Die Erben der RUHR.2010 GmbH

[la] Dezember 2009  –  in einer Mitteilung des Pressesprechers der Ruhr2010 GmbH hieß es:   "… es ist mittlerweile die 80. PK in diesem ablaufenden Jahr der Vorbereitung auf die Kulturhauptstadt Europas. Zeit also, dass es bald und endlich losgeht – und um die Eröffnungsfeierlichkeiten für RUHR.2010 und Ruhr Museum dreht sich auch der Dienstag, 22. Dezember, 11 Uhr".

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Dezember 2010
Ein überwältigendes, spektakuläres Jahr 2010 sollte folgen, das mit einem ebenso spektakulären und gigantischen  Finale auf dem Nordsternplatz in Gelsenkirchen endete.

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Dezember 2011
Inzwischen ist die Abwicklung  erfolgt und es heißt endgültig Abschied nehmen von den Machern der 
Ruhr2010. Für alle, die über viele Monate in diesem Sog der außergewöhnlichen Ereignisse gelebt haben, die fast wie eine Familie zusammen gewachsen sind, kommt ein leichtes Gefühl der Traurigkeit auf. Nachdem die fantastische Crew nach und nach schon das Schiff verlassen hatte, gehen nun die beiden  Kapitäns auch von Bord. Aber damit diese Ära nicht für immer Geschichte ist und nur in den Erinnerungen lebt gibt es Nachfolger, die das bisher Erreichte und die Idee weiter bewahren wollen.

Und so fand am 5.12.2011 auf Pact Zollverein, wo alles begann, die Staffelübergabe statt, damit der Geist weiter getragen wird.

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Die Erben starten mit neuen Aufgaben durch und haben sich das Ziel gesetzt in Zukunft die nachhaltige Entwicklung von Netzwerken und Projekten, die im Jahr der Kulturhauptstadt auf den Weg gebracht wurden, weiter zu fördern.

Und das sind die Nachfolger:

  • Die Kultur Ruhr GmbH. Bei ihr liegt die Hauptverantwortung für kommende Kulturveranstaltungen. Sie  bekommt von den 4,8 Millionen Euro jährlich 3,1 Millionen, um Projekte wie die der Ruhrkunstmuseen, Theater, die "Starken Orte", den Kulturkanal, Melez, und die Ruhrlights zu unterstützen.

    Ferner wird die Kultur Ruhr GmbH um die eigenständige Programmsäule „Künste im urbanen Raum“ erweitert. Hierbei ist das wesentliche Ziel,
    die Zusammenarbeit bestehender Kultureinrichtungen zu unterstützen und so über die Region hinaus strahlende Exzellenzprojekte zu initiieren und zu fördern.

  • Der RVR. An ihn gehen 200 000 Euro.  Davon soll unter anderem eine jährliche Kulturkonferenz von Land und RVR, die neu geplant ist, organisiert werden.
  • Die RuhrTourismus (RTG). Sie kümmert sich um große regionale Formate wie die "Extraschicht" oder den "Day of Song", wofür ihr  1,1 Millionen Euro zur Verfügung stehen.
    Als erste Großveranstaltung ist Anfang Juni 2012 ein neuer «Day of song» im Revier geplant.

    Künftig wird sie nicht nur die touristische Vermarktung der "Kulturmarke Ruhr" weiter fortführen, sondern ist zusätzlich für die Organisation und
    Durchführung identitätsstiftender Großveranstaltungen verantwortlich.

  • Die Wirtschaftsförderung ECCE und das Kreativzentrum. An sie geht eine Summe von  400 000 Euro aus dem Topf, der je zur Hälfte Land und Städte aufbringen. Sie  kümmern sich um Kreativwirtschaft und  Marketing.

    Die Förderung der Kreativwirtschaft ist weiterhin durch das European Center for Creative Economy gesichert. ECCE arbeitet dabei in enger Kooperation mit der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH (wmr).

  "Das Ruhrgebiet wird national und international immer attraktiver.

Deshalb darf das Kulturhauptstadtjahr kein Strohfeuer sein. Als Landesregierung setzen wir uns deshalb
dafür ein, den positiven Wandel des Ruhrgebiets weiter zu unterstützen und voranzubringen.

Wir wollen, dass die international so erfolgreiche Kultur-Metropole Ruhr dauerhaft attraktiv bleibt",

erklärte Kulturministerin Ute Schäfer.

 

Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, zeigt sich erfreut:
"Die Nachhaltigkeit der Kulturhauptstadt war für uns immer ein prioritäres Ziel. Umso mehr freuen wir uns, dass wir unser Erbe nun in die Hände langjähriger, kompetenter Partner
der Metropole Ruhr übergeben können.
Was wir mit RUHR.2010 geschaffen haben, ist auch für andere Städte in Europa wegweisend. Eine der wichtigsten Wirkungen ist, dass sich die Menschen aufgrund ihrer Erlebnisse mit der Kulturhauptstadt noch stärker mit der Metropole Ruhr identifizieren. Gemeinsam haben die Ruhris Großartiges geschafft."

 

Was bleibt? Dem Chronisten bleibt der Gedanke: Mögen doch die Entscheider die Stärke der Metropole Ruhr erkennen, damit diese Metropole als selbstständiges Gebiet neben den Gebieten Rheinland, Westfalen und Lippe-Detmold Bestand hat und eines Tages das Wappen des Landes NRW um den  Förderturm der Zeche Zollverein erweitert wird.

Aber, wie gesagt, dies sind nur Gedanken, die einem beim Schreiben so durch den Kopf gehen.

Linde Arndt für EN-Mosaik aus Essen

Ein würdiges Mahnmal in Duisburg

[jpg] Gestern am 22.Juni um 11:00 Uhr wurden die 44 Entwürfe für das Duisburger Loveparade – Mahnmal im Lehmbruck Museum vorgestellt. Das Original wurde von der Lehrwerkstadt der Firma Thyssen-Krupp gefertigt, wobei das Material  gespendet wurde.  Als wir die Entwürfe im Lehmbruck Museum sahen, stand das Original schon einige hundert Meter weiter fertig installiert.
Im Vorfeld gab es Probleme. Nachdem das Plagiat Desaster des Künstlers Jürgen Meister überstanden war, musste die Jury ein neues Mahnmal auswählen.
Mitglieder der 9 Köpfigen Jury waren Franz Hering (Vorstandsvorsitzender SSB  Duisburg), Arno Eich (Geschäftsführer Steinhof Duisburg), Sabine Siebenlist,  Josef Krings (Altoberbürgermeister),  J. Hagemann,  Klaus Peters (Präsident  Lions-Club Duisburg-Rhenania), Heinz Pletziger (proDuisburg e.V.) sowie  Elisabeth Höller (IG Duisburger Künstler) .

Gerhard Losemanns Entwurf wird am Sonntag, dem  26. Juni 2011 um 12:00 Uhr an der Ostseite des Tunnels der Karl-Lehr-Straße enthüllt. Alt OB Josef Krings wird eine kurze und angemessene Rede halten.

Die Angehörigen der 21 Opfer werden sich sodann zu dem Ort des Mahnmals begeben um der Toten zu gedenken.

Es stimmt schon traurig, wenn man sieht wie sich die Politik zu diesem Thema verhält.
OB Adolf Sauerland (CDU) hat es noch immer nicht geschafft die zumindest moralische Verantwortung zu übernehmen und zu gehen. Nein, lustig tummelt er sich in der Öffentlichkeit als wenn schon alles vergessen wäre. Als wir ihn letztens im MKM sahen  war er gut aufgeräumt und redselig. Anders am 12.September, 2 Monate nach der Katastrophe von Duisburg. Mahlers 8. Sinfonie, die sogenannte „Sinfonie der 1000“ stand im Duisburger Landschaftspark Nord in der Kraftzentrale auf dem Programm. Bundespräsident Wulff und Ministerpräsidentin Kraft, nein, sie wollten nicht mit OB Adolf Sauerland abgelichtet werden. Er wurde verdeckt in den Saal gelassen und saß sodann abseits von der Prominenz. Wie kann eine Großstadt Duisburg mit solch einem OB nur leben? Ob OB Adolf Sauerland am Sonntag anwesend sein wird oder irgendeine Funktion haben wird, wusste Frank Kopatschek der Stadtsprecher auf unsere telefonische Anfrage nicht zu sagen. Er, der OB, wolle sich evtl. am Sonntag positionieren, was auch immer das heißen mag. Es spricht schon Bände, dass die Organisation am Sonntag durch die Staatskanzlei gemacht wird. So wollten es die Angehörigen der Opfer.

 

Linkes Bild:
OB Adolf Sauerland bei der Pressekonferenz zur Loveparade am 17.6.2010
Rechtes Bild:
OB Adolf Sauerland (2.v. rechts)  im MKM Museum 
anlässlich der Tony Cragg Vernissage am 23.03.2011

Beide Fotos:  EN-Mosaik

Die 44 Entwürfe befassen sich alle mit den ungeheuerlichen Geschehen, wobei die Künstler unterschiedliche Herangehensweisen an dieses Thema erkennen ließen.

Gerhard Losemanns Entwurf ist ein Entwurf mit einem hohen Abstraktionsgrad und reflektiert das Geschehen vor einem Jahr sehr tief. Das Datum ist aus Stahl geschweißt und fest mit der darunterliegenden Platte verbunden, so, als solle man dies nicht mehr verwischen oder entfernen können. Dieses Datum ist für die Ewigkeit gedacht bzw. gemacht. Überhaupt ist das Mahnmal aus Stahl gefertigt, schwere viereckige Streben wurden zurecht geschweißt. Willkürlich übereinander gelegt, so, als wenn sie zusammen gefallen sind. Zusammen gehalten werden sie wie von unsichtbarer Hand; jederzeit könnten die Streben sich wieder selbstständig machen um eine neuerliche Katastrophe herbei zu führen.Sie liegen an einer Wand, auf deren Rückseite das Datum angeschweißt wurde und auf einem fragilen Schild stehen auf grauem Grund in schwarzer Schrift die 21 Namen der Opfer. Das Mahnmal erscheint schwer, sehr schwer, eben wie die Last die auf uns allen lastet.

 
Entwurf Loveparade-Mahnmahl Vorseite         Foto:EN-Mosaik   Entwurf Loveparade-Mahnmahl Rückseite            Foto:EN-Mosaik

Es ist ein aufwühlendes Mahnmal, welches den Betrachter packt und erahnen lässt welche Ungeheuerlichkeit hier passiert sein muss.

Es ist ein Mahnmal von Bürgern aus der Mitte der Stadt Duisburg mit einem Duisburger Künstler der auch aus der Mitte der Duisburger Künstler kommt, und somit also ein Anliegen welches die Bürger selber tragen und umgesetzt haben. Es ist aber auch ein Zeugnis für die Armseligkeitkeit von Politik und Verwaltung. Vielleicht wird dieses Mahnmal eines Tages in die Geschichte eingehen, indem man hier die Trennung der Politik und Verwaltung von seinen Bürgern festmacht. Gerade in der Metropole Ruhr in der jedes Unglück im Bergbau sensibel aufbereitet wurde, durfte und konnte so was nicht passieren.
.
Auch für uns ist damit ein Abschnitt vergangen der uns schmerzlich an die Vorfälle in Duisburg erinnert. Hatten wir doch im vorigen Jahr die Berichterstattung begonnen und mussten diese kurzerhand abbrechen;  denn über eine solche menschliche Katastrophe wollten wir nicht berichten. Aber wir sahen und hörten die stümperhafte Kommunikation, die ja auch letztendlich einen großen Anteil an der Katastrophe hatte. Wir selber unterdrückten Fragen auf den Pressekonferenzen, die wir hätten stellen müssen. Wir waren eben genauso wie die Kollegen gut drauf. Auch wir luden damit Schuld auf uns.

Sollen uns die 21 Toten immer daran erinnern, dass wir uns eben nicht  anpassen sollten und damit leichtfertig in den Mainstream einreihen. Beharren wir auf der Beantwortung unserer Fragen und lassen uns nicht mit, „ach was, das wird schon“, abspeisen. Denn es wird eben nicht.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Duisburg

 

Die magischen Momente eines Hirngespinstes

[jpg] "Quergesponnen", heißt die Ausstellung in Essen-Kettwig. Mit "quergesponnen" wird in diesem Jahr nach "Netzwerk" bereits die zweite Ausstellung im Zusammenhang mit dem Netzwerk der Künstlerbünde Starke Orte gezeigt. Der Bundesverband Bildender Künstler Westfalen (BBK) veranstaltet die Ausstellung in den Scheidt’schen Hallen in Essen-Kettwig, Bachstraße 40 mit der nicht nur die Kooperation der Künstlerbünde der Metropole Ruhr weiter fortgesetzt wird. So zeigten u.a. 60 Künstler aus dem Bochumer
Künstlerbund, der Dortmunder Gruppe, dem Duktus, Kunstverein Gelsenkirchen, Herner Künstlerbund, VBK Berlin, des Westfälischen Künstlerbund Dortmund, Reflex, Wittener Künstlerbund ihre über 200 Werke unter dem Dach des BBK auf dem Wollboden der  ehemaligen Kammgarnspinnerei der Joh. Wilh. Scheidt AG. Bilder, Skulpturen oder auch Installationen mit den unterschiedlichsten Techniken und Materialien bilden einen breiten Rahmen dieser Ausstellung.

Quergesponnen soll für das Aufbrechen von Denkschematas stehen. Es ist ein Prozess, der auch in einem Hirngespinst enden kann.

Es bedeutet aber immer die geistig eingefahrenen Wege zu verlassen. Stellvertretend seien die Stahlhelme aus Beton genannt die für die immer wieder stattfindenden Kriege stehen, die keine Lösungen herbeiführen, vielmehr neue Probleme schaffen.

Das irrationale dieser menschlichen Handlungsweise wird damit auf eine einzigartige Weise ins Bewusstsein gebracht. Kunst hat eben auch ein Stück weit mit Magie zu tun.

 

Die Begrüßung der Ausstellungseröffnung wurde durch Bernd Figgemeier dem
Vorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstler Westfalen (bbk) vorgenommen.

Eine Einführung zu dieser Ausstellung hielt Karl-Ulrich Peisker das
Vorstandsmitglied des BBK-Landesverbandes NRW, der auch damit gleichzeitig die Ausstellung eröffnete.

Am 21. Mai 2011, dem bundesweiten Aktionstag "Kultur", finden Führungen durch die Ausstellung statt.

Ausstellung "quergesponnen"
Scheidt´schen Hallen, Bachstraße 40, Essen-Kettwig

Termine: 7. bis 8. Mai  | 13. bis 15. Mai | 20. bis 22. Mai | 27. bis 29. Mai, jeweils 15.00 bis 18.00 Uhr 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

 

EMSCHERKUNST soll ab 2013 weitergeführt werden

Mittwoch, 09. März 2011

Nach dem erfolgreichen Start der Open-Air-Ausstellung EMSCHERKUNST im vergangenen Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 wird voraussichtlich 2013 die Weiterführung folgen. Das Thema „Kunst und Klima“ erhält einen eigenen Schwerpunkt. Aber auch in diesem Jahr verführen die verbliebenen Installationen zu einer Werkschau an freier Luft.

Heute ist das Konzept für die Weiterführung der Ausstellung EMSCHERKUNST im Kulturausschuss des Regionalverband Ruhr (RVR) in Essen vorgestellt worden. Bereits entschieden ist, dass es aufgrund der erforderlichen Vorbereitungszeit im Jahr 2013 in diesem Jahr eine Prüf- und Pilotphase geben soll. Erneut konnte der gebürtige Essener Florian Matzner, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, als Kurator gewonnen werden. Mit der Auswahl der rund 40 internationalen und nationalen Künstler für die EMSCHERKUNST.2010 im Programm der europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 konnte Matzner  Veranstalter und das Publikum überzeugen. Rund 200.000 Besucher bereisten die Kunstwerke auf der Emscherinsel zwischen Castrop-Rauxel und Oberhausen. EMSCHERKUNST.2010 war die größte Kunstausstellung im öffentlichen Raum während des Kulturhauptstadtjahres und eines der erfolgreichsten Projekte im Programm der RUHR.2010.

Land befürwortet Weiterführung durch Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr

Die Kooperationspartner haben sich bereits bei der Initialzündung der EMSCHERKUNST.2010 bewährt, so werden Emschergenossenschaft und der Regionalverband Ruhr (RVR) weiterhin als federführende Institutionen fungieren, das Land steht ihnen als stark fördernder Partner zur Seite. Nach dem Willen der Landesregierung soll die Ausstellung EMSCHERKUNST den Emscherumbau bis zum Jahr 2020 begleiten.

         
    Rechte aller Bilder liegen bei Herrn Küppers (IHT) und Davids, Terfrüchte + Partner Landschaftsarchitekten    

„Kunst und Klima“ setzt einen neuen Schwerpunkt

Das neue  Konzept sieht eine Aufweitung des bislang bespielten Ausstellungsareals in Richtung westliches Ruhrgebiet vor: Erneut steht ein Teil der Emscherinsel von Gelsenkirchen über Essen und Bottrop bis Oberhausen im Mittelpunkt, darüber hinaus sollen auch die Städte Duisburg und Dinslaken mit dem Emscherdelta – dem Mündungsbereich der Emscher in den Rhein – in die Ausstellungskulisse einbezogen werden.

Damit werden zwei Drittel der Kernzone des Reviers zum Ausstellungsgebiet. Ziel ist es, bis 2020 den Gesamtraum des Neuen Emschertales Zug um Zug zu erschließen. Inhaltliche Schwerpunkte liegen neben dem Emscher Landschaftspark und dem Emscherumbau auf dem Thema „Kunst und Klima“. So sollen naturwissenschaftliche Ansätze in das Ausstellungskonzept mit aufgenommen werden.

Erneut soll es mit EMSCHERKUNST.2013 gelingen, neue Wahrzeichen entlang der Emscher zu schaffen. Eines der besten Beispiele hierfür ist das 2010 realisierte und zur Finissage im September eingeweihte „Monument for a Forgotten Future“ des Berliner Künstlers Olaf Nicolai an den Schleusen Gelsenkirchen. Aus der 14 Meter hohen Nachbildung einer Felsformation aus dem südkalifornischen Joshua Tree National Park klingt ab Mai 2011 nach der Winterpause erneut die Musikkomposition der schottischen Band Mogwai.

Die bisherigen Planungen für EMSCHERKUNST.2013 setzen wieder auf internationale und nationale Künstler, aber auch auf eine Einbindung der regionalen Kunstszene.

Programm für 2011 – Werkschau umsonst und draußen

Weiterhin können Besucher  in diesem Jahr die 11 erhaltenen Installationen der EMSCHERKUNST draußen und umsonst besuchen. Für April ist gemeinsam mit dem Klartext Verlag die Herausgabe eines Buches u. a. über den Publikums-Liebling der EMSCHERKUNST.2010, die Brücke „Warten auf den Fluss“ der niederländischen Künstlergruppe Observatorium, geplant. Neben der  Wiederaufnahme des Mogwai-Songs im Felsen bei Gelsenkirchen (geplant ab 1. Mai 2011) steht noch die Fertigstellung und Einweihung der „Rehberger-Brücke“ im Kaisergarten Oberhausen aus.  An einigen Orten der EMSCHERKUNST wie dem Bottroper BernePark oder auch an der Rehberger-Brücke werden im Rahmen eines künstlerischen Vermittlungsprogrammes Veranstaltungen angeboten. Mehr Informationen auch hinsichtlich der Bestellmöglichkeit des Ausstellungskataloges unter www.emscherkunst.de

 

Twins eine Erfolgsgeschichte

Wie soll sich ein Projekt selber feiern? Ganz einfach  – man nimmt, wenn möglich,  alle
Beteiligten zusammen und erzählt Geschichten, macht Musik und genießt ein gemeinsames
Essen und genau dies geschah am Freitag, dem 14.1.2011. 

Ein Teil der Beteiligten traf sich in der Gebläsehalle in DuisburgNord und feierte eines der nachhaltigsten Kreativnetzwerke in Europa. Denn wären alle Beteiligten dieses internationalen Projektes zu dieser Abschluß- und der gleichzeitigen Auftaktfeier für das Jahr EINS danach gekommen, wäre es im Industriepark sehr eng geworden.

           
Foto © Zdena David

Die Aufgabe
Dieses Mammutprojekt das auf eine Idee von Dr. Georg Költzsch (+ 2005) zurückgeht, wurde von Ria Jansensberger und Christina Kemnitz entscheidend geprägt und bis Heute getragen. Ihrem Mut gepaart mit absolut professionellen Management ist es zu verdanken, das die 53 Städte des Ruhrgebietes mit ihren mehr als 200 Partnerstädten in ganz Europa 100 Projekte innerhalb eines Jahres realisiert haben. An der Durchführung waren mehr als 1700 Mitwirkende aus allen Kulturbereichen beteiligt. Allen Mitwirkenden war eines immer anzusehen, die Freude dabei zu sein.

Denn dieses Projekt hat eines ganz klar unter Beweis gestellt „Kultur ist nicht nur ein
Wirtschaftsfaktor“, sondern Kultur verbindet Menschen und „gemeinsame gelebte“ Kultur kann
auf Schlagworte wie Integration gänzlich verzichten. Gelebte Kultur ist Gemeinschaft in
Reinform und diese Reinform wurde aus dem Füllhorn der Europa immer wieder mit purer
Lebensfreude gespeist. Die Mitwirkenden haben uns mit der Kraft der Sprache, dem Schauspiel, der Musik und ihren gezeigten Bildern an dieser Lebensfreude teilnehmen lassen.

Mustergärten für Alle

Ein Projekt sei hier stellvertretend für die Nachhaltigkeit aller Einzelprojekte und dieses
gemeinsamen Weges genannt. Aus der Idee „Seven European Garden“ wurde mittlerweile
schon ein weltweit verbindendes Konzept. In Färbergärten werden die Nutzpflanzen angebaut,
aus denen auf traditionelle Weise färbende Essenzen gewonnen werden. Sie ermöglichen in
handwerklicher Produktion die Gewinnung von Farben und Pigmenten für die ökologische
Farbherstellung von Kosmetika, Stoff- Mal- und Theaterfarben. Dieses mit unserer
Industrialisierung verloren gegangene Wissen wird hier an die nächsten Generationen weiter
vermittelt.

Das grandiose Konzert

Das Konzert im zweiten Teil des Abend machte einerseits die Verbundenheit der verschiedenen ehemaligen Kohlereviere deutlich und anderseits wurde klar die Menschen und ihre Lieder spiegeln den Zusammenhalt innerhalb und zwischen den Regionen wieder. Der Reigen aus dreizehn Liedern der beiden ehemaligen Bergbauregionen Ruhrgebiet und Sardinien, vertreten durch die Städte Oberhausen und CarboniaIglesias, gab allen Anwesenden das Gefühl von „ich bin zu Hause“. In ihrem Konzert „Im Schoß der Erde – Nel Grembo della Terra“ brachte das Quartett mit zwei Frauenstimmen in sardischer und deutscher Sprache die Lieder nicht nur zu Gehör, denn mehr noch zu den Herzen der Anwesenden.

Die beiden Sängerinnen Elena Ledda (Sardinien) und Agnes Erkens (NRW) hatten zusammen
mit der Pianistin Laia Genc und Alessandro Palmitessa (Saxophon/Klarinette) die Lieder beider
Regionen neu arrangiert. Mit den verwendeten Hintergrundfotos waren die bestehenden
Brücken für alle hautnah wahrnehmbar.

Es bleibt zu hoffen, ob dieses Konzert im Jahr Eins nach 2010 nochmals in der Metropole Ruhr
aufgeführt wird oder auf einem Tonträger für die Zukunft gespeichert wird.

Wer gerne nochmals etwas zu den einzelnen Veranstaltungen und Projekten wissen möchte,
der kann dies nachschlagen unter;
http://www.essenfuerdasruhrgebiet.ruhr2010.de/twins/home.html

 Anbei eine Fotogalerie des Abends.
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Will Rumi für EN-Mosaik aus Duisburg

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RUHR.2010 öffnet Schatztruhe: Flohmarkt aufgrund hoher Besuchererwartung und Produktvielzahl nach Zollverein verlegt

Aufgrund des zu erwartenden hohen Andrangs und der Fülle an Produkten, wird der Flohmarkt von RUHR.2010 (28. – 31. Januar) in die Halle 5 auf dem Gelände des Welterbe Zollverein (Schacht XII, Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen) verlegt.

365 Tage Kulturhauptstadt, mehr als 300 Projekte mit 5500 Veranstaltungen, da sammelt
sich so einiges an. Nach einem Jahr voller kultureller Höhepunkte und großartiger
Erlebnisse ist die Schatztruhe der Kulturhauptstadt gefüllt: Ob Ruhr-Atoll-Hinweisschilder,
Kofferanhänger der Odyssee Europa, Sitzkuben aus RUHR.2010-Bannern, Regenponchos
der Eröffnungsfeier, Warnwesten sowie Arbeitsschuhe von Still-Leben oder Büromaterial
und -mobiliar – alles was die Macher von RUHR.2010 das Jahr über begleitet hat und nicht
niet- und nagelfest ist, wird verkauft oder verschenkt.
          
Neben den Original-RUHR.2010-Memorabilia können auch die beliebten Produkte aus dem RUHR.2010-Onlineshop zu absoluten Spitzenpreisen erworben werden.

Reduzierungen um bis zu 70% (gilt für alle angebotenen Artikel) lassen jedes Schnäppchenjägerherz höher schlagen. Aufkleber, Broschüren und Poster gibt es sogar
gratis. Alle Preise sind Festpreise, eine Versteigerung findet nicht statt.

Kulturhauptstadtfans sind herzlich eingeladen vorbeizukommen, in Erinnerungen zu schwelgen und ihren persönlichen Schatz zu finden. An allen drei Verkaufstagen gibt es außerdem Waffeln am Stiel, weitere Leckereien und Clown Bobori zur Unterhaltung von Jung und Alt in der beheizten Halle 5 auf Zollverein (Schacht XII, Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen).

Los geht es am Freitag, 28. Januar von 15 bis 20 Uhr. Samstag und Sonntag ist der Flohmarkt von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Parkplätze stehen auf dem Gelände kostenfrei zur Verfügung (Parkplatz A1 und A2); ÖPNV-Anreise mit der Kulturlinie 107 bis Haltestelle „Zollverein“.

RUHR2010

KinderAufRuhr wurde bei bundesweitem Wettbewerb nominiert

Oberlinschule präsentiert ihr Projekt im dm-Markt in Hagen

"KinderAufRuhr" – das Kulturhauptstadt 2010-Projekt der Oberlinschule der Evangelischen Stiftung Volmarstein – wurde beim bundesweiten Wettbewerb "Ideen Initiative Zukunft" als eines von 2859 Projekten für die lokale Kundenabstimmung nominiert.

Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb von der Drogeriemarktkette dm und der Deutschen UNESCO-Kommission. Mit diesem Wettbewerb sollen Projekte gefördert werden, die sich für eine lebenswerte Welt von morgen einsetzen.

Am Freitag, 14. Januar 2011, stellt sich um 15.30 Uhr im dm-Markt (Mittelstraße 6 in Hagen) das Projekt "KinderAufRuhr" vor.

Gemeinsam mit LUTZ-Leiter Werner Hahn und den Theaterkindern der Grundschule Emst möchte die Oberlinschüler und ihre Lehrerinnen die Passanten in der Fußgängerzone und die Kunden im Markt mit dem Film, der Musik und kleinen Aktionen für ihr Projekt begeistern.

Kurze Projektbeschreibung KinderAufRuhr:
Neun Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf der Oberlinschule, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, ließen sich ein Schuljahr lang auf intensive Begegnungen mit der Ruhr und ihrer unmittelbaren Umgebung ein.
Inspiriert vom Kulturhauptstadtjahr 2010 erlebten sie den Fluss und die Region und besuchten markante Orte zwischen Quelle und Mündung. Sie erschlossen sich ihre Heimat auf eine ihnen angemessene Weise, ganz basal, mit viel Freude und über alle Sinne. Auf ihrem Weg entlang der Ruhr entdeckten sie Bauernhöfe und Burgen, Zechen und Fabriken, Stadien und Spielplätze. Sie spielten an Bächen, nutzten Fähre, Segelboot, Fahrgastschiffe und die Ruhrtalbahn, erlebten die Nationenvielfalt und den Strukturwandel in der Region und folgten dem Flusslauf bis zum großen Strom.

Die Kinder sammelten Töne und Geräusche, variierten sie mit Musikern und Sängern des Theaters Hagen und begegneten der Jazz-Combo Grapefruit coffee, die "ihre" Klänge des Ruhrgebiets musikalisch umsetzte.

Mit Kindern der Grundschule Emst ergab sich innerhalb des Projektes eine fröhliche und unbefangene Kooperation über ein gemeinsames Thema.

All diese Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse wurden in einem Film dokumentiert. In kleinen szenischen Darstellungen erzählen die Kinder eine schöne Geschichte, die ergänzt durch Fotos und untermalt von der durch sie inspirierten Musik sowohl unterhält als auch zeigt, dass kulturelle Teilhabe und Gestaltung für jeden möglich ist.

Zur Premiere am 21. 05. 2010 um 10.00 Uhr in den Räumen des Kinder- und Jugendtheaters wurde ein Programmheft erstellt werden, das ähnlich wie die Radwanderkarte zum Ruhrtalweg den Flusslauf von der Quelle bis zur Mündung wiedergibt und hierbei die Stationen, die von den Kindern besucht wurden, besonders hervorhebt. Das sinnliche Erleben der Ruhrregion ist in Texten dargestellt und mit erklärenden Fotos unterlegt, so dass ein Medium entstanden ist, das zum Nachahmen anregen kann.

Dieser Aspekt der Projektarbeit ist uns besonders vor dem Hintergrund der von Deutschland unterzeichneten UN – Behindertenrechtskonvention wichtig, da sich Vorhaben wie KinderAufRuhr für gleichberechtigten, "inklusiven" Unterricht anbieten. Die Erfahrungen, die wir diesbezüglich mit den Kindern der Grundschule Emst machen durften, beweisen das auf eindrucksvolle, im Film ersichtliche Weise.

Wie viel Kultur können wir uns leisten? ODER Die Idee aber will weiter wachsen


[jpg] Ruhr 2010 zieht Bilanz: Was wurde erreicht? Was wurde gelernt? Was ist zu tun?
Das sind die drei Felder über die es nachzudenken gilt. 

Die Verantwortlichen dieses Spektakels.

Spektakels? Nein! Es war nicht mehr und nicht weniger als ein Impuls dem Ruhrgebiet seine Seele bewusst zu machen oder ihr diese sichtbar zu machen. Das die Großereignisse stärker durch die Medien  kommuniziert wurden ist nachvollziehbar, war aber so nicht gewollt. Insofern ist der Vorwurf der Gigantomanie vollkommen unberechtigt und zeugt von einem mangelnden Verständnis der Adressaten.

Die Verantwortlichen des Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010:

Geschäftsführer:

         [nggallery id=236]  
   Dr. h.c.Fritz Pleitgen      /      Dr. Oliver Scheyt /

 

und des Direktoriums:

  [nggallery id=242]Prof. Karl-Heinz Petzinka als Direktor für das Themenfeld "Stadt der Möglichkeiten",  
   [nggallery id=239]Steven Sloane, Musiker als Direktor für das Themenfeld "Stadt der Künste",  
   [nggallery id=240]Asli Sevindim als Direktorin für das Themenfeld "Stadt der Kulturen",  
   [nggallery id=241]Prof. Dieter Gorny als Musiker als Direktor für das Themenfeld "Kreativwirtschaft".  
  [nggallery id=243]Marc Oliver Hänig, Pressesprecher und Öffentlichkeitsarbeit  

Lassen wir uns einmal ein Projekt der Ruhr 2010 betrachten, welches recht "unspektakulär" verlaufen war und im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres zu einem Großereignis nach Besucherzahlen avancierte:

"Jeanette Schmitz , Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH konnte für das Ruhr2010  Projekt "Sternstunden – Wunder des Sonnensystems" bereits rund 950 000 Besucher im Gasometer begrüßen. Es war mit Abstand die größte Ausstellung im Gasometer und damit ein herausragendes Projekt im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres."

950.000 Besucher sind sehr viel. Gemessen an was? Und wenn ich es in Relation setzen könnte (zu was), ist dann der Vorwurf der Gigantomanie angebracht? Nein! Es zeigt doch lediglich, dass es ein nicht unerhebliches Interesse an dieser Ausstellung gab. Und da diese Ausstellung über einen längeren Zeitraum lief, sollte man von der qualitativen Ausrichtung dieser Ausstellung ausgehen können. Denn wäre sie nicht so gut gewesen, wären die Besucherzahlen innerhalb einer Woche zurückgegangen – so was spricht sich schnell im Pott herum.

Aber nun zum Anfang dieser Analyse.

1.    Die Vorbedingungen

Das Ruhrgebiet war einmal industrielles Kernland Deutschlands. Hier wurde Kohle gefördert und Stahl gekocht und verformt. Um diese Industrie gruppierten sich die weiterverarbeitenden Branchen, die den Rohstoff Stahl benötigten. Bekannt war das Ruhrgebiet  aber auch als Waffenschmiede der Nation. Das Gebiet war bis Mitte der 70er Jahre mit Ruß und Dreck mehr oder weniger als "Rußland" verschrien. Hier wurde das große Geld gemacht. Mit diesem Geld wurden ganze Landstriche des restlichen Deutschlandes entwickelt, man denke an die unterentwickelten Gebiete der Eifel aber auch an das Land Bayern. Wobei Bayern heute nichts mehr davon wissen will, dass es über den Länderausgleich Gelder für seine Entwicklung bekommen hatte.

        
  Ruhrgebiet Areal / Verfasser Threedots (Daniel Ullrich)  

Das Image dieses Gebietes war auf Jahre festgeschrieben und stand einer anderen Entwicklung im Wege. Wer wollte schon in einem Schmuddelgebiet investieren, und wenn ja mit was? Oper oder Museum erwartete man sicher nicht im Ruhrgebiet, Düsseldorf oder Köln waren da die erste Adresse.Obwohl das Ruhrgebiet hervorragende Häuser zu bieten hatte und hat.

Die Großindustrie ging dann aus den unterschiedlichsten Gründen. Zurück blieben riesige Areale von Industriebrachen die eine sehr große Belastung für die Kommunen darstellte und noch darstellen. In Folge ging auch die weiterverarbeitende Industrie. Das alles führte dazu, dass die vorhandenen Arbeitsplätze weg brachen. Aber auch die Steuereinnahmen brachen dramatisch ein. Mangels Alternativen stieg die Arbeitslosigkeit in nie da gewesener Höhe, die Strukturkrise hatte NRW fest im Griff. Dieser Strukturkrise wurde nur unzureichend durch die Politik begegnet. Dazu kam die Wiedervereinigung, die die Steuergelder in die neuen Länder lenkte. Wobei die Ruhrkommunen selber mit den Wiedervereinigungskosten belastet wurden.In Folge hatten die meisten Ruhrkommunen keine Mittel um  in neue Infrastrukturen zu investieren.

Was blieb? Ein riesiges Gebiet mit rund 5 Millionen Bewohnern welches ein denkbar schlechtes Image hatte. Und dieses Image hinderte den privaten Wirtschaftssektor auch in diesem Gebiet Investitionen durchzuführen, die Standortfaktoren sahen eben nicht danach aus. Ein Impuls und ein Imagewandel wurden geradezu herbei gesehnt.

2.    Die Idee


Karl Ernst Osthaus Gemälde
  Unter dem Motto "Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel" trat im vorigen Jahrhundert der Hagener  Karl Ernst Osthaus in den Vordergrund.

Er versuchte die Industrie, den Handel und die Dienstleistung mit der Kultur zu versöhnen oder zumindest das diese Bereiche sich gegenseitig ergänzten um einen Vorteil daraus zu ziehen.

Die Idee ist also nicht so neu. Osthaus fiel mit seiner Frau Gertrud in Hagen auf, indem er Künstler um sich scharte und es ihnen ermöglichte frei von wirtschaftlichen Zwängen ihre künstlerischen Fähigkeiten zu entwickeln. Er arbeitet vollkommen unkonventionell, für die damalige Zeit war diese Vorgehensweise sehr umstritten.

Der Hagener Impuls ist in der Kulturgeschichte ein fester Begriff, der auf die Ideen Osthauses zurückging.

 Leider war es nur ein Impuls; denn Osthaus starb viel zu früh im Alter von 47 Jahren. Heute würde man einen Mann wie Osthaus einen beseelten Menschen nennen, der etwas bewegen kann.

Diese Idee machten die oben genannten Macher der Kulturhauptstadt 2010 zu ihrer eigenen Idee indem sie alles das was sich an Kultur im Ruhrgebiet befand nutzten und darüber hinaus bestehende kulturelle Strukturen verknüpften. Das Ergebnis: Rund 6.000 Projekte wurden initiiert oder sichtbar gemacht um das Fundament für eine Metropole Ruhr aufzuzeigen. Und die heutigen Möglichkeiten sind weitaus besser als vor hundert Jahren.

Einesteils wurde an bestehende Projekte angeknüpft, wie die Renaturierung des Emschertales, die mit der Emscherkunst verknüpft wurde und andererseits erschuf man neue Projekte wie die großen S (Schachtzeichen, Stillleben und !Sing Day of Song) der Alltagskultur. Sinn war es, eine Region darzustellen, die von der Hochkultur bis zur Alltagskultur alles bieten konnte und zwar in einer Vielfalt ohne Gleichen.

Herauskommen sollte eine kreative, innovative, polyzentrische Metropole Ruhr die sich mit seinen 53 Städten eben nicht mit einem Schmuddelimage empfahl und eben diesen schon vorhandenen Wandel im Prozess befindlich sichtbar zu machen um eine attraktive Metropole Ruhr zu befördern.

3.    Die Umsetzung

Zuerst wurde ein Kommunikationsnetz geknüpft, dass schlagkräftig genug die Botschaften und Ideen nach außen beförderte. Parallel wurden die eingereichten rund 10.000 Projekte gesichtet und  geordnet. Heraus kamen rund 6.000 Projekte unterschiedlichster Art, die ein Gesamtbild von einer Metropole ergeben sollten. Unter der gemeinsamen Dachmarke Ruhr.2010 siedelte man nach der klassischen Markenarchitektur die Rangemarken und sodann die Monomarken an. Dieses klassische Vorgehen  war erfolgreich und brachte der Ruhr.2010 auch den Marken Award 2010 ein.
Organisiert wurde eine breite Palette von kleinen und kleinsten Veranstaltungen bis hin zu Mega Ereignissen von denen weltweit berichtet wurde. Die Großereignisse brachten der Ruhr2010 den Vorwurf der Gigantomanie ein. Zur Unrecht. Denn gerade die Großereignisse zeigten ja auch das immense Kulturinteresse der Bevölkerung an ihrer Region oder Metropole. Es zeigte aber auch, es ist ein lebendiges Gebiet indem der Mut vorherrscht auch etwas Außergewöhnliches zu vollbringen. Wie anders ist es zu verstehen als sich rund 3 Millionen Menschen auf der 60Km langen A40 von Dortmund bis nach Duisburg zum Feiern einfanden. Es war ein Flair auf der Autobahn welches man eher den Franzosen zugesprochen hätte als den grummeligen Deutschen. Oder die Eröffnungsveranstaltung, jeder Veranstalter hätte sie abgesagt, nicht die Ruhr.2010. Später begründete das den Ruf der neuen Ruhris, denen Wind und Wetter nichts anhaben kann. Nur alleine diese beiden Großveranstaltungen überdeckten logischerweise die mittleren und kleinen Veranstaltungen. Der Reiz der kleineren Veranstaltungen kam aber dabei nicht zu kurz, in der Regel waren sie gut besucht. Stellvertretend sei hier der Celloherbst im Landkreis Unna erwähnt oder die Lesung des Briefwechsels von Bachmann mit Henze in Unna Massen. Veranstaltungen eben mit 100 bis maximal 400 Besuchern. Berichtet wurde nur durch die Lokalpresse. Die Pressestelle der Ruhr.2010 setzte aber auch hier ein Pressegespräch an. Diese kleinen Veranstaltungen, mit einer hohen Qualität, haben ja auch nur kleine Zielgruppen, die sich hervorragend in das Gesamtkonzept eingliederten und ein buntes Bild ergaben. Da nur lokal berichtet wurde fielen diese Veranstaltungen überregional nicht auf.

Eines soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, die finanzielle Ausstattung der Ruhr.2010. 90 Millionen hat die Ruhr.2010, teilweise mit Mühen, aufgebracht. Im Gegensatz dazu hatte die Kulturhauptstadt Istanbul sofort ein Budget von 160 Millionen überwiesen bekommen. Weiterhin wurde der Kulturetat der Türkei auf rund 350 Millionen erhöht, was für die Türkei einmalig ist. Denn in der Türkei ist der Kulturetat immer ein sehr spärlicher Etat. Auch die dritte Kulturhauptstadt Pecs in Ungarn stand finanziell besser dar. Wenn mit dem Staatssekretär Hans-Heinrich Große-Brockhoff in der Staatskanzlei nicht ein sehr großer Fürsprecher gewesen wäre, wären sicherlich einige Millionen weniger geflossen.

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   Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff  / Hannelore Kraft / Jürgen Rüttgers
 

Ruhr.2010 weitete den Kulturbegriff aus, indem es nicht nur Kultur für die Eliten organisierte, sondern der zeitgemäßen Forderung Raum gab: Kultur für jedermann zu organisieren. Ich glaube Ruhr2010 hat die alten Zöpfe die dem Kulturbegriff innewohnte dem Orkus der Geschichte überlassen. Auch der Kunstbegriff wurde unbewusst oder bewusst der Neuzeit angepasst. Die zeitgenössische Kunst hatte während des Kulturhauptstadtjahres eine große Bühne eingenommen. Die Diskussionen dauern noch heute an; die Konservativen geben eben nicht so schnell auf. In Hattingen das Morandini Tor oder in Gelsenkirchen der Herkules auf Zeche Nordstern, hier wird die Toleranz der Konservativen auf eine harte Probe gestellt. Aber – und das muss man sagen, ob es gefällt oder nicht gefällt – es ist zeitgenössische Kunst. Kunst muss und will nicht gefallen und will auch nicht jeden Idioten in Verzückungszustände bringen.
Übrigens brachte die Intention der Ruhr.2010, Kunst nicht nur für die Eliten zu organisieren, das Folkwang- und das Ruhrmuseum durch den Besucherandrang an seine personellen Grenzen. Die Stadt Essen wollte oder konnte kein Personal zur Verfügung stellen. Es war Berthold Beitz der wieder einmal in die Bresche sprang und Personal finanzierte damit keine Besucher zurück gewiesen werden mussten, so wurde kolportiert.

Nun zu dem Wesentlichen, welches die Ruhr.2010 soweit nach vorne brachte. Es war die Truppe von Öffentlichkeitsarbeitern um Marc Oliver Hänig, Clemens Baier und Felicitas Fletcher die die Presse, aber nicht nur die, mit Informationen "Just in Time" versorgte. Die Arbeitsbedingungen für die Presse waren hervorragend.  Jede Information, welche die Presse nachfragte, wurde schnellstens übermittelt, falls sie nicht schon in der Pressemappe vorlag. Der Internetauftritt war immer auf dem neusten Stand. Über Twitter und Facebook wurden teilweise aktualisierte Information und Meinungen nachgeschoben. Interviewanfragen wurden ohne Problem erfüllt. Und diese Truppe behielt immer die Übersicht, selbst in dem größten Durcheinander. Wen wundert es wenn  zum Jahresende rund 120.000 Artikel über die E- und Printmedien, durchweg positiv, bilanziert wurden. Die gesamten Artikel national und international ergaben einen werblichen Gegenwert von 95 Millionen Euro. Diese Truppe um Hänig hatte einen sehr guten Job gemacht. Sie beherrschten die Klaviatur der Kommunikation unserer heutigen Zeit. Offensiv drückten sie die Informationen in die Öffentlichkeit. Sie saßen nicht auf ihren Informationen wie es heute immer noch anderenorts üblich ist.

Dann waren da noch die Volunteers, die unermüdlich und ehrenamtlich bei allen Projekten den Besuchern den rechten Weg zeigten, sie waren jederzeit ansprechbar und halfen freundlich und verbindlich auch bei noch so komplizierten Fragen. Sie boten sich dem Besucher immer wieder an um ihn ins Bild zu setzen.

Und dann war auch noch Fritz Pleitgen, der souverän alle Projekte ins Bild setzte, begleitete und immer im Stoff war. Er stand als der Macher für alle da, seine Ausstrahlung war immer auf Erfolg gepolt. Auch wenn es mal in der Organisation knarzte wusste er dies immer zu kaschieren. Und es ging ja auch immer alles gut. Mit Oliver Scheytt stand der Zweite der Ruhr2010 zur Verfügung. Manchmal wirkten sie einzeln und wenn nötig als Team um ihr Anliegen besser durchzusetzen. Und sie brachten vieles auf die Beine, was sicher von anderen nicht so geleistet worden wäre. Ihr großes Plus war jedoch auch, dass sie vollkommen unpolitisch agierten, so kamen sie nicht in die Lagerkämpfe, kurz, alle waren politisch vollkommen unverdächtig.

4.    Konsequenzen und Aussichten

Die 110 Leute starke Truppe wurde nun  um ca. 50% reduziert und im Jahre 2011 wird der Rest abgewickelt. Einige Projekte werden noch bis Mitte des Jahres 2011 begleitet um sie dann alleine laufen zu lassen. 

Damit lässt man ein eingespieltes und erfolgreiches Team gehen, welches bei Licht betrachtet auch wirtschaftlich hervorragendes geleistet hat.

Die investierten 90 Millionen wurden mehrfach in der Metropole Ruhr wieder eingespielt. Ich schätze mal ganz konservativ, dass die nachgelagerten Investitionen gut mit 500 Millionen anzusetzen sind.

 
     Ruhr.2010 Spuren /  Foto: KNSYphotographie.de

Nur kein Investor wird hergehen und mitteilen dass seine Entscheidung durch das Kulturhauptstadtjahr ausschlaggebend war.  Das Kulturhauptstadtjahr war für viele Investoren ein Impuls genau hier in der Metropole Ruhr zu investieren. Für Touristen war es der Impuls, dieses Gebiet welches sich so anders darstellte, aufzusuchen und neu zu entdecken .Die Übernachtungen stiegen immerhin um 15%. Es ist eine Diskussion angestoßen worden, wie der ÖPNV sich besser in Verbünden aufstellen könnte. Einige Bürgermeister (nicht alle) haben wohl die Berührungsängste überwunden und streben nunmehr eine Kulturpartnerschaft mit ihren Nachbarstädten an. Durch das Twins Projekt wurden die Städtepartnerschaften wieder belebt und erbrachten Projekte die vorher nicht möglich waren. Aber einige Städte zögern immer noch die einmal geschaffenen Netze weiter zu pflegen und sie zu belasten. Wenn jetzt die Klammer Ruhr.2010 wegfällt wird man sicher in den alten Trott verfallen, dass Beharrungsvermögen ist zu groß. Das arbeiten in Netzen hat sich mit diesem Impuls der Ruhr.2010 noch nicht verinnerlicht.

Und die Politik? Beide Ministerpräsidenten, Rüttgers als auch Kraft, fanden lobende Worte für das im Kulturhauptstadtjahr Geleistete, nur sie zogen nicht die Konsequenz daraus. Nicht einmal im Ansatz wurde eine neue Gebietseinteilung in Erwägung gezogen. Nicht einmal im Ansatz wurde angedacht der Ruhr.2010 für ein weiteres Jahr die Mittel zur Verfügung zu stellen um die Arbeit zu Ende zu bringen. Auch wäre ein Regierungsbezirk Ruhr doch die logische Konsequenz nach diesem Jahr. Und im übrigen ist der Regierungsbezirk Ruhr schon längst überfällig. Wie viel Eigenständigkeit muss man denn noch zeigen um einen Regierungsbezirk zu bekommen? Der RVR will zwar die Nachfolge antreten, kann aber kein schlüssiges Konzept vorweisen. Auch die "Kultur Ruhr GmbH" steht in den Startlöchern. Immerhin hat sich die "Kultur Ruhr GmbH" mit der Ruhrtriennale einen Namen gemacht. Nur beide haben nicht die personellen Ressourcen um den einmal eingeschlagenen Weg einer Nachhaltigkeit zuzuführen.
Die Ruhr.2010 hat aber etwas geleistet was man nicht so einfach in einen Verband eingliedern kann. So ist es vorprogrammiert, dass diese Aufbruchstimmung die die Ruhr.2010 erzeugt hat verpuffen und letztendlich in irgendein Eventmanagement münden wird. Düsseldorf wird einige Millionen an Institutionen überweisen, die vorgeben die Arbeit der Ruhr.2010 fortzusetzen. Und diese Millionen werden letztendlich ohne nennenswerten Effekt versickern.

Politik sieht bei mir anders aus, nämlich eine sich bietende Chance zu nehmen und sich an die Spitze dieser Chance zu stellen, die dann zur Bewegung werden könnte.

Und die Industrie respektive Wirtschaft?

Sie hat sich in diesem Jahr 2010 trotz der Finanzkrise stark engagiert und würde dies auch weiter machen, aber mit den bewährten und kompetenten Ansprechpartnern der Ruhr.2010. Da diese aber nun wegfallen, fällt auch das gezielte Sponsoring weg, welches dem Ruhrgebiet sein neues Image erbrachte. Die Signale die die Industrie aussandte waren unüberhörbar, nur die Politik scheint im Moment schwerhörig zu sein. So wird die Wirtschaft wieder ihre eigene Wege gehen und die Gelder dort investieren wo die besten Konzepte sind, die einen Transfer gewährleisten. Und das muss nicht unbedingt das Ruhrgebiet sein.

Unverständlich ist mir auch das Rheinland vorgekommen. Nachdem Ruhr.2010 einen nachweislichen Erfolg vorzuweisen hatte, machten die Rheinländer eines, sie kappten den Rhein Ruhr Verbund um sich jetzt selbstständig zu präsentieren. Wird es demnächst eine Rhein 2020 geben? Auf einmal können es die Rivalen Düsseldorf und Köln miteinander. Da scheinen gehörige Ängste im Rheinland vorzuherrschen.

Wie also weiter?
In Oberhausen haben wir an den im Dezember 2010 verstorbenen Kollegen der WAZ Michael Schmitz gedacht der im Kulturbereich zu Hause war. Für ihn war immer alles klar: "Ja zur Kultur hieß für ihn Ja zum Leben" Und das hat Michael Schmitz in Oberhausen vorgelebt.
Und das Leben will wachsen und so sollten wir erkennen: "Die Idee (Der Metropole Ruhr) aber will weiter wachsen."

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Und so war der Garant für die Idee der Metropole Ruhr die Ruhr.2010, deren Leute beseelt und mit Herzblut an dieser Idee gearbeitet haben. Tja, und die müssen jetzt gehen, weil wir uns eben nicht soviel Kultur leisten können? Nach dem Tode von dem Hagener Osthaus wurde fast alles von ihm verkauft, keiner wusste diese Idee aufzunehmen und weiter zu befördern. Geblieben sind in den Annalen nur der "Hagener Impuls" und ein paar Bauten in Hagen Das ehemalige Hagener Folkwangmuseum wurde nach Essen verkauft und arbeitet nach den Ideen eines Osthaus.

Jetzt wird nach dem Kulturhauptstadtjahr die Ruhr.2010 verkauft, übrigens ohne Not, bleiben wird vielleicht der Essener Impuls. Für die Annalen?

Wann wird man den Wert der Kultur erkennen und ihr endlich den Platz in den Budgets der Städte einräumen den sie verdient hat?

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

alle Fotos: © Linde Arndt

Sternstunden erleben – noch ist es möglich

 [la] Oftmals,  wenn wir von EN-Mosaik auf der Strecke zu irgend welchen Terminen des Kulturhauptstadtjahres die A42 entlang fuhren und den Gasometer von Oberhausen sahen, sprachen wir darüber, dass wir dort eigentlich auch einmal Station machen sollten.

Aber wie es so oft ist, bei allen Terminen war es nur Wunschdenken, bis, ja bis ein Pressetermin von Ruhr2010 in den unteren Räumen angesagt war, den wir natürlich wahr nahmen.

Als der Termin vorüber war, hatten wir Gelegenheit uns einmal im Gasometer umzusehen und ich war total beeindruckt und begeistert.
Es wäre echt schade gewesen, diese fantastische Ausstellung nicht gesehen zu haben.

Für alle, die zwischen Weihnachten und Ende Dezember noch ein wenig Zeit haben und etwas unternehmen wollen, oder wo Kinder im Hause sind, für die diese Ausstellung ein besonderes Erlebnis wäre – nichts wie hin, denn nur noch bis zum 30. Dezember 2010 haben Sie dazu Gelegenheit.

Dann wird die Ausstellung Sternstunden abgebaut und man beginnt mit der Gestaltung der neuen, die dann im April 2011 eröffnet werden soll und unter dem Titel "Magische Orte" [s. pdf-Information] vom 8.4. bis 30.12.2011 läuft.

Damit Sie einen kleinen Einblick in diese beeindruckende Ausstellung bekommen können, stellen wir hier ein paar Fotos online.
[Fotos: © Linde Arndt]

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 Und für diejenigen, die es interessiert, haben wir hier auch noch von Youtube einen Trailer zur Aktion Sternstunden eingefügt – aber besser, Sie gehen selbst dorthin. Allein die sphärischen Klänge in den Räumen, das Echo und die Bilder und Gebilde kann man so nicht beschreiben, wie man es selbst erlebt.

Linde Arndt für EN-Mosaik
aus dem Gasometer Oberhausen


 

Finale des Kulturhauptstadtjahres, mit einem Wermutstropfen

[jpg] Erinnern, wiederholen und verarbeiten so könnte man das Finale der Kulturhauptstadt 2010, Ruhr.2010, überschreiben. Es war Daisy die uns Anfang des Jahres in ihre eisigen Arme nahm und die Eröffnungsveranstaltung mit gestaltete. Eine Eröffnungsveranstaltung bei der Gil Mehmert die Regie führte. Hochrangige Gäste, wie Bundespräsident Horst Köhler, der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso oder Minsterpräsident des Landes NRW Jürgen Rüttgers, saßen im Rund von Zollverein bei Wind und Schneeregen und schauten gebannt der Show zu. Eine Show, die das unverfälschte der Metropole Ruhr zeigte, anders, kantig, sympathisch und direkt. Die Bühne musste mehrmals mit Salz abgestreut werden, so dass die TänzerInnen ihren Tanz aufführen konnten. Es war eine Alternativkunst, so könnte man sagen, die es so noch nicht auf der ganzen Welt gab. Die Weltpresse war erstaunt und begeistert, von dieser erfrischenden andersartigen Show.

Und jetzt? Das Tief Petra brachte riesige Schneemengen und eisige Temperaturen, so als wenn die Ruhris geprüft werden sollten. Und sie kamen in Gelsenkirchen auf Nordstern, Essen auf Zollverein, Dortmund zum Dortmunder U und in den Duisburger Innenhafen an die Küppersmühle.

Und wieder war es Gil Mehmert der Regie führte, diesmal ein Finale, wohlgemerkt, keine Abschlussfeier. Und es sollte wieder eine Veranstaltung werden, die ihresgleichen noch erst einmal suchen muss.

In der Woche wurde schon das neue Wahrzeichen, der 18 Meter hohe Herkules, eine Skulptur von Markus Lüpertz, auf dem THS Dach der Zeche Nordstern mit seinen blauen  Haaren montiert.

Auf zwei Videoleinwänden mit 128 m² und 400 m² über die gesamte Gebäudebreite von 86 m wurde ein Schiff, Namens "Ruhrtopia" skizziert.

Technisch war alles vorhanden, was heute machbar ist.

Da war von Moving-Lights über moderne Verfolger bis hin zu LED-Sticks alles da, gesamt ergab dies eine Lichtleistung von 250.000 Watt. Aber nicht nur das, vielmehr entstand im Verbund mit den anderen drei Finalveranstaltungen in Essen, Dortmund und Duisburg erst der Eindruck der Metropole Ruhr.
                 
Durch Zuschaltungen wurde aber auch die Identität der anderen Städte gewahrt, niemals hatte man den Eindruck, dass die anderen Städte untergingen. Die Bedeutung des neudeutschen Wortes Polyzentrizität wurde hier umgesetzt.

                 

Das Schiff "Ruhrtopia" wurde erst sichtbar als der  schwarz/weiß Einspieler von  Christoph Maria Herbst, der einen Kulturdezernenten spielte, beendet war. Kurzweilig zeigte Herbst den Bewerbungsweg über den die Kulturhauptstadt 2010 gehen musste um sodann 2006 den Zuschlag zu erhalten.

Das Schiff setzte sich dann in Bewegung und zeigte Grönemeyer mit seiner Ruhr-Hymne und schlug einen großen Bogen über die vielen Projekte, wie die Helden-Ausstellungen, die Tanztriennale, LiteratuRe-Ruhr und dann kam auch schon das Projekt Schachtzeichen. Noch einmal stiegen die gelben Helium gefüllten Ballons in Bildern in die Luft unter denen sich tausende versammelten um ihre Metropole Ruhr zu feiern. Und so war es auch auf dem Finale indem nochmals Ballons mit Wünschen in die Luft gelassen wurden. Der Traum und Wunsch für die Metropole Ruhr. Ein Traum der sich verliert?

Und weiter ging es: Die Schattenkultur Ausstellung oder das Projekt Twins flogen als Erinnerung vorbei. Der bekannte Jazzsänger Theo Bleckmann stimmte in das Projekt Sing! Day of Song ein. Die Chöre der Metropole Ruhr probten tagelang für diesen einen Tag in der Schalke Arena in Gelsenkirchen. Aber nicht nur das, um 12:10 Uhr sangen alle in allen 53 Städten das Glück auf Lied. Es waren in den Städten rund 300.000 Sänger aufgeboten. In der Schalke Arena wurde ein Ruhrgebietschor 53.500 Sänger etabliert. Wer dabei war, weiß wie unvergesslich dieser Tag war.

Weiter ging die Reise: Die Orgellandschaften, Wohnkultur, Ruhrkunst, Nacht der Gotteshäuser oder die Local Heroes, dies als Haltepunkte in der Reise durchs Kulturhauptstadtjahr.
Die Stilleben Tische wurden auf der Höhenbühne zu einem Xylophon umfunktioniert und es erklang Südseemusik a la Steel Bands, jetzt die Wood Drummer. Ja, das Stilleben am 18.Juli – 3,5 Mio Menschen gingen oder fuhren auf ihrer Lebensader der 60 Km langen A40 und demonstrierten ein buntes, friedliches Nebeneinander der Alltagskulturen.Grau war gestern, bunt ist heute.

Viele, viele Projekte flogen an den Schiffsreisenden vorbei, begleitet von dem Marler "Junges Blasorchester e.V." Break Dancer vertraten die Straßenszene, Akrobaten der Urbanatix zeigten auf dem Gebäude ihre akrobatischen Einlagen. Dies alles perfekt inszeniert.

Die Live Einspielungen auf den Videoleinwänden aus Dortmund, Essen und Duisburg erbrachten das Wir-Gefühl der Metropole Ruhr. Ob das nun die Bewegtbilder des Dortmunder U von Professor Winkelmann waren, die 360° Lichtperformance am Essener Sanaa Gebäude oder die Ithaka Lesung im Duisburger Freihafen bei der Homer das Europa der Regionen beschwor, es war eine würdige aber auch moderne Inszenierung der Metropole Ruhr.

                

Und der Wermutstropfen? Ja, die Loveparade mit ihren 21 Toten und hunderten Verletzten, nein, sie sollten und sollen in der Metropole Ruhr nicht dem Vergessen ausgeliefert werden. Ob in Gelsenkirchen oder Duisburg, es waren Lichter die für die Toten in unseren Erinnerungen getragen werden sollten. Die reine Kultur will nicht vergessen oder verdrängen, sie wird sich immer moralisch verantwortlich zeigen. Insoweit unterscheidet sie sich von der politischen Kultur, die Verantwortung immer mit der Schuld vermengt um sich nicht zur Verantwortung zu bekennen.

Außergewöhnlich die Wechselgesänge in Sprech- und Gesangsform mit wechselnden Orten, die Technik macht so was möglich. Es ist unsere Stadt, es ist euere Stadt, so ein Credo der Sprechgesänge – wohl war.

Die Ruhrtopia auf dem Weg, Streetpiraten der Urbanatix entern das Nordsterngebäude. Diese ausgeflippten Ruhr Akrobaten mit ihren auswärtigen Freunden, wo man beim Zusehen schon blaue Flecke bekommt.

                

Die Volunteers kamen zu Wort, diese Gruppe die immer freundlich und frohgemut jedem hilfreich zur Seite stand wenn man nicht klar kam. Und die beim Helfen noch offensichtlich  Spaß hatten.

"Wir haben Kultur gelebt…wir haben es einfach gemacht… Die Erinnerung bleibt in unseren Herzen….Anderes Verständnis von Kunst, Kultur und dem Ruhrgebiet….Es muss weitergehen" so die Stimmen der Volunteers.

Und dann wandelte sich das Schiff in ein Raumschiff, welches abhebt in die Metropole Ruhr-Ruhrtopia. Das ganze endete in einem kurzen aber prägnanten Feuerwerk.
Diese fünf Akte wurden mit Szenenapplaus begleitet und mündete dann in einen großen Applaus.

Nun eines hatte das Tief Petra erreicht, zu der ausverkauften Vorstellung kamen nicht alle Besucher. Dies lag aber auch an den permanenten Katastrophenmeldungen mit gesperrten Autobahnen oder Staus auf der Autobahn.

Es war ein furioses Finale der Eröffnungsveranstaltung durchaus ebenbürtig. Und da die Erinnerung überwog herrschten Moll Töne vor die erst in Dur gewandelt wurden, als der fest verwurzelte Glaube an eine Metropole Ruhr artikuliert wurde.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gelsenkirchen

 


Hier noch unsere Gallery zur  Veranstaltung.

[Alle Fotos auf dieser Seite © Linde Arndt]

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