Bahnhofsverein auf der Suche nach einem Ziel

[jpg] Es sind noch viele Ungereimtheiten die einer sinnvollen Arbeit im Wege stehen. Aber wir befinden uns halt auf der "Insel der Glückseligen", da macht man etwas ohne zu wissen wo das hinführen soll.

  Es sollte die Sitzung des Bahnhofsvereins werden, auf welcher man die Weichen für die weitere Vorgehensweise stellen wollte. 
Rund 34 Mitglieder waren am Donnerstag, dem 22.4.2010 in das Restaurant Manus gekommen. Die 5 Tagungsordnungspunkte sahen nach einem gut durchdachten Anfang aus.
v.l.n.r. stellvertr.Vorsitzender Dieter Dummann / Vorsitzender RA Frank Oberdorf / Öffentlichkeitsarbeit Helga Schulte-Paßlack    

Nur dann kam es anders als der Vorstand sich das offensichtlich gedacht hatte. "Bildung eines Beirates" wurde von dem Vorstand abgesetzt. Begründung: Man müsse die  Mitglieder erst  einen Beirat wählen lassen. Nur die Mitglieder waren ja anwesend, beschlussfähig und hätten auch sofort wählen können. Wie dem auch sei, es wurde kein Beirat gebildet. Dann sollte es weiter gehen mit der Bildung von Arbeitskreisen. Der Vorstand schlug auch gleich 5 Arbeitskreise vor:

  • Mittelstand und Handwerk
  • Kunst
  • Kultur
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Wirtschaft / Denkmalschutz

Und schwupps kursierten Zettel auf denen sich die einzelnen Mitglieder für die dementsprechenden Arbeitskreise eintragen konnten.
Parallel hob aber eine chaotische Diskussion der Mitglieder an, die mit der Vorgehensweise so nicht einverstanden waren. Da wollte eine Gruppe erst einmal eine Begehung des Bahnhofs anstreben um sich überhaupt erst ein Bild von dem Objekt zu machen. Das behagte dem Vorsitzenden Herrn Oberdorf nicht so recht, was er auch kundtat. Dann wollten andere erst einmal über die Vergangenheit des Bahnhofs reden. Andere wieder wollten festgehalten haben, dass es sich bei dem Bahnhof um ein Denkmal handelte und dieses auch dementsprechend gewürdigt sehen.

Dann ging es darum, dass man erst einmal die Bürger ins Boot holen wolle, wobei ich mich da fragte wer denn die anwesenden Mitglieder waren. Etwa keine Bürger? Auf einmal wollte man auch schon mal über den Kauf oder Nichtkauf des Bahnhofs sprechen.

 Kurz es war eine Stunde Chaos pur. Da wunderte es nicht, dass den anwesenden Politikern Wolfgang Frey (FDP) und Walter Faupel (CDU) nach über einer Stunde der Kragen platzte . 

 
    Walter Faupel (CDU)

Sie forderten erst einmal zwei Arbeitskreise:

  •   Wirtschaft und Finanzen
  •   Nutzung und Technik

aus denen dann vier Arbeitskreise gemacht wurden. Nun kamen die Zettel, auf den die einzelnen Mitglieder sich eingetragen hatten umgewidmet zurück und es mussten alle anwesenden Mitglieder neu eingetragen oder umgetragen werden. Die Mitglieder waren jedoch nicht so ganz zufrieden mit der Entwicklung, fanden sich aber damit ab und gingen dann langsam nach Hause.
Die eigentlichen Probleme, wie dass der Bahnhof noch gar nicht gekauft ist oder dass immer noch kein tragfähiges Nutzungskonzept vorhanden ist, wurden jedoch alle erst einmal ausgeblendet.
Nutzung bedarf aber Ideengeber und zwar Personen die weiter und freier denken können als über das Toiletten-Kiosk-Wartesaal Konzept hinaus. Warum hat der Vorstand nicht zur Kenntnis genommen, dass zwei Konzeptgeber im Raum waren? Diese Konzepte sind zwar noch grobe Skizzen, die einer weiteren Überarbeitung bedürfen, aber immerhin. Warum wirbt man nicht für ein drittes Konzept? Diese Konzepte müssen unter der Leitung der Konzeptgeber bis zur Entscheidungsreife nach vorne getrieben werden. Und wenn diese Konzepte stehen, also einschließlich der Aufwendungen und der projektierten Erträge, kann eine Mitgliederversammlung darüber diskutieren.

  Als Arbeitskreis "Nutzung" mit zur Zeit zwei Gruppen. Da ist die Gruppe unter Karsten Müller mit dem Projekt "Kunstakademie" und die Gruppe Werner Kollhoff mit dem Projekt "Kulturzentrum", die gut und gerne sich ihre Mitstreiter nehmen sollten und ihre Projekte nach vorne treiben könnten. Danach könnte dies mit dem Denkmalschutz abgeglichen werden.

Aber zuerst sollte man den Ideengebern den Freiraum belassen um ihre Ideen weiter zu entwickeln.

Und dann die zweite Gruppe "Finanzen" hätte auch schon längst aktiv werden können.

Frau Dr. Christine Hohmann (Denkmalschutz)    

Warum hat diese Gruppe nicht schon längst mögliche Finanzierungsformen erarbeitet, eine Datenbank mit einem Adresspool der möglichen Ansprechpartner. Kann es sein, dass die Anwesenden allesamt auf die möglichen Schecks von Seiten der lokalen Sparkasse und der Stadt spekulieren? Die DB AG ist im Rahmen des Kulturhauptstadtprojektes einer der Sponsoren und zwar mit erheblichen Beträgen. Auch die Sparkasse ist nicht nur lokal im Sponsoring tätig, sondern ist auch im regionalen und nationalen Bereich aktiv. Anlässlich der diversen Pressegespräche, betonten Heinrich Haasis, Präsident des DSVG, Dr. Rolf Gerlach, Präsident des WLSGV und Michael Breuer, Präsident des RSGV ihr regionales Engagement im Bereich Kultur. Vielleicht klärt Herr Kraft (CDU) den Verein ja mal auf, denn er hatte ja anlässlich der Ausstellung "Ruhrblicke" Gelegenheit mit den drei Präsidenten ein unverbindliches Kontaktgespräch in Essen zu führen. Nur alle, und nicht nur die beiden aktiv tätigen Sponsoren, wollen eines, ein tragfähiges Konzept mit dem man einen Transfer herstellen kann. Und worüber sprechen wir denn? Wir sprechen über eine Investition von mindestens 2 Millionen und diese müssen eingeworben werden.
Auch wurde nicht über den Ankauf des Gebäudes gesprochen. Die Stadt kann im Moment den Ankauf nicht tätigen, weil der Haushalt 2010 noch nicht durch ist. Und wenn die Bezirksregierung und der Kreis sich mit ihrer Rechtsposition durchsetzen, muss die Stadt in die Haushaltssicherung. Und mit der Haushaltssicherung ist der Kauf des Bahnhofs bei der Stadt erst einmal vom Tisch. Es sei denn sie würde eine kreative Lösung des Bahnhofkaufs finden. Das bedingt aber, dass die 180 Tsd. für den Bahnhof im Haushalt 2009 noch vorhanden sind.
Wie dem auch sei, wir haben in dieser Sitzung viele Ungereimtheiten registrieren müssen, welche eine klare Linie vermissen lassen. Die Alternative "Abbruch", die keine Alternative sein soll, steht nach dieser Sitzung drohender denn je im Raume.

Aber so ist das eben auf eine "Insel der Glückseligen", Realitätsverweigerung ist auf solch einer Insel der Alltag. Wilhelm Wiggenhagen möchte jedoch Ennepetal zu Lummerland umfirmieren, "eine Insel mit zwei Bergen" aus Michael Endes Jim Knopf. Nur Lummerland ist in der Vorlage so klein, dass man, wenn man sich bewegt, evtl. nasse Füße bekommt, weil man dann im Meer steht, so die Vorlage. Dem kann ich nun folgen, weil ich ja Tag für Tag sehe, wie wenig sich in Ennepetal bewegt. Haben die etwa alle Angst nasse Füße zu bekommen?

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

Fotos: © Linde Arndt

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