v.l.:Gabrielle Grollmann, Stoffels   , Bürgermeistr Jochen Stobbe  Foto: Linde Arndt

v.l.:Gabriele Grollmann, Ralf Stoffels , Bürgermeistr Jochen Stobbe Foto: Linde Arndt

 

[jpg] Seit einem Jahr Dauerwahlkampf der bürgerlichen Mehrheit in Schwelm. Die Protagonisten dieser bürgerlichen Mehrheit: Oliver Flüshöh (CDU), Michael Schwunk (FDP) und Marcel Gieswein (Bündnis90/Die Grünen) und manchmal zur Verstärkung Dr. Christian Bockelmann (SWG/BfS). Sie hatten mal eine satte Mehrheit von 24 Sitzen, die sich aber nach der Kommunalwahl 2014 um 4 Sitze verringert hat.

Sie hätten von 2009 bis heute Schwelm gestalten können, nur es fiel ihnen nichts ein, wie man die Gemeinde Schwelm gestalten könnte. Mangels fehlender Kreativität verlagerte sich diese bürgerliche Mehrheit auf eine Fundamental-Opposition, indem jeder Antrag der die Gemeinde weiter bringen konnte bis zum geht nicht mehr zerredet wurde, letztendlich aber doch durch gelassen werden musste. Dabei wurde in den jetzt schon 6 Jahren viel, sehr viel Porzellan zerschlagen, das dem Image der Stadt Schwelm nicht gerade zuträglich war.

Ein alteingesessener Schwelmer Unternehmer wurde derart behandelt, dass er das Brauereigelände nicht mehr entwickeln wollte und es einer Beteiligungsgesellschaft im Schweizer Zug verkaufte. Diese Gesellschaft darf das Gebäude jetzt so hoch ziehen wie es dem einheimischen Unternehmer verwehrt wurde. Die Schwelmer Stadtverwaltung wurde permanent durch den Rat unter Dauerbeschuss gesetzt, wobei der Eindruck entstehen konnte, dass die Mitarbeiter nur aus unfähigen und überflüssigen Arbeitnehmern bestehen. Unwürdige Auftritte waren und sind an der Tagesordnung im Schwelmer Rat.

Als der Haushalt 2016 durch den Bürgermeister im Rat kassiert wurde, schwang sich ein Oliver Flüshöh (CDU) auf, die politische Inquisition auszurufen. Da wurde der Kämmerei Ralf Schweinsberg „hochnotpeinlich“ befragt, ob der Haushalt denn nicht hätte vorgelegt werden können. Flüshöh am Rednerpult zwang den Kämmerei gegenüber dem Bürgermeister zur Illoyalität. Ein würdeloses Schauspiel. Aber wie gesagt, es ist Wahlkampf und da sind Werte wie Würde, Integrität, Loyalität oder auch nur Niveau nichts wert. Schauspielerisches Talent, Taschenspielertricks Möglichkeiten der dramaturgischen Inszenierungen sind die richtigen Begriffe hier für.

 

Und Schwelm?

Gabriele Grollmann  Foto: (c) Linde Arndt

Gabriele Grollmann Foto: (c) Linde Arndt

Ach was, was kümmert uns diese Stadt, wenn wir die Macht über diese Stadt nicht haben. Der Grund? Der Bürgermeister ist von der SPD, und der muss halt weg.

Und so zauberte die bürgerliche Kooperative von CDU/FDP/Bündnis90|Die Grünen und SWG/BfS eine Gabriele Grollmann (parteilos) aus dem bekannten Zauberhut. Die oder keine, aus einer Wahl von angeblich 30 BewerberInnen. Frau Grollmann hatte die Stellenanzeige während ihres Bäckereibesuches gelesen und sich sofort beworben. Denn ihr guter Job bei der Stadtverwaltung Münster, ist nicht so gut wie der angestrebte Bürgermeisterjob in Schwelm? Weil, man höre und staune, die Menschen von CDU/FDP/Bündnis90|Die Grünen und SWG/BfS Frau Grollmann so begeistert hatten, dass sie sich flugs bewerben musste. So strebt man heute eine Stelle an?

 

Ralf Stoffels Foto:  (c) Linde Arndt

Ralf Stoffels Foto: (c) Linde Arndt

Jetzt kam der Showdown zwischen dem Amtsinhaber Jochen Stobbe in der rechten Ecke und der Bewerberin Gabriele Grollmann in der linken Ecke. Podiumsdiskussion nennt man so was. Und diese Podiumsdiskussion wurde organisiert von Ralf Stoffels, einer der Vizepräsidenten der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK). Auch diesmal wurde diese Diskussion etwas schwammig wie in Ennepetal, jedoch war die Spannung ungleich höher, was an der Kandidatin als auch an dem Kandidaten lag.

 

Christoph Brünger, Geschäftsführer für Standortpolitik, Existenzgründung und Unternehmensförderung der SIHK Hagen eröffnete die Podiumsdiskussion indem er die wirtschaftlichen Eckdaten von Schwelm vortrug. Quintessenz: Schwelm muss seine Potenziale besser nutzen! Sehr gut!

Es geht um Flächennutzung für Gewerbe- und Industrieansiedlung. Richtigerweise ist Schwelm mit seiner geringen Flächenreserve kaum eine Stadt für eine Industrieansiedlung, so Bürgermeister Stobbe, jedoch versucht Schwelm dieses Manko durch eine interkommunale Zusammenarbeit mit Wuppertal, Sprockhövel und Gevelsberg im Gebiet Linderhausen zu kompensieren. Frau Grollmann will erst einmal mit den Unternehmern sprechen und strebt einen Flächentausch an, Firmen die zuviel Flächen hätten tauschen mit Firmen die zu wenig haben. Wie das umgestzt werden soll, wollte sie nicht verraten. Bürgermeister Stobbe ist da schon ein Stück weiter indem er mit den Nachbargemeinden gemeinsame Flächen entwickelt. Frau Grollman fragt, was denn für die letzten 6 Jahren für Ergebnisse vorliegen. Bürgermeister Stobbe verweist auf die Regionalplanung, die eine spontane Flächenentwicklung kurzfristig nicht zu lässt. Alles was über die Stadtgrenzen geht muss vom RVR und Arnsberg respektive von Düsseldorf abgesegnet werden.

Schwelm hatte umfangreiche Gewerbesteuerrückzahlungen zu leisten, die mit einer Verzinsung von 6% versehen sind. Als Kritikpunkt ist das unverständlich, sind doch die 6% gesetzlich vorgeschrieben. Auch das Prozedere der Gewerbesteuerzahlung scheint weder bei Ralf Stoffels, einer der Vizepräsidenten der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) noch bei Frau Grollmann bekannt zu sein. Die Zeiträume von der Festsetzung der Gewerbesteuer und einer evtl. Rückzahlung, waren hier offensichtlich nicht bekannt.

Bürgermeister Jochen Stobbe Foto: (c) Linde Arndt

Bürgermeister Jochen Stobbe Foto: (c) Linde Arndt

Bei der Frage zur GSWS waren sich Frau Grollmann und Bürgermeister Stobbe fast einig. Nur Frau Grollmann will das Stadtmarketing wieder in die Stadtverwaltung holen. Hier sieht Bürgermeister Stobbe jedoch schon Erfolge, die durch einzelne positive Imageaktionen der GSWS entstanden sind. Neue Aufgaben sieht Bürgermeister Stobbe durch die neue Gestaltung der Innenstadt auf die GSWS zukommen. Grollmann verweist auf ihre Kompetenz im Zusammenhang mit ihren Vorlesungen zum Thema „attraktive Innenstädte“ und fordert einen Abendwochenmarkt. Frau Grollmann ist „Wochenmarkt-Enthusiastin“, seit ihrer Zeit in Gladbeck, dort war sie für den Wochenmarkt zuständig. Grollmann wie auch Bürgermeister Stobbe wollen an der Barrierefreiheit der Innenstadt arbeiten. Grollmann will darüber hinaus mehr Parkplätze in der Innenstadt schaffen. Wo, das mochte sie nicht sagen.

Ein Masterplan für die Innenstadt? Grollmann will denn auch sofort ein Dezernat Stadtplanung mit Baudezernenten einrichten, wo bei ihr  auf der anderen Seite die Forderung nach Personaleinsparung steht. Im Zusammenhang mit dem Investor fragt Frau Grollmann, ob denn überhaupt die Bonität vorhanden ist. Die Firma Paas und die Beteiligungsgesellschaft im schweizerischen Zug haben die Immobilie Brauerei ohne Probleme abgewickelt. Und jetzt soll eine Bonitätsprüfung gemacht werden?

Und dann kommt der Haushalt. Hier sieht Frau Grollmann den Schwelmer Haushalt seit 2013 schon defizitär. Jeder Cent sollte auf den Prüfstand, es muss gespart werden, die Bücherei, das Hallenbad, da es freiwillige Leistungen sind, könnten geschlossen werden. Und das Heimatfest?

Schwelm muss massiv sparen, so Grollmann. Auf der anderen Seite will Frau Grollmann, dass Freibad überdachen um dann ein Ganzjahresbad daraus zu machen. Bürgermeister Stobbe sieht seit 19 Jahren die Stadt Schwelm ohne genehmigten Haushalt und damit die finanzielle Lage in Schwelm als angespannt. Die Bücherei kann man nicht einfach schließen, da Schwelm eine vertragliche Kooperation mit Sprockhövel hat.

Zum Flüchtlingsproblem sieht der SIHK Geschäftsführer Stoffels Gevelsberg und Ennepetal weit vor Schwelm mit der Lösung der Probleme. Ist dieses Problem für Schwelm noch finanzierbar, so Stoffels?

Bürgermeister Stobbe sieht die gesetzlichen Vorgaben auf einem guten Weg in Schwelm. Was die Sprachkurse und andere integrative Leistungen anbelangt, hat Stobbe Sponsoren und sein eingespieltes Ehrenamt im vollen Einsatz. Wenn es in Schwelm mit dem Flüchtlingsproblem geräuschloser als in Gevelsberg zu geht, heißt das doch nicht, dass Schwelm zurück ist. Wir haben, so Bürgermeister Stobbe, sicherlich ein Problem uns in der Öffentlichkeit darzustellen. Wir sind hier sicher etwas zurückhaltender, der Problematik angepasst.

Frau Grollmann will zu diesem Thema eine hauptamtliche Kooperationsstelle schaffen und dem Ehrenamt die Zusammenarbeit entziehen. Die Flüchtlingsarbeit sollte Chefsache sein und Schwelm sollte mehr tun. Hauptamtliche Kräfte sollten die Flüchtlinge professionell begleiten.

Das Rathaus, sollte es so belassen werden oder sollte das zentrale Rathaus angegangen werden?

Frau Grollmann sieht hier die Möglichkeit einer ÖPP oder PPP (öffentlich-private Partnerschaft oder Public-private-Partnership), die in der Regel zwar die teuerste Lösung darstellt, man sollte diese Lösungsmöglichkeit jedoch nicht aus dem Auge verlieren. Den Plan von dem Schwelmer Bürger Uwe Hugendick die Schule West als Standort für das zentrale Rathaus einzuplanen, findet Frau Grollmann gut – warum nicht.

Bürgermeister Stobbe sieht den Beschluss für ein zentrales Rathaus, wobei die Schule West ein Projekt sein kann. Man sollte diese Entscheidung jetzt nicht übers Knie brechen, denn wir haben noch nicht alle Überlegungen hinsichtlich des Raumbedarfs, im Moment sind wir bei 9.000 qm,  nicht beendet. Eine beispielhafte Frage, was machen wir mit dem zur Zeit ausgelagerten Archiv? Sollen wir es digitalisieren, was erheblich weniger Platz benötigt als die analoge Aufbewahrung. Frau Grollmann merkte denn an, dass die Digitalisierung nicht klappen wird, weil es auch in Münster nicht geklappt hat.

In diesem Zusammenhang brachte Frau Grollmann den viel weiter führenden Begriff des E-Government ins Spiel. Dieser Begriff beinhaltet die gesamten Prozesse im behördlichen Bereich, einschließlich der Archivierung, die dann durch den Einsatz von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien durchgeführt werden. Frau Grollman wollte hier ein Denkverbot aussprechen. Wenn auch nicht die gesamten Prozesse digitalisiert werden können, so sollte man aufgrund des in die Jahre gekommenen Archivgutes, eine Teildigitalisierung nicht von der Hand weisen.

 

Fazit:

Wenn man sich die gesamte Diskussion vor Augen führt, so hatte Frau Grollmann erhebliche Widersprüche in ihrem Vortrag. Da will sie viele Projekte zur Chefsache erklären. Damit zeigt sie aber doch klar Lücken im Management by Delegation und unterstellt der Stadtverwaltung eine fehlende Kompetenz. Bei der Kompetenz, die ja das Tor zur Akzeptanz darstellt, zeigt sie Wissenslücken und Widersprüche. Sie kann nicht ein Sparen Merkelscher Prägung propagieren und zwei Sätze später mit vollen Händen Geld unter die Leute verteilen, wie einen Baudezernenten mit oder ohne Personal einstellen wollen, nur weil sie ihren Mitarbeitern in spe nichts zutraut. Wissenslücken, wo es um die Innenstadtgestaltung geht. Es reicht heute nicht „nur“ einen Abendwochenmarkt zu initiieren, vielmehr greifen viele Faktoren in eine moderne Innenstadt.

Bürgermeister Stobbe kennt die Fehler seiner Stadtverwaltung, wie man immer wieder in Zwischenbemerkungen hören konnte. Da sind zum einen die erheblichen Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit um ein positives Image der Stadt Schwelm zu transportieren. Es reicht nicht wenn sich Schwelmer auf die Schulter klopfen um sich toll zu finden. Stobbe war allerdings in seinen Antworten und Einlassungen strukturierter unterwegs, wobei er, bis auf einmal, kompetent vortrug. Von außen wird Schwelm als unscharf wahr genommen, die Schwelmer wissen allerdings nicht was draußen (Außenwirkung) rüber kommen soll. Der Schwelmer Rat sollte sich besinnen und sein würdeloses Spiel unterlassen, man kann auch dem politischen Gegner niveauvoll die Meinung sagen. Schreiereien, Drohungen, Beschimpfungen und Bloßstellungen sollten tunlichst vermieden werden.

Mit der Brauereiinvestition wird es in Schwelm noch erhebliches Kopfzerbrechen geben. Denn wenn die Investition einmal steht, werden die Gewinne in Zug/Schweiz versteuert (Steuervermeidungstrategie). Wenn es geht wird die Investition Verluste ausweisen, die hier in Deutschland verrechnet werden, so zahlt Deutschland dem Investor aus anderen Steuertöpfen.

Hier können sich die Schwelmer schon einmal bei Ihren Politiker bedanken, die damit einen weiteren Sargnagel eingeschlagen haben.

Die Diskussion selber war durchaus interessant, sah man doch zwei Persönlichkeiten die unterschiedlich nicht sein konnten. Gabriele Grollmann mit ihrem ich-gehöre-nur mir und Jochen Stobbe mit seiner in Stadt und Partei geerdeten Person.

Jetzt ist der Wähler dran.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Schwelm

Sieger Sommer-Starpac 2015 Städtische Sparkasse zu Schwelm  Foto: (c) Linde Arndt

Sieger Sommer-Starpac 2015 Städtische Sparkasse zu Schwelm Foto: (c) Linde Arndt

[la] Das Sommer-Gewinnspiel “starpac” der Städtischen Sparkasse zu Schwelm hatte seine Gewinner ermittelt und so trafen sich die Glücklichen in den Räumen der Sparkasse um ihren Preis in Empfang zu nehmen. Drei Damen (s. Liste – kursive Schrift) werden ihren Preis, da sie zu diesem Treffpunkt nicht anwesend sein konnten, später in Empfang nehmen.

Vorstandsmitglied  Michael Lindermann ließ es sich nicht nehmen, den Gewinnern persönlich zu gratulieren während Anne Peter die Preise überreichte. Ebenso erhielt das Geschwisterkind von Emilia Stuhl, die kleine Malva,  von Michael Lindermann einen Trostpreis überreicht.
[nggallery id=610]

 


 

Platz PREIS ANREDE VORNAME NAME ALTER
1. Preis 2 Freikarten Phantasialand   Herrn Stephan Jennemann 47
2. Preis 2 Freikarten Phantasialand   Frau Lina Jäger 18
3. Preis Grillbesteck im Alukoffer Frau Angelika Stiens 66
4. Preis „Gut“-Toaster Frau Susanne Fischer 45
5. Preis Sporttasche mit Strandlaken Frau Güven Hülya 47
6. bis 10. Preis Sportrucksack Herrn Elia Friedhoff 12
Sportrucksack Frau Emilia Stuhl 11
Sportrucksack Frau Petra Drein 47
Sportrucksack Frau Liane Woeste 53
Sportrucksack Frau Margarete Wessel 74

Linde Arndt für EN-Mosaik aus Schwelm

 

Im Sinne unseres vorstehend genannten Artikels  haben  Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf [Circus Halligalli]  einen Apell gegen Fremdenhass gestartet. Sie machen den Mund auf und bringen es auf den Punkt.

 

v.l. Kuratorin Kerstin Wahala, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Gevelsberg Thomas Biermann,  Christiane Wisniewski von der Grafikstiftung Neo Rauch und Bürgermeister Claus Jacobi  Foto: (c) Linde Arndt

v.l. Kuratorin Kerstin Wahala, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Gevelsberg Thomas Biermann, Christiane Wisniewski von der Grafikstiftung Neo Rauch und Bürgermeister Claus Jacobi Foto: (c) Linde Arndt

 

[jpg] Ein Professor der weltberühmten Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) kommt zur Ausstellung nach Gevelsberg. Professor Neo Rauch, ein Schüler von Arno Rink, Mitbegründer und Wegbereiter der „Leiziger Schule“, wird mit seinen Meisterschülern eine Ausstellung in der Stadtsparkasse Gevelsberg und damit einen neuen kulturellen Akzent in Gevelsberg setzen.

2009 gab Rauch aus Verantwortungsgefühl sein Professorenamt an der HGB auf. Er konnte die Doppelbelastung, hier seine Malerei und dort seine Klasse, nicht mehr aushalten.  Allerdings wollte er seine Meisterschüler nicht im Regen stehen lassen und nahm diese kurzerhand mit.

Neo Rauch ist ein Künstler der, wie übrigens Arno Rink auch, nur seine Kunst sieht und sich dem ideellen politischen Leben immer entzogen hatte. Ziemlich schnell wurden die Künstler aus der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Leipzig, die immerhin seit dem 18. Jahrhundert einen einmaligen Weltruf genießt, nach der „Wende“ zu absoluten Stars in der Kunstszene. Sie hatten schnell den sozialistischen Realismus überwunden und, aufbauend auf die 1977 während der Documenta 6 gezeigten „Leipziger Schule“ einen neuen Stil entwickelt. Rauch gehört zu den absoluten „Malerstars“ in Deutschland und der Welt. Wer schafft es schon lebend eine Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York zu bestücken? Seine Bilder erzielen inzwischen Millionenumsätze. Zu seinen Werks- und Verkaufsausstellungen in Leipzig fanden sich tausende kunstinteressierte Menschen ein, die seine Bilder wie im Rausch kauften. Übrigens gibt es interessanterweise parallel eine Werkschau von Arno Rink in der Kunsthalle Rostock.

In Gevelsberg wird allerdings nur ein Exponat, Titel: Grund, des Grafikers und Malers zu bewundern sein, überwiegend werden seine Meisterschüler ihre Exponate zur Ausstellung bringen.

Pressekonferenz in der Stadtsparkasse Gevelsberg zur Ausstellung GRUND  Foto: (c) Linde Arndt

Pressekonferenz in der Stadtsparkasse Gevelsberg zur Ausstellung GRUND Foto: (c) Linde Arndt

Kuratiert wird die Austellung von Kerstin Wahala von der Galerie Eigen+Art, Leipzig, die auch der grafischen Stiftung Neo Rauchs vorsteht. Christiane Wisniewski, Leiterin der Grafikstiftung Neo Rauch hat ein pädagogisches Rahmenkonzept für die Gevelsberger Gymnasiasten erarbeitet, welches sie mit der Gevelsberger „Mal-Du-Mal“ Schule umsetzen möchte. Zum Schluß sollen die SchülerInnen Aschersleben (Salzlandkreis), den Heimatort von Neo Rauch besuchen, um  mit den dortigen Schülern einen kreativen Kunst-Dialog zu führen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Ascherslebener Oberbürgermeister Andreas Michelmann auf der Vernissage anwesend sein wird.

Im Grunde ist diese Ausstellung für Gevelsberg ein absolutes Highlight, welches man eher in den großen Museen unseres Landes erwarten würde. Auch die künstlerische Qualität der Exponate inspirieren außerordentlich.

 

Ausstellungsthema : Grund

 

Vernissage, am Sonntag, 30.August 2015, 11:30 Uhr

in der Stadtsparkasse Gevelsberg, EnnepeFinanzCenter

 

ausstellende KünstlerInnen: Neo Rauch,Titus Schade, Kristina Schuldt und Mirjam Völker

 

Kuratiert wurde die Ausstellung von Kerstin Wahala, Vorstandsvorsitzende der Grafikstiftung Neo Rauch, Aschersleben.

 

Die Ausstellung wird vom 31.August 2015 bis 3.Oktober 2015

Montag bis Donnerstag von 8:30 bis 18:00 Uhr

Freitag von 8:30 bis 15:00 Uhr

 

und außerdem an den Tagen

am Samstag, dem 5. September, von 10 bis 15 Uhr;

am Sonntag, dem 27. September, von 12 bis 17 Uhr;

am Samstag, dem 3. Oktober, von 12 bis 14 Uhr.

zu besichtigen sein.

 

Der Eintritt ist kostenfrei

 

Vormerken: Am Freitag, dem 2. Oktober 2015 um 18:00 Uhr wird es ein Künstlergespräch im Gevelsberger Ratssaal mit den drei Meisterschülern Titus Schade, Kristina Schuldt und Mirjam Völker unter der Leitung von Elke Hannemann, Galerie EIGEN+ART, Leipzig geben

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Gevelsberg

 

 

[Schwelm]

Schwelm Heimatfest: Umleitungen der Linien vom 01.09 bis 09.09 SB37/550/556/566/568/586/608

Am ersten Septemberwochenende findet in Schwelm das traditionelle Heimatfest statt. Aus diesem Grund können in der Zeit von Dienstag, den 1. September (8Uhr), bis Mittwoch, den 9. September 2015 (15 Uhr), die Hauptstraße und Wilhelmstraße von den o.g. Buslinien nicht befahren werden. Alle Busse werden über die Kaiserstraße sowie die Mittelstraße umgeleitet. Die Haltestellen “Möllenkotten” (außer Linie 566 und 586), “Kreishaus” und “Wilhelmstraße” entfallen. Stattdessen werden an der Schule Kaiserstraße und im Kreuzungsbereich Kaiserstraße/Mittelstraße Ersatzhaltestellen eingerichtet.

Umleitungen während des Heimatfestzuges am 6. September

Während des Heimatfestzuges am Sonntag, den 06. September 2015, kommt es in der Zeit von ca. 11.30 Uhr bis ca. 17.30 Uhr zu folgenden Einschränkungen im Linienverkehr:

Linie SB37 Richtung Bochum: Alle Fahrten werden über die Nordstraße und Märkische Straße zum Schwelmer Bahnhof geführt. Als Ersatz wird zusätzlich der Haltepunkt „Nordstraße“ angefahren.

Linie SB37 Richtung Ennepetal: Die Umleitung ab Schwelm Bahnhof erfolgt über die Märkische Straße, Prinzenstraße und Berliner Straße (B7). Als Ersatz wird die Haltestelle „Brunnen“ zusätzlich bedient.

Linie 550 Richtung Ennepetal: Die Umleitung ab Schwelm Bahnhof erfolgt über die Märkische Straße, Prinzenstraße und Berliner Straße (B7).

Linie 550 Richtung Schwelm Bf.: Die Linie wird über die Nordstraße und Märkische Straße zum Schwelmer Bahnhof geführt.

Linie 556 / 557 / 568: Alle Fahrten beginnen und enden am Schwelmer Bahnhof. Die Streckenabschnitte Bahnhof Blücherstraße und Bahnhof Schwelm Winterberg/Realschule können nicht bedient wer-den.

Linie 608 Richtung Wuppertal: Die Linie wird über die Nordstraße und Märkische Straße zum Schwelmer Bahnhof geführt. Die Weiterfahrt in Richtung Wuppertal Dieselstraße Schleife erfolgt über die Talstraße (B7) sowie die Dieselstraße.

Linie 608 Richtung Ennepetal: Die Linie wird ab Wuppertal Dieselstraße Schleife über die Dieselstraße und die Talstraße (B7) zum Schwelmer Bahnhof geführt. Die Umleitung in Richtung Ennepetal erfolgt über die Märkische Straße, Prinzenstraße und Berliner Straße (B7) zur Haltestelle „Brunnen“.

[LA] …. mitverantwortlich für das, was in meiner Stadt passiert. Wem ich das Vertrauen schenke, die Geschicke für die Entwicklung und Zukunft von Ennepetal in positive Bahnen zu lenken.
Ich wähle, weil ich im Ernstfall denjenigen einmal zur Verantwortung ziehen möchte, der entgegen seiner Versprechen und dem Wohle der Bürger in dieser, unserer Stadt gehandelt hat. Denn der Bürger ist nicht nur Stimmvieh, sondern hat in konzentrierter Form eine immense Macht, die von Niemandem unterschätzt werden sollte. Hierbei denke ich auch an Partizipation.
Ich wähle aber auch in der Hoffnung, der richtigen, verlässlichen Person mit meiner Stimme zum Amt verholfen zu haben, in der Erwartung, dass sich durch sie in Ennepetal endlich etwas verändert und diese, unsere Stadt zu einer neuen Form und Akzeptanz auch über die Stadtgrenze hinaus gereicht.

Nichts ändern wird sich nur, wenn wir es apathisch so hinnehmen, wie es eben ist und nicht zur Wahl gehen. Nicht eine Person ist für uns verantwortlich, sondern wir alle auch für diese Person.
Also sollte der 13. September für uns ein Tag sein, wo wir mit Überzeugung uns nicht hinter Unabwegbarkeiten verstecken sondern unser Kreuz machen, wo immer wir es mit Herz und Verstand für richtig erachten.

Man muss uns nicht überzeugen, sondern w i r müssen uns selbst von dem Menschen überzeugen und selbst feststellen welche Fähigkeiten er aufweist um die richtige Frau am richtigen Ort zu sein

Es gibt nur diese Chance. Wer sie versäumt schweige für immer.

Linde Arndt in und für Ennepetal

 Hinten von links nach rechts : Monika Betz, Renate Neubauer, Regina Klute, Brunhilde Krieger, Elisabeth Kuczka, Sigrid Stichling Vorne von links nach rechts : Hanna Sondergeld, Udo Tiltmann und Silvia Straube Holbach Foto: (c) Anja Thiel

Hinten von links nach rechts : Monika Betz, Renate Neubauer, Regina Klute, Brunhilde Krieger, Elisabeth Kuczka, Sigrid Stichling
Vorne von links nach rechts : Hanna Sondergeld, Udo Tiltmann und Silvia Straube Holbach
Foto: (c) Anja Thiel

 

[Schwelm] Die Malgruppe des Projekts „ Kunst für Senioren“& Silvia Straube Holbach stellen vom 04.09.2015 -04.02.2016 neue Arbeiten aus.

 

Mittelpunkt dieser Ausstellung ist, neben den Einzelarbeiten der zehn Seniorenkünstler, das Gemeinschaftskunstwerk „ Schloss Martfeld“ im Großformat im Foyer.

Die Malgruppe widmet sich immer wieder gemeinschaftlichen Arbeiten. So wurden in dem von der Seniorenresidenz zur Verfügung gestellten Kunstraum bereits die „ Symbole der Nachbarschaften“, sowie die „ Schwelmer Ansichten“ auf Leinwand gebannt.

Das Projekt „ Kunst für Senioren“, unter der Leitung der Schwelmer Künstlerin Silvia Straube Holbach, wird seit sieben Jahren von Herrn Wilhelm Erfurt ideell und finanziell unterstützt und präsentiert jedes Jahr neue farbenfrohe Bilder. Kleine Kunstwerke, die Hoffnung machen auf Lebensfreude und Kreativität im Alter, sind von Monika Betz, Erna Büchele, Hermann Janzon, Brunhilde Krieger, Elisabeth Kuczka, Regina Klute, Renate Neubauer, Hanna Sondergeld und Sigrid Stichling im Foyer und im Rondell der zweiten Etage der Seniorenresidenz Curanum am Ochsenkamp zu bewundern. Die Arbeiten zeigen die Vielfalt der Sichtweisen und Interessen, sowohl hinsichtlich der Techniken mit Zeichnungen, Aquarell-, Acryl- und Mischtechnikbildern, als auch in der Wahl der Motive. Frau Straube Holbach ist, bis zum Ende der Ausstellung am 04.02.2016, ebenso mit zwei abstrakten Landschaften vertreten.

 

Ausstellungsdauer : 04.09.2015-04.02.2016

Ausstellungsort : Curanum Seniorenresidenz am Ochsenkamp

Foyer und Rondell 2. Etage

Am Ochsenkamp 60

58332 Schwelm

Foto wurde vom Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt.

Foto wurde vom Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt.


Heute um 18.30 Uhr hält Petra Backhoff vom Kinderschutzbund in der Stadtbücherei einen Vortrag über das Patenprojekt für Flüchtlinge des Kinderschutzbundes. Jedefrau / jedermann, die / der schon immer gerne einmal mehr zu diesem Projekt erfahren wollte, ist herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Syrische Flüchtlingsfrauen kämpfen ums Überleben . . [Syrian refugee women fight for survival as they head families alone] Foto: © UNHCR / A.McConnell /'Mit Klick auf das Bild kommen Sie zur Seite der UNHCR

Syrische Flüchtlingsfrauen kämpfen ums Überleben . . [Syrian refugee women fight for survival as they head families alone] Foto: © UNHCR / A.McConnell / Mit Klick auf das Bild kommen Sie zur Seite der UNHCR

[jpg] In meinem näheren und weiterem sozialen Umfeld gibt es eine Grundeinigkeit: Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus oder Nazionalsozialismus wird  konsequent abgelehnt. Den humanistischen Zielen sehen wir uns verpflichtet, indem  der Mensch in seiner Würde, den durch Bestialität, Grausamkeit oder Destruktivität ausgesetzten Menschen zur Hilfe verpflichtet ist. Und das ohne wenn und aber. So weit der theoretische Hintergrund, wonach man einen Menschen, Mensch nennen könnte.
Nun haben wir Deutschen in einem Europa eine vorrangige Stellung. Wir haben durch die beiden von uns angefangenen Weltkriege mit Abermillionen Toten, nie dagewesenen Zerstörungen und großem Leid, eine schwere Schuld auf uns geladen. Diese schwere Schuld, wandelte sich im Laufe der Jahre zu einer Verpflichtung, nämlich, als erste aufzustehen um gegen Unrecht vorzugehen. Dies ist uns nicht immer gelungen, doch dieser Verpflichtung können und sollten wir uns nicht entziehen, indem wir auf andere und deren Verantwortung verweisen.

In den letzten Jahren haben wir uns immer mehr von diesem Leitbild entfernt, zunehmend lassen wir unserer Arroganz freien Raum. In diesem Fall kann man ruhig die Griechenlandkrise als negatives Beispiel für beispiellose deutsche Überheblichkeit zitieren. In den Kommentarspalten unserer Leitmedien und in den sozialen Medien tummelten sich vermehrt Menschen, die die Begriffe „faul“ oder gar „Schmarotzer“ im Zusammenhang mit dem griechischen Volk benutzten. Klischees und Stereotype werden benutzt, die man in einem „Haus Europa“  nie mehr hören zu müssen dachte. Der chauvinistische Deutsche erfuhr in den letzten 5 Jahren seine Wiedergeburt, Bescheidenheit und Demut waren gestern.
Parallel entwickelte sich in der Welt eine ungeahnte Flüchtlingskatastrophe mit fast 60 Millionen Menschen auf der Flucht.  Auf der Flucht vor Umweltkatastrophen oder Kriegen die in ihrer Intensität und Grausamkeit sicher jeden Menschen sprachlos machen könnten. Mit den Kriegen kommen und kamen Waffen zum Einsatz, die eine Kleinstadt von 30.000 Einwohnern innerhalb einer Stunde dem Erdboden gleich macht. Niemand kann danach in solch einer Stadt wohnen. Wer überlebt hat, macht sich auf den Weg. Wohin? Am Anfang weiß es niemand. Erst in den Gesprächen werden Ziele genannt. In der Regel ist es der Norden der betroffenen Länder. Und im weiteren Verlauf Deutschland, Schweden, Frankreich oder Großbritannien, weil dort nähere oder weitere Verwandte leben. In der Zwischenzeit gibt es 6 Routen auf denen die Flüchtlinge versuchen ihr Ziel zu erreichen. Es sind kräftezehrende und lebensgefährlich Routen, die die Flüchtlinge auf sich nehmen. Mit dem Ziel, einmal ruhig zu schlafen, mit einem Dach über dem Kopf und ein gewisses Gefühl der Sicherheit.

Zwischenbemerkung: Ich will hier nicht das Mitleid der Deutschen erregen um Flüchtlinge anders zu behandeln oder aufzunehmen. Nein, ich will an den Mut und die Kraft eines deutschen Volkes appellieren sich seiner Verantwortung zu stellen und nicht wieder weg zu sehen. Die Nazis haben genauso angefangen, wobei die damaligen verantwortlichen Politiker sich immer wieder auf Tauchstation befanden. Und wenn sie was sagten, alles relativierten. Am Ende standen die Gaskammern.

Nun haben wir in den letzten Tagen und Wochen die brennenden Häuser und wieder die Jagd auf Flüchtlinge in Deutschland gesehen. Steine und Feuerwerkskörper flogen, mit Baseballschläger bewaffnete Neonazis zogen durch die Straßen. Das zaghafte Eingreifen der Polizei oder die lange vermissten und unzureichenden Stellungnahmen unserer verantwortlichen Politiker, so wie viele Bemerkungen unserer Verantwortlichen, wie das streichen von Taschengeld durch die Behörden, die sofortige Abschiebung in ihre Heimatländer oder die Betonung auf die sicheren Herkunftsländer, ermutigten die Nazi Terroristen. Denn Terroristen spüren, ja, sie riechen die Unsicherheit der Verantwortlichen. Klares und sicheres Auftreten lässt sie verstummen. Was nützt es wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel den Terror Heidenau zwar kritisiert, gleichzeitig aber die mitlaufenden Familien mit Kindern zu Mitschuldigen erklärt. Hat sie mit ihrem tagelangen Schweigen nicht die größere Schuld auf sich geladen? Wenn wir schon von Schuld sprechen.

Flüchtlinge

Rettung von 361 Migranten – ©MOAS.EU/Jason Florio – all rights reserved Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zu den Seiten der MOAS.EU

Diese Menschen wurden sogar pauschal als Wirtschaftsflüchtlinge hin gestellt, die an unser deutsches Portemonnaie wollen. Italiener oder Griechen, die über mit der Menge der ankommenden Flüchtlinge administrativ total überfordert sind, wurden nieder gemacht, weil sie die Regeln von Dublin III nicht einhielten. Solidarität durch Brüssel erfuhren die beiden Länder nicht, obwohl Europa als Solidargemeinschaft ausgelegt wird.
Brüssel ließ die Mittelmeerländer einfach im Stich. Matteo Renzi der italienische Ministerpräsident, fand dieses Europa als nicht sein Europa. Die Frontex Schiffe der EU sichern nur die Grenzen im Mittelmeer, den Ertrinkenden rufen sie mit Lautsprechern zu, sie sollten doch wieder in ihre Heimatländer zurück schwimmen. Inzwischen haben sich viele private Schiffe mit der Seenotrettung der Flüchtlinge beschäftigt. In Zusammenarbeit mit der italienischen Küstenwache werden die in Seenot geratenen gerettet – allerdings nicht alle. Die EU kennt Seenotrettung offensichtlich nicht.

Am 7/8Februar 2013  übergab die Bürgermeisterin von Lampedusa der EU in Brüssel folgenden Brief:

Brief der Bürgermeisterin von Lampedusa:
»Ich bin die neue Bürgermeisterin von Lampedusa. Ich wurde im Mai 2012 gewählt, und bis zum 3. November wurden mir bereits 21 Leichen von Menschen übergeben, die ertrunken sind, weil sie versuchten, Lampedusa zu erreichen.
Das ist für mich unerträglich und für unsere Insel ein großer Schmerz. Wir mussten andere Bürgermeister der Provinz um Hilfe bitten, um die letzten elf Leichen würdevoll zu bestatten. Wir hatten keine Gräber mehr zur Verfügung. Wir werden neue schaffen, aber jetzt frage ich: Wie groß muss der Friedhof auf meiner Insel noch werden? Ich bin über die Gleichgültigkeit entrüstet, die alle angesteckt zu haben scheint; mich regt das Schweigen von Europa auf, das gerade den Friedensnobelpreis erhalten hat, und nichts sagt, obwohl es hier ein Massaker gibt, bei dem Menschen sterben, als sei es ein Krieg.
Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die europäische Einwanderungspolitik diese Menschenopfer in Kauf nimmt, um die Migrationsflüsse einzudämmen. Vielleicht betrachtet sie sie sogar als Abschreckung. Aber wenn für diese Menschen die Reise auf den Kähnen den letzten Funken Hoffnung bedeutet, dann meine ich, dass ihr Tod für Europa eine Schande ist.
Wenn Europa aber so tut, als seien dies nur unsere Toten, dann möchte ich für jeden Ertrunkenen, der mir übergeben wird, ein offizielles Beileidstelegramm erhalten. So als hätte er eine weiße Haut, als sei es unser Sohn, der in den Ferien ertrunken ist.
Gezeichnet: Giusi Nicolini.«

In einer Pressekonferenz konnte Frau Nicolini ihre Tränen kaum unterdrücken. Später setzte sich Kommissionspräsident Barroso in den Flieger, besuchte Lampedusa und drückte sein Bedauern aus. Das war es. Die EU verhandelte gerade über den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der war sicher wichtiger.

Rostock-Lichtenhagen über Solingen und jetzt Heidenau, Eckpunkte für eine deutsche Tradition des Unbehagens. Und diese Tradition wird als die  chauvinistische deutsche Fratze international wahr genommen.

Es sind Millionen Flüchtlinge auf dem Weg zu uns (auch Deutschland). Seit Jahren war das den Politikern in Brüssel und Berlin bekannt. Nichts wurde getan. Im Gegenteil, die Ursachen wurden durch den Westen noch weiter angeheizt. Jetzt sind die Flüchtlinge da und was tun die verantwortlichen Politiker?

Es wird von Verteilung gesprochen, Taschengeldentzug, Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlingen, Regeln die Italien oder Griechenland dazu „verdammen“ die Flüchtlinge gefälligst bei sich zu behalten, vom Mauerbau, von Grenzschließung, kurz es ist eine Kakophonie der Orientierungslosigkeit in Deutschland und Brüssel zu hören. Finanziell ist dieses Flüchtlingsproblem leicht zu lösen, nur dieses mentale Problem, sei es geistiger oder körperlicher Natur, bekommen unsere politischen Entscheider nicht in den  Griff. Das kommt den Neonazis gerade recht, die doch hier argumentativ aufsetzen können. Können sie doch nun als Retter der deutschen Nation auftreten, die die Schwäche der Politiker erkennen. Weimarer Republik 2.0.
Und die Flüchtlinge? Die dürfen weiter ertrinken, ersticken oder verdursten. Die leben teilweise auf der Straße ohne Nahrung, ohne Wasser. Babys haben keine Nahrung mehr, Mütter geben keine Milch mehr, sind dehydriert. Kinder irren durch die europäischen Straßen und Plätze, ihrer Eltern beraubt und versuchen sich an Abfalleimern um Nahrung zu bekommen.
Was ist das nur für eine Wertegemeinschaft, die die EU und damit Deutschland anderen Staaten immer wieder unter die undemokratische Nase reibt?

v.l. Angela Merkel, Donald Tusk, Jean-Claude Juncker, Martin Schulz Fotos: © Linde Arndt ganz links Ausschnitt Flüchtlingsfoto © UNHCR /J. Prickett

v.l. Angela Merkel, Donald Tusk, Jean-Claude Juncker, Martin Schulz Fotos: © Linde Arndt
ganz links Ausschnitt Flüchtlingsfoto © UNHCR /J. Prickett

Kommissionspräsident Junker, Ratspräsident Tusk oder Parlamentspräsident Schulz aus Brüssel, die immer so gesprächig sind, sind seit Wochen auf Tauchstation und sehr schweigsam. Sondergipfel, Angesichts dieses Elendes in der EU, Fehlanzeige. Haushaltszuweisung der EU um eine erste Hilfe für die Flüchtlinge zu organisieren, zumindest medizinisch oder mit Nahrungsmitteln, Fehlanzeige. Selbst das Flüchtlingshilfswerk der UNO greift nicht ein um die entstandene Not zu lindern. Warum auch? Ist doch Europa die reichste Wirtschaftsmacht auf unserem Planeten.

Nochmal zu den europäischen Werten auf die sich die EU gründet. Artikel 2 des Vertrages über die europäische Union besagt:

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet. „

Was ist denn jetzt daran nicht zu verstehen?

Wenn die verantwortlichen Politiker sich nicht endlich besinnen und ohne Wenn und Aber die von ihnen Tag für Tag propagierten Werte gegen die Wiedergeburt  der chauvinistischen deutschen Fratze verteidigen, werden wir sicher als erstes diese Werte wie ehedem auf einem Scheiterhaufen verbrennen können. Und das ist ein widerwärtiges Szenario.

Ein Tipp Frau Merkel, Herr Maas und Herr de Maizière: Was die Nazis nicht mögen ist klare Ansage und klares Handeln. Nimmt jemand einen Stein in die Hand, schon wird die Straße geräumt.
Es ist schon genug Unheil angerichtet worden, jetzt ist es genug.

 

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik und european-mosaic