Gevelsberg lebt Europa mit seinem Boulevard

[jpg] Gestern Abend am 3.Juni 2011 kamen wir von der Ausstellungseröffnung der C.A.R aus Essen zurück und hatten keine Lust mehr zu kochen. Also kehrten wir kurzerhand bei „Sale & Pepe“ auf der Milsper-Strasse ein. Und wen sahen wir da? Klar, die ganze Butera Abordnung mit Bürgermeister Luigi Casisi, die am nächsten Vormittag in Gevelsberg zur Eröffnung des Boulevard sein sollte. Machte nichts, wir verzogen uns nach nebenan, hatten wir doch sowieso vor uns die Bilder von der Ausstellung kurz anzusehen. Mit dem Netbook konnten wir auch die nicht so guten Bilder direkt aussortieren. Kurz unsere Pasta bestellt und los ging es. So ergab sich folgendes Bild: Vorne arbeiteten die Italiener aus Butera ihren Auftritt für den nächsten Tag durch und aßen ihre Pasta. Und hinten arbeiteten die zwei Deutsche ihre Fotostrecke aus Essen durch.

                          
     

Nach einer gewissen Zeit waren wir mit der Arbeit fertig und wir kamen mit den Leuten aus Butera zusammen. Selbstverständlich fotografierten wir die Abordnung aus Butera mit Salvatore lo Bartolo. Und klar war auch, wir wollten die Fotos per email zuschicken. Ist ja heute ein Klacks.

Für den nächsten Tag waren wir, wie alle Pressekollegen, gegen 10:00 eingeladen, der Sprottauer- oder besser Szprotawaplatz sollte eingeweiht werden. Pünktlich um 10:00 Uhr versammelten sich rund 300 Menschen auf dem Platz. Das Schild des Platzes war mit Ballons in den Farben der polnischen und deutschen Flagge verdeckt. Und großer Bahnhof war angesagt. Anwesend waren: Prof. Dr. h. c. Klaus Hänsch, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments von 1994 bis 1997, der MdE Bernhard Rapkay, der MdB René Röspel, der MdL Hubertus Kramer und dann natürlich alle Bürgermeister der Städte: Bürgermeister Józef Rubacha aus Sprottau/Szprotawa, Bürgermeisterin Catherine Lockhard aus Vendome, Bürgermeister Luigi Casisi aus Butera und schlußendlich der Gastgeber Bürgermeister Claus Jacobi aus Gevelsberg neben Altbürgermeister Klaus Solmecke. Die Moderation übernahm der WDR Redakteur Oliver Koch aus Gevelsberg. Es sollte ein freundlicher und herzlicher Vormittag werden.

   Musikalisch wurden die Gäste vom Blasorchester Sprottau und vom HarmoniEN Chor des Ennepe-Ruhr-Kreises begleitet. 15 Jahre existiert die Städtepartnerstadt zwischen Sprottau und Gevelsberg nunmehr.

Altbürgermeister Klaus Solmecke hatte diese Partnerschaft mit einem offiziellen Festakt am 17. Mai 1996 in der Aula West begründet. BM Claus Jacobi bedankte sich bei Józef Rubacha für die freundschaftliche Beziehung und erinnerte an die ersten "stolperigen" Schritte in diese Partnerschaft.

     

 In der Zwischenzeit haben sich vielfältige Beziehungen zwischen den Gevelsberger Bürgern wie auch den beiden Stadtverwaltungen gefestigt, die nunmehr einen freundschaftlichen Hintergrund haben, so Jacobi. Und weiter kündigte Jacobi eine Lesung des Ehrenbürgers der Stadt Sprottau Prof. Dr. h.c. Klaus Hänsch aus seinem Buch „Kontinent der Hoffnungen – Mein europäisches Leben“ im Zentrum für Kirche und Kultur in der Südstrasse an.

Jacobi betonte die Einstimmigkeit des Rates der Stadt Gevelsberg im Hinblick auf die Benennung „Sprottauer Platz“. Denn mit diesen Freundschaften sollen die alten Feindschaften aber auch die evtl. noch vorhandenen Vorurteile überwunden werden. Sprottau erhält nun auch einen eigenen Platz mitten in Gevelsberg, neben den anderen beiden Partner-Städten. Der Sprottauer Bürgermeister Józef Rubacha erinnerte an den 2009 verstorbenen Reginald Rebisz der in beiden Städten hoch geachtet war. Das besondere an der Beziehung zwischen den beiden Städten ist die Freundschaft, die sich bis jetzt entwickelt und verfestigt hat. Es ist ein ständiges hin und her in den privaten aber auch offiziellen Treffen, die letztendlich zu einer Normalität geführt haben. So ist das ewoca³ (European Work Camp) Projekt 2011 am Hafen Szprotawa vom 22.7.-10.8. 2011 aus einer dieser Begegnungen erwachsen. „ Möge ihnen Szprotawa jederzeit nahe sein“ rief Bürgermeister Józef Rubacha den anwesenden Gevelsbergern und Gästen zu.

Bürgermeisterin Catherine Lockhard aus Vendome richtete Grußworte an die Gevelsberger und rief „Die Freunde unserer Freunde sind auch unsere Freunde“.Gleichzeitig lud sie die beiden anderen Städte zu den 40 Jahr Feiern im übernächsten Jahr nach Vendome ein.

Bürgermeister Luigi Casisi betonte die herzlichen Beziehungen über eine so weite Entfernung die eine so sensible Teilhabe am Leben der anderen ermöglichen. Dies ist wahres Europa: Die gewonnene Freundschaft übertrifft alles und ist das Fundament was alles aushält. Bürgermeister Casisi übergab danach an alle Vertreter der Städte ein Geschenk der Stadt Butera.

Der ehemalige EU Ratspräsident Hänsch stellte fest, dass durch solche Freundschaften Europa zusammenwächst. Verständigung und das Miteinander in Europa wird in Brüssel/Straßburg, Berlin oder Warschau manchmal etwas langsamer organisiert und hinkt der Realität, an der wir uns hier erfreuen, manchmal hinterher. Polen und Deutsche sind sich nunmehr sehr stark und gleichberechtigt verbunden. Bürgermeister Józef Rubacha bedankte sich für die warmherzigen Worte und übergab nach alter Sitte ein Brot, welches mit den beiden Wappen und den Jahreszahlen dekoriert war.

Auch der MdE Bernhard Rapkay übermittelte persönliche und ergänzende Grußworte.

Der Platz wurde von einem evangelischen und katholischen Geistlichen eingeweiht und in einem Gebet seiner zukünftigen guten Bestimmung übergeben. Die anwesenden BürgermeisterIn schnitten die Ballons ab die das Schild verdeckten. Bürgermeister Casisi sprang dabei auf die Bank und beschleunigte den Akt etwas.

Dann improvisierte Bürgermeister Casisi mit einem Trio der in Italien gern gesehenen Strassenmusiker die ein Ständchen für diesen Tag zum Besten gaben.

In der Zwischenzeit hatten sich so an die 400 Menschen versammelt. Der Moderator Oliver Koch stellte noch die Radfahrer vor die 731 Km von Sprottau nach Gevelsberg gefahren sind. Womit jetzt alle Städteverbindungen mit dem Fahrrad befahren worden sind. Vielleicht wird es ja im nächsten Jahr einen Neuanfang geben und die Städte in Reihenfolge neu beradelt werden.
Am Ende wurde eine Wandzeichnung enthüllt, die von der „Mal Du mal“ Schulleiterin Annette vom Bruch erstellt wurde. Diese Wandzeichnung soll nunmehr den Platz dekorieren.

Als ich danach über die Mittelstrasse schlenderte, es war ja noch etwas Zeit, hörte ich neben deutschen Sprachlauten italienische, französische und polnische Laute. Es erklangen Melodien typisch französischer und italienischer Art an mein Ohr.

 
     

 

Und ich dachte bei mir, dies ist mein Europa, so liebe ich es.

Der Tag war jedoch noch nicht zu Ende. Als wir spätnachmittags über die Mittelstrasse bummelten und die drei Bühnen bespielt wurden, hatten sich Tausende eingefunden, die sich entweder vor der Bühne „Extrabreit“ oder den anderen Bands die Musik anhörten, bei den Strassenkünstlern verweilten oder es sich einfach gastronomisch gut gehen ließen.

Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass die gesamte Organisation hoch professionell durch die städtischen Mitarbeitern als auch viele Ehrenämtler ausgerichtet wurde. Wo gibt es schon eine simultan Übersetzung in vier Sprachen über Kopfhörer und Lautsprecher? Diese Organisation gereicht vielen Großstädten zur Ehre, Gevelsberg mit seinen rund 31.000 Einwohnern hat in dieser Hinsicht viel geleistet.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gevelsberg

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[Alle Bilder © EN-Mosaik Pool]