[jpg] Ende 2008 entschieden wir uns EN-Mosaik aufzulegen, es war eine Idee die während der Eröffnung der Ennepetaler Fußgängerzone entstand. Zuerst waren nur zwei Bereiche angedacht: Wirtschaft und Politik, jedoch sollte nur der lokale Part abgedeckt werden. Während des Wahlkampfes merkten wir, die beiden Sparten  als auch die räumliche Eingrenzung beengte uns in unserem weiteren Bestreben.

Wir nahmen den Kulturbereich mit in unser Programm auf. Folgerichtig akkreditierten wir uns für das Kulturhauptstadtjahr bei der Ruhr2010 GmbH. Zwar hatte ich persönlich bereits als freier Journalist für zwei Zeitschriften in der Medienbranche auftragsgebunden gearbeitet, im Pressebereich, also direkt vor Ort, dagegen waren wir Newcomer und sahen uns auf einmal den etablierten Pressejournalisten gegenüber. Bei den  ersten Pressegesprächen und -konferenzen mussten wir uns orientieren, wobei uns die neuen Kollegen ohne Probleme in ihren Kreis aufnahmen. Dann kam die Feuertaufe: Die Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres im Januar 2010 mit dem Tief Daisy. Linde Arndt als Fotojournalistin auf der Tribüne und ich als Journalist im Pressecenter. Wir hatten uns viel vorgenommen und konnten auch das meiste umsetzen. Aber so ging es nicht nur uns. "Die können auch Wetter" so schrieb Jens Dierksen von der WAZ am 11. Januar. Und EN-Mosaik war dabei die auch Wetter konnten.

Dann folgten viele, viele schöne Projekte, manchmal war es zuviel, nicht nur für  uns. Die gesamte nationale und internationale Presse begleitete das Kulturhauptstadtjahr mit Print, Online, Video und Audio. Und bis zum 29. Oktober wurden es rund 111.000 Artikel und Beiträge, national und international. Was lag da näher als von RUHR2010 unter Federführung von Marc Oliver Hänig einen internationalen Journalistenpreis auszuloben. Er wurde "Lorry" genannt, nach der Lore die die Kohle zu Tage förderte. "Schreiben Sie Kulturgeschichte!" – lautete die Aufforderung und auch wir reichten unsere Geschichte ein. Produziert wurde die Veranstaltung zur Preisverleihung der lorry von "dasjanding.events", Jan Pauly.

Am 29. Oktober sollte der Preis in der Duisburger Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord verliehen werden. Eine Woche vorher erhielt auch EN-Mosaik die Einladung für diese Verleihungsfeier. Neben Deutschland waren u.a. auch Italien, Polen, Schweden und Russland eingeladen worden. Wie üblich war vorher nicht bekannt wer die PreisträgerInnen sein würden.

Auf der Fahrt nach Duisburg faselten wir zwar immer darüber vielleicht selber Preisträger zu sein, rechneten aber nie wirklich damit. Auch wurde der Online Bereich mit dem Printbereich zusammen vergeben, was natürlich unsere Chancen erheblich verkleinerte. Aber –  und das war uns sehr wichtig – wir waren dabei und sahen damit unsere Arbeit gewürdigt.

                
   Gruppenbild der Sieger und Initiatoren                                                                            Foto: © Linde Arndt  

Es wurden in drei Kategorien Preise, die mit einer Geldsumme verbunden war, vergeben.
Wir haben uns die Beiträge der GewinnerInnen der drei Kategorien besorgt und wollen es nicht versäumen ihnen allen diese hier bei uns einzustellen.


In der Kategorie Print und Online wurde:

Chantal Louis von der Zeitschrift "Emma" mit dem Beitrag: "Mein Pott"  geehrt.

In diesem Beitrag erzählt sie sehr lustig wer eigentlich die Hosen im Pott an hatte: Die Frauen.

Ein Auszug:

"Diese Welt, bevölkert mit robusten Frauen, die ihre Gärten umgruben, Mäuse erschlugen und Kohleeimer schleppten, färbte zwangsläufig auf uns Kinder ab. Ich halte es für keinen Zufall, dass die Mädchen in unserer Siedlung nicht nur selbstverständlich mit den Jungs Fußball spielten, sondern auch die meisten Tore schossen und in unserer Straßentruppe überhaupt irgendwie das Sagen hatten."

Chantal Louis zeichnet ein Frauenbild im Ruhrgebiet, welches noch heute Bestand hat. Das Ruhrgebiet hat Frauen hervorgebracht die an Selbstständigkeit nicht zu überbieten sind. Für mich ein sehr gut gezeichneter Pott aus Frauensicht. Nicht der mit dem Presslufthammer malochende Mann steht im Vordergrund, sondern die Frau die diese Maloche erst ermöglicht. Sie ist der wahre Held.
Der Beitrag wurde von einem Schauspieler vorgelesen.

Ulrich Reitz Chefredakteur der WAZ würdigte die Arbeit von Chantal Louis und übergab den Preis und das Preisgeld.


In der Kategorie TV/Vodcast wurden:

Konrad Lischka und Jens Radü von Spiegel-Online mit dem Beitrag "Wir sind das Ruhrgebiet" geehrt.

Sie zeigen  das pulsierende Ruhrgebiet mit seinen vielfältigen kulturellen Möglichkeiten auf.

Hier der Link  –   es lohnt sich.

 


 

In der Kategorie Radio/Podcast  erhielt:

Platz 1: Julia Lührs – Alte Klänge aus dem Kohlenpott (WDR 5)

 

Der Klang des Ruhrgebiets: Richard Ortmann auf einer akustischen Reise durch die Region

http://static1.ruhr2010.de/fileadmin/user_upload/ruhr2010.de/multimedia/Sonstige_Flash-Dateien/lorry_alte_klaenge.mp3

Player starten (00:01:16; mp3; 1,2 Mb)

Es ist eine Soundcollage mit akustischen Eindrücken des Ruhrgebietes.


Während der Feierlichkeiten wurden uns immer wieder Amuse gueule  gereicht, während hinten ein Bergmann-Buffett aufgebaut war. Abgerundet wurde der Abend auch mit Live-Musik. Es war aber bei allen Beteiligten ein kleines Gefühl der Traurigkeit vorhanden. Hatte doch jeder seine eigene Art an den Abschied zu denken, denn es sind nur noch zwei Monate bis zum Jahresende.

Fritz Pleitgen meinte zwar in 2011 wird es noch in kleinerem Maßstab etwas geben, aber jeder wusste die großen Veranstaltungen sind vorbei. Die Loveparade in Duisburg, die einen Makel auf das Kulturhauptstadtjahr geworfen hatte, kam noch einmal ins Gespräch. Hier hatte als einziger Fritz Pleitgen eine moralische Verantwortung übernommen wobei auch die Presse überwiegend sich damit solidarisch erklärte und darüber berichtete. Verhalten sprachen wir über das Erlebte, die Schweigeminute vor der Sinfonie der Tausend. Das Durcheinander mit dem BKA als wir unsere Kameras checken lassen mussten weil der Bundespräsident kam.

Es war so viel für jeden von uns  in den vergangenen Monaten passiert. Durchweg waren wir jedoch alle stolz einen guten Job gemacht zu haben, der dem deutschen Kulturhauptstadtjahr immerhin 7,5 Millionen Besucher gebracht hat. Gedanken wie es mit der Metropole Ruhr weitergehen soll kamen auf. Alle wussten das Projekt "Metropole Ruhr" ist noch nicht erledigt. Es ist noch viel zu tun um auch dem letzten der 5 Mio. Bewohner seine Metropole bewusst zu machen.

Was die Ruhr 2010 in diesem Jahr geleistet hat, wird sicher so nicht mehr zu leisten sein. Die Politik hat sich noch nicht entschieden, es sind in Düsseldorf andere Ansprechpartner vorhanden. Auch in Düsseldorf ist durch den Wechsel eine Orientierungsphase zu verzeichnen. Wesentlich ist, und dass war allen Beteiligten klar, Kultur kann etwas bewegen und Bewegung brauchen wir in unserem Land.

EN-Mosaik positioniert sich auch seit 2 Monaten neu, viele neue Ideen sind schon besprochen worden und erste Verbindungen wurden geknüpft. Das ist ja das schöne im Kulturbereich, er ist immer im Wandel. Das heißt nicht, dass das Alte aufgegeben wird, nein, aus dem Alten entsteht immer etwas Neues.

Und als Journalist ist man immer ein Begleiter aber auch der erste Zuschauer der dem User oder Leser dies übermittelt. Wir alle hatten hervorragende Arbeitsbedingungen gehabt, kaum Einschränkungen, selbst Sonderwünsche wurden meistens erfüllt.

Als Ennepetaler wünschte ich mir nur 10% der Arbeitsbedingungen in meiner Wohnstadt vorzufinden. Aber das bleibt sicher nur Wunschdenken.

Mal sehen was morgen kommt, es wird sicher wieder spannend, anders spannend.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Duisburg-Nord

Und hier unsere Fotogallery von der LORRY-Preisverleihung
[alle Fotos © Linde Arndt]

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