(v.li.): Wolfgang E. Weick (Freunde des Hoesch-Museums e.V.), Martin Fenner (Kunststiftung Ruth Baumgarte), Dr. Jens Stöcker (Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Michael Dückershoff (Leiter des Hoesch-Museums) und Alexander Baumgarte, Sohn der Künstlerin und Vorstandsvorsitzender der Kunststiftung Ruth Baumgarte). Foto: Katrin Pinetzki/Stadt Dortmund

[Dortmund] Stahlindustrie aus Sicht einer Künstlerin: Dortmunder Hoesch-Museum stellt Bilder von Ruth Baumgarte aus

11.03.2018 – 06.05.2018

Hoesch-Museum, Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund

www.hoeschmuseum.dortmund.de

Ruth Baumgarte ist eine der wenigen Frauen in der Geschichte des Industriebildes, die sich künstlerisch mit den Themen Technik und Arbeit auseinandergesetzt hat. Das Hoesch-Museum Dortmund präsentiert vom 11. März bis zum 6. Mai 2018 die Ausstellung „Ruth Baumgarte und das Wirtschaftswunder. Farbrausch am Kessel“. Die Schau umfasst ca. 60 künstlerische Einzelwerke – Aquarelle, Zeichnungen und Gemälde – der Künstlerin aus den 1940er bis 1970er Jahren zu Industrie und Arbeit. Das Gros der Arbeiten entstand zwischen 1952 bis 1968.

Lager des Kesselbauwerks (Copyright: Kunststiftung Ruth Baumgarte)

Ruth Baumgarte fertigte ihre Werke direkt vor Ort an. Ihr Auge erfasst nicht nur die Raumdimensionen der Schwerindustrie, sondern auch technische Details und Arbeitsabläufe. In ihren Porträts setzt sie dem Arbeiter ein Denkmal, indem sie Entbehrungen und Stolz festhält. Ein Kennzeichen ihrer Arbeiten ist die ausdrucksbetonte, teils expressive Farbigkeit sowie Farbflächen und Formen, die bis ins Abstrakte gehen. Obwohl sich der umgebende Raum dabei zuweilen auflöst, wirkt der Mensch dabei nie verloren, sondern lebendig und würdevoll. Teils malerisch, teils grafisch dokumentiert Baumgarte bis in die späten 1960er-Jahre ein Stück deutsche Nachkriegsgeschichte und setzt vor allem den Arbeitern dieser Zeit ein sensibles, unpathetisches Denkmal.

Die in Berlin aufgewachsene Künstlerin kam durch ihren zweiten Ehemann, den Bielefelder Fabrikanten Hans Baumgarte, damaliger Eigentümer eines prosperierenden Unternehmens im Kessel- und Apparatebau, Anfang der 1950er-Jahre mit der Stahlindustrie in Berührung. Als eine der wenigen Frauen in der Kunstgeschichte porträtierte sie fortan immer wieder Menschen im Kontext industrieller Produktion. Sie starb 2013 in Bielefeld.

Die Schau im Hoesch-Museum wurde durch das Köln-Darmstädter Architekturbüro KatzKaiser gestaltet. Die Ausstellung bettet die Werke ein in den zeitgeschichtlichen Kontext, den materiellen und politischen Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland. Kuratoren sind der Wirtschaftshistoriker Prof. Hanno Sowade (Haus der Geschichte Bonn) und die Weimarer Kunsthistorikerin Dr. Sandra Mühlenberend. Begleitend erscheint eine 168 Seiten starke Buchpublikation im Wienand Verlag Köln.

Ruth Baumgarte (Foto Wölbing / Van Dyck)

Vita Ruth Baumgarte

Ruth Baumgarte, 1923 in Coburg geboren, wuchs als Tochter der Schauspielerin Margarethe Kellner-Conrady und des Schauspielers, Regisseurs und Ufa-Direktors Kurt Rupli in Berlin auf. Nach einem Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste siedelte sie 1946 nach Bielefeld über und baute sich zunächst eine Karriere als Illustratorin auf, bevor sie sich ausschließlich der freien Kunst zuwandte. Über die Jahre entwickelte die Künstlerin ein variantenreiches, am Menschen orientiertes Lebenswerk voller Farbenkraft, das durch politisch-soziale Reflexionen sowie ihre zahlreichen Reisen geprägt ist.

Ihr Werk – insbesondere der über zwei Jahrzehnte entstandene Afrika-Zyklus – erlangte durch Ausstellungen in renommierten Institutionen und Galerien internationale Anerkennung. Zuletzt wurde dieser bis Anfang Januar 2018 im Ludwig Museum Koblenz gezeigt. Von Oktober bis Dezember wird er ein weiteres Mal im Ludwig Museum St. Petersburg, im dortigen Marble Palace, zu sehen sein.  

www.ruth-baumgarte.com

Eröffnung

Kranführer (Copyright: Kunststiftung Ruth Baumgarte)

Zur Ausstellungseröffnung am 11. März, 11 Uhr liest die bekannte Schauspielerin Hannelore Hoger ausgewählte Texte zur Industriearbeit von Martin Walser und Egon Erwin Kisch. Der Eintritt ist frei. Eine wissenschaftliche Einführung zur Ausstellung geben der Kurator Prof. Hanno Sowade sowie Prof. Beate Reifenscheid, Direktorin des Koblenzer Ludwig Museums und Ruth Baumgarte-Kennerin.

Hannelore Hoger wurde für ihre Arbeit als Theater- und Filmschauspielerin mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adolf-Grimme-Preis. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Rolle der Kommissarin Bella Block. Die Künstlerin Ruth Baumgarte hat Hannelore Hoger selbst persönlich kennengelernt.

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