ANC Regierungspartei benutzt. 320 Millionen für sechs oder sieben Spiele, ein Wegwerfstadion also. Und die Kunst in diesem Land? Außer ein paar folkloristische Kunsthandwerksmuseen für die Touristen hat Johannesburg kaum etwas zu bieten. Dabei hat die afrikanische Kunst (Nicht die folkloristische) Europa wertvolle Impulse gegeben. In der Zwischenzeit übersteigt die Haushaltsposition für die Erhaltung und Bewirtschaftung, also die laufenden Kosten, des vorgenannten Stadions bei weitem die Haushaltsposition für die Kultur. Okay, jetzt könnte man meinen, das ist halt Afrika und Kultur ist dort immer nur Folklore. Weit gefehlt. Die Haushaltspositionen der Deutschen Städte haben fast identische Relationen wie die in afrikanischen Städten. Nehmen sie nur einmal meinen Wohnort Ennepetal, dort sind die Ausgaben für Sport, offen oder versteckt, weit höher als die Ausgaben für Kultur. Oder nehmen sie die nicht weit entfernte Stadt Bochum, dort spricht man über die Schließung des Bochumer Museums, über die Schließung des Bochumer Stadions würde man niemals sprechen. Kann man Kultur mit dem Sport relativieren? Klar, wenn es um die Kosten und den gesellschaftlichen Rang geht.

Jetzt sollte man jedoch nicht annehmen, ich wäre ein Feind des Sports. Nein, ich war selber gerne Volleyballspieler bei Bayer Wuppertal. Was ich jedoch möchte, wenn schon am laufenden Band Steuergeschenke gemacht werden müssen und auf einmal das Geld nicht mehr da ist, so sollte man bei der Verteilung der Restgelder zumindest die Proportion Sport und Kunst nicht zu Ungunsten der Kunst verschieben.

Nun wieder zur Diskussion in Ennepetal die meines Erachtens nur ein erstes Gespräch sein konnte und sicherlich weiter geführt werden müsste. Wenn sich eine Diskussionsrunde „Wert der Kreativität“ auf das Urheberrecht reduziert, weil man in der Runde der Meinung ist, es entgingen den Künstlern Einnahmen, so besorgt man das Geschäft der Verleger, Galeristen, Musiklabels aber nicht das Geschäft der Künstler. Die Exponate der Höhlenkunst werden und können in der Regel nicht vermarktet werden. Sie werden vom Aussteller in ihrer Einmaligkeit akzeptiert und wenn nötig auch vermittelt. Was aber das Urheberrecht und den angezettelten Medienaufschrei betrifft, so betrifft dies hauptsächlich den Bereich Musik, Wort und Film. Diese Bereiche wollen oder können nicht mit der modernen Zeit, wie dem Internet, entsprechend in Deutschland arbeiten. In der Zwischenzeit haben die Firma Amazon oder Apple tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt mit denen beide zusammen Milliarden Umsätze generiert haben. Und in Deutschland streiten wir ob ein USB Stick mit einer Abgabe belegt werden soll, weil man auch Romane, Fotos, Musiktitel oder Filme darauf speichern kann. Und vor diesen Karren lassen sich die Künstler spannen.

 
Bernd Neumann und Jimmy Wales in der Duisburger Salvatorkirche beim Festakt zur 500 Jahrfeier von Gerhard Mercator
Foto:
© Linde Arndt                                                       
 

Es war geradezu grotesk wie Kulturstaatssekretär Bernd Neumann vor einem Monat das Internet als Medium definierte wo die User die Rechte der Urheber missachteten indem man sich alles umsonst nehmen würde. Sein Gesprächspartner Jimmy Wales, Besitzer von Wikipedia, widersprach ihm jedoch höflich und bestimmend. Dies führte zu einer Irritation bei Herrn Neumann, Deutsche wollen immer Recht haben, zumal wenn sie Staatssekretär sind.

            
Diskussion in Ennepetal Fotos: © Linde Arndt
 

Und die Diskutanten vom 19. Mai 2012? Es kam nur eine Grundeinigkeit auf: Die Kunst müsse höher entlohnt werden. Na denn. Vielleicht fallen den Künstlern in einem zweiten Gespräch stärkere Argumente ein. Und vielleicht argumentierten sie dann über den gesellschaftlichen Wert von Kunst und Kreativität. Denn daraus ergibt sich letztendlich der monetäre Wert der Exponate.

 

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

 

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