[jpg] Wenn ich die letzten Tage und das Erlebte in Erinnerung rufe, so muss ich sagen, Ennepetal freut sich auf den demografischen Wandel, wenn in 15 Jahren die Stadt nur noch rund 24.000 Einwohner hat und man eben halt mehr Platz hat. Wenn die pro Kopf Kosten dann um ein Vielfaches steigen und die Schlüsselzuweisungen aus Umsatz- und Einkommensteuer so dann zurückgehen. Die Sehnsucht nach der Bedeutungslosigkeit einer Stadt oder Stadt der Alten und Gebrechlichen, so kann man es an den vielen Bemerkungen festmachen.

Da findet der runde Tisch zum Tourismus unter Herrn Wiggenhagen statt, einem Mann der Bürgermeister sein will und  einfach dieses Amt nicht antreten will. Klar, er hat die Wahl gewonnen, ist vereidigt worden, aber er will dieses Amt nicht von der Person und der Sache trennen. Unbedingte Gefolgschaft erwartet er von allen aus seinem Umfeld, Loyalität gegenüber seiner Person aber nicht gegenüber dem Amt.

Da wird ein pseudowissenschaftlicher Vortrag über den Tourismus durch den persönlichen Referenten Herrn Palomba gehalten. Die Notwendigkeit des Tourismus wird an dem demografischen Wandel festgemacht. Wobei die Frage im Hintergrund steht, weiß dieser Mann überhaupt was dieser demografische Wandel bedeutet? Und was Bitte hat der demografische Wandel mit der Etablierung des Bereiches Tourismus in Ennepetal zu tun?
Es wird Herrn Palombas  Geheimnis bleiben. Nur mal ein Stichwort nebenbei, Tourismus gehört zum Dienstleistungsbereich und ist personalintensiv.

Und weiter, da werden auf einer Folie mal kurz 26 gastronomische Betriebe aufgelistet. Bei näherem Hinsehen werden Imbissstuben zu Restaurants erklärt. Herr Wiggenhagen freut sich über das für ihn große Interesse der Ennepetaler, verschweigt aber, dass er die Anwesenden alle persönlich angeschrieben und angesprochen hat. Hätte er zu diesem Runden Tisch nur über die Printmedien und die städtische Internetseite eingeladen, wären wahrscheinlich nur  2-3 Leute gekommen. Die Inszenierung Bahnhof Ennepetal/Gevelsberg ist ja für den Bürgermeister gut gelaufen, der Bahnhof ist aus seinem Verantwortungsbereich. Gut so.

Und dann der runde Tisch selber.

Eine Ist-Aufnahme, was bei einem wissen- schaftlichen Anspruch unabdingbar wäre, fehlte zur Gänze. Da geht man doch direkt in den Bereich des Wunschdenkens über.

Da wurde ein umfangreiches Wanderwegenetz besprochen, die einen sprechen von 55 km und andere von 120 km. Tatsächlich sind die meisten Wanderwege seit Jahren nicht mehr gepflegt worden, ja teilweise nur unter Gefahr begehbar.

 

Ein Wanderplan mit verschiedenen Strecken fehlt gänzlich. Ludger Brinkmann (CDU) bietet sein Gut Brabant als Haltepunkt, Franz-Josef Brinkmann bietet gar ganz Voerde als Stadtteil mit netten kleinen Geschäften für alle Tages- und Wochenendgäste an. Man versteigt sich gar, ganze Busladungen nach Ennepetal umzuleiten. Und übrigens würden alle Niederländer an Ennepetal vorbeimüssen, wenn sie auf den Weg ins Sauerland wären, die könnte man doch alle an der Autobahn umleiten. Da wurde aber einem Teilnehmer ganz mulmig, der kurz einwarf, man solle nicht zu viel Gäste in Ennepetal reinlassen, dass würde aber der schönen Ennepetaler Natur schaden.

Scheint denn ganz Ennepetal, zumindest die an solchen Aktionen mitwirken, an Realitätsverlusten zu leiden?

Als Ennepetal gegründet wurde planten die ersten Bürgermeister Textor und Sondermann schon den Tourismus zu etablieren, viele Schritte wurden damals gegangen, aber nie wurden Gesamtkonzepte erstellt und umgesetzt.

Später wurde immer mal wieder der Gedanke des Tourismus aufgenommen aber auch niemals umgesetzt. Was fehlte, ein schlüssiges Gesamtkonzept. Auch diesmal wieder, kein Konzept, nur viele evtl. Einzelmaßnahmen, die aber nicht zu einem gelungen Ganzen taugen. Dann sieht man immer wieder, dass bestimmte schon vorhandene missliebige Institutionen ausgegrenzt werden, ja sogar ignoriert werden.

Der Verkehrsverein, dessen Vorsitzende Anita Schöneberg anwesend war, wurde mit keiner Silbe erwähnt. Dabei ist es doch gerade der Verkehrsverein, der in den Vorjahren erhebliche ehrenamtliche Anstrengungen geleistet hat, die für eine touristische Infrastruktur als Baustein genutzt werden könnten. Da ist die Musikmuschel, die jetzt gerade ihr 25jähriges feierte, da ist der Nordic Walking Kurs der von den Mitglieder erstellt wurde und nicht zu vergessen die Konzerte die im Hülsenbecker Tal ausgerichtet wurden und werden. Nur weil Herr Wiggenhagen seine Privatfehde mit Frau Schöneberg austragen muss, darf der Bürgermeister Wiggenhagen den Verkehrsverein nicht erwähnen? Nur weil Frau Schöneberg ihrer Rolle als oppositionellen Ratsfrau nachkommt, soll sie ignoriert werden? Man kann hier nur den Kopf schütteln. Ein Bürgermeisteramt erfordert Souveränität und auch Integrität und diese beiden Faktoren tolerieren Opposition, ja erfordern sie gar.

Um es einmal klar und deutlich zu sagen, es fehlt die komplette Infrastruktur für den Wirtschaftsfaktor Tourismus. Es bedarf hier eines kompletten Neuanfanges. Sicher, man kann einzelne Bausteine erfassen, aber nur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes. Als Anknüpfungspunkt den Teckel zu nehmen, ist gelinde gesagt eine Farce. Es kommen zwar Menschen nach Milspe, nur wo sind die gastronomischen Anknüpfungspunkte, Manus hat überwiegend geschlossen. Und man sollte sich hüten Besucher zu gängeln, dieser Schuss geht nach hinten los.

Und dann das so genannte Frühlingsfest "Inne Milspe". Um es kurz zu machen, es war lächerlich und mehr als peinlich, wenn es nicht Gottseidank nur in Milspe geblieben wäre.

Da auf die miserable Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ennepetal Verlass ist, fand auch kein Ortsfremder hierhin. Die Milsper hat es zumindest gefreut, kam man doch wieder einmal zu einem Trätschken "Inne Milspe".

Nur mit diesem Event kann man weiß Gott keine Fremden zum Bleiben animieren. Von den Einzelhändlern in Milspe hatte man gerade Herrn Filici, Deppe Moden und Confiserie Kartenberg gesichtet. Die sich bei Schmuddelwetter redlich mühten, gute Miene zu machen. Da konnten auch die Blumeninseln der ansässigen Landschaftsgärtner nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Fest ein totaler Reinfall war. Als Besucher konnte man die üblichen älteren Herrschaften, die sowieso sich immer "inne Milspe" treffen, sehen. Wesentliche Umsätze wurden sichtbar nicht generiert. Die Landschaftsgärtner haben sicher gute Arbeit gemacht, jedoch fehlten die notwendigen Besucher, so dass dieser Auftritt einen werblichen Effekt herbei geführte hätte. Ach übrigens, am nächsten Tag machte "Inne Milspe" ein neues Geschäft auf, ausgeflippte Mode für junge oder junggebliebene Menschen. Wo war denn da die Wirtschaftsförderung? Kommunikation ist eben auch keine Stärke von Ennepetal.

Auch hier seit Monaten kein Gesamtkonzept, es wird gewurschtelt, mehr nach Zuruf  aber nicht geplant und darüber hinaus keine auswärtigen potenziellen Käufer angesprochen. Wie denn auch, bei dem Angebot?

Was bleibt?  Es fehlt das Wissen wie man eine richtige Analyse, ein richtiges Konzept erstellt und umsetzt.

Und was noch viel schlimmer ist, es fehlt eine kompetente Führung der es ein Anliegen ist für die Stadt etwas zu tun. Und jetzt kommen wir zum Ehrgeiz, der ja im hohen Alter erlahmen soll, man merkt es an den Verantwortlichen dass sie dieses Alter erreicht haben. Die Zellteilung hat eben schon länger aufgehört. Allesamt leben sie schon den demografischen Faktor mit ihren Handlungen.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 [ jpg] Auf 10 Jahre Gitarrenfestival kann Gevelsberg jetzt zurückblicken, so Bürgermeister Claus Jacobi. Heute sind 40 Gäste aus 40 Ländern in Gevelsberg zu Gast, der WDR war da und in der nächsten Woche haben sich noch andere Sender angesagt.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die vor 10 Jahren mit der Idee von Frau Dagmar Tewes – Leiterin der Musikschule Gevelsberg – und Herrn Professor Hubert Käppel umgesetzt wurde. Genauso wie der Gedanke des Kulturhauptstadtjahres 2010, kurz Ruhr2010, wurde etwas ins Leben gerufen, was weit in die Region und darüber hinaus ausstrahlt. Nicht ohne Stolz sagte dies der Bürgermeister.

          

Nach seiner Begrüßung und Ansprache ergriff Marc Oliver Hänig –  „Ruhr.2010”-Pressesprecher – in Vertretung von Herrn Fritz Pleitgen, das Wort und zitierte zur Eröffnung der "Local-Heroes-Woche"  aus der Süddeutschen Zeitung vom 26.3.2010, in welcher Martin Kuhna darauf hinwies, dass nicht nur die großen Städte das Kulturhauptstadtjahr beleben, vielmehr sind es die kleinen und mittleren Städte am Rande und mittendrin, die lokalen Helden, die Woche für Woche wechselnd, ein gewisses Flair von Vielfalt der Region vermitteln.

So wurde die !Sing Säule jetzt hier in Gevelsberg übergeben welche das Band aller Städte, ob groß oder klein, erweitert. Gevelsberg hat sich als bodenständig und gradlinig in dem Local Hero Prospekt bezeichnet, und eben dies ist es was den Ruhrgebietsethos ausmacht.

Professor Hubert Käppel, der  künstlerische Leiter des Gitarrenfestivals, brachte die Besucher mit einer kleinen Zwischenbemerkung zum Jubeln, indem er das Ergebnis des Fußballspiels Leverkusen-Schalke durchgab, die Königsblauen führten 2:0.

Dann betonte er, dass die vor 10 Jahren aufgetretenen Künstler heute Künstler von internationalem Rang sind. Was sie nicht daran hindert wieder hier in Gevelsberg in der Erlöserkirche aufzutreten.

   

Und dann ging es  schon los. Das Joscho Stephan Quartett trat auf. Es war wie die Reinkarnation eines Django Reinhardt, nur besser, reifer, aber auch virtuoser. Da war kein Halten mehr, das Publikum ging voll mit, der Gypsy Swing, ein Stil, der rhythmisch-treibende Kraft und Geradlinigkeit mit eleganter Melodik vereint, hatte alle in seinen Bann gezogen. Ob es nun Günter Stephan an der Rhytmusgitarre, Max Schaaf am Bass, der auch mit Solis brillierte, Sebastian Reimann mit seiner Violine und Bratsche, der die Melodien und Improvisationen übernahm und zu guter letzt Josho Stephan mit seiner Gitarre.

Josho Stephan der keine technischen Grenzen zu kennen scheint erntete nur Staunen und absolute Begeisterung. Stephan beherrschte das Sweeping oder das Tremolo Picking aus dem ff. Die Läufe waren atemberaubend und überwältigend. Das war Gypsy Swing in Reinform, wobei die Akustik der Erlöserkirche dies noch unterstützte. Da wiegten und nickte die Köpfe, die Füße der Besucher klopften mit dem Rhythmus.

Jedes Stück wurde mit tosendem Beifall belohnt. Das Publikum trug das Quartett zu einer Spielfreude und Lockerheit, so dass Joscho  meinte, er habe noch ein Stück auf der Autobahn für Gevelsberg komponiert. Sprach´s und legte los.

Ob es nun Besame Mucho, wie es Oscar Marcelo Alemán und später Django Reinhardt gespielt haben oder Sweet Georgia Brown um nur zwei Titel zu nennen, sie gingen ins Blut und erzeugten ein euphorisches Gefühl.

Während der nun folgenden Pause erfuhr ich, dass die Erlöserkirche total ausverkauft war und noch jede Menge Stehplätze vergeben wurden. Die Besucherzahl wurde mit 450 angegeben.

                            
         

Und weiter ging es mit dem Blues des Richard Bargel & Klaus "Major" Heuser Quartetts. New Orleans war angesagt, da durfte der Bottleneck  Blues nicht fehlen, der diesen unvergleichlichen Sound erzeugt. Tja, und da war die gute alte Dobro Gitarre in der Kirche, worauf kann man sonst eine bessere Slide Technik erzeugen, die letztendlich diese Traurigkeit des Blues erzeugt. Unterstützt wurden die Beiden von Sascha Delbrouck am Bass und Marcus Rieck an den Drums. Ob das nun " In The Pine/Black Girl", "Stagger Lee", Lost One In the Row, "Got To Hurry", die beiden waren symbiotisch in ihren Ausführungen und nahmen das Publikum mit.  "Doing Time" ein Bochumer Prisoner Song trug Bargel mit eine Stimme vor das es einem den Rücken herunter kroch. Das war Blues in bester Tradition.

Rund vier Stunden dauerte dieses Highlight der Gitarrenszene, eine Achterbahn der Gefühle die noch am nächsten Tag anhielt. Das war Musik die etwas auf die Beine stellt, die Kraft gibt den Wandel zu bestehen und die dem Ausspruch des Hagener Karl Ernst Osthaus "Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur" Nachdruck verleiht.

Die Gevelsberger sind mit ihrem Gitarrenfestival gute lokale Helden, ganz im Sinne von Ruhr2010.

Gedanken: Ich frage mich, warum gibt es heute so wenig Jazzlokale in unserer Region, wo diese Musik doch offensichtlich die Zuhörer immer wieder in seinen Bann zieht? Es war einmal ganz anders.

 

Hier können sie  das Ruhr2010 Programm der Gevelsberger im PDF Format ansehen oder downloaden.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosik aus Gevelsberg 

Es war die erste Stadt, die den Startschuss zu den Local-Heroes-Wochen gab. Dienslaken machte den Anfang und hatte eine tolle Idee. Auf einem mit Malgrund vorbehandelten Laken in der Größe von ca. 1,5 x 2,3 m werden jeweils von heimischen Künstlern der Städte, die gerade Local-Heroes-Partner sind, eine Vignette oder ein  "Emblem" aufgemalt. Die kleinen Original-Gemälde sollen in einer   Größe von ca. einem DIN A-4 Blatt, bzw.  in Pizzateller-Größe angelegt werden und etwas von der jeweiligen Stadt dokumentieren.

Heute morgen um etwa 9:00 Uhr war die große Kiste mit der zerlegbaren Staffelei – eigentlich ist es eher ein Spannrahmen – im Gevelsberger Rathaus angeliefert, zusammengebaut und mit dem ebenfalls mitgelieferten Laken bespannt.

     

Gevelsberg hatte die heimische Künstlerin Renate Schmidt-V. mit den Arbeiten beauftragt und so hatte sie alle möglichen Acrylfarben, Pinsel, Stifte, Entwürfe und weitere Malutensilien mitgebracht und sich sodann ans Werk gemacht.

Als wir eintrafen um die ersten Fotos zu schießen, war sie mit den Skizzierungen bereits fertig und trug schon die erste Farbe auf. Also war noch Zeit genug, die wunderbare Ausstellung der Zeichnungen und Grafiken von Andreas Noßmann anzusehen, der ebenfalls zur Local-Heroes-Woche im Rathaus in Gevelsberg  ausstellt.. Beeindruckende Werke in der unverwechselbaren ironischen Art des heimischen Künstlers, der seit etwa 5 Jahren in Brühl seinen neuen Lebensraum gewählt hat. Um so schöner, ihn wieder einmal zu Hause zu wissen.

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Inzwischen war die Malerei von Renate Schmidt-V. beachtlich weitergeschritten und es fehlten nur noch kleine Feinheiten, bis das Werk endgültig beendet war.

   

Gevelsberg ist jetzt auf der großem Leinwand, bzw. dem Dins-Laken mit seinem Wahrzeichen der Harfe, dem Tunnel, dem traditionellen Riesenrad der Gevelsberger Kirmes, dem Viadukt, der Ennepe und dem Ginko-Blatt, neues Symbol der City, verewigt. Und nächste Woche kann das Laken zur weiteren Local-Heroes Stadt wandern und weiter und weiter, bis alle 53 Städte verewigt sind und es wieder zum Ursprungsort nach Dinslaken reist.

Wie man jetzt schon sieht, werden kaum alle 53 Städte auf dem Laken noch Platz haben und man kann davon ausgehen, dass ein weiteres später noch hinzukommen wird. Eine spannende Geschichte, die wir gerne später noch einmal aufgreifen werden.

 

Linde Arndt

für EN-Mosaik aus Gevelsberg

[jpg] .. so würde man gute Freunde begrüßen, wenn man diesen sein neues Haus zeigen wollte. Die Zeit bis das Haus  stand, war mit vielen Gedanken, Wünschen und Arbeiten verbunden. Diese Gedanken sind es, wie werden die alten Freunde reagieren, sehen sie noch genauso aus wie ehedem, ob das Haus auch so richtig ankommt, dass alles, und noch vielmehr geht einem durch den Kopf.  Teilweise über 70 Jahre hat man einige von diesen lieben Freunden nicht gesehen, man wusste zu Anfang nicht ob sie kommen würden.

Es waren nur wenige die nicht kommen konnten. Da hingen die Gemälde von Ludwig Kirchner ( Fünf Frauen auf der Straße), die von Köln (Ludwig Museum) ,oder die von Wassily Kandinsky (Improvisation 28 (2.Version), die sogar von New York (Guggenheim Museum) kamen.
Marc Chagall, Franz Marc, Max Beckmann oder auch Oskar Schlemmer waren auch da – um nur einige stellvertretend zu nennen.

Man merkte und spürte bei den Vortragenden:

                    
  vlnr. Hendrik von Boxberg, Dr.Hartwig Fischer, Prof.Dr.Uwe M.Schneede, Dr.Bernhard Reutersberg     
Foto:Linde Arndt / EN-Mosaik
 

Dr. Hartwig Fischer, Direktor Museum Folkwang,
Dr. Bernhard Reutersberg, Vorsitzender des Vorstandes E.ON Ruhrgas
Prof. Dr. Uwe M. Schneede, Gastkurator

Hendrik von Boxberg, Pressereferent des Folkwangmuseums als Moderator

schon den Stolz und die Freude, die mit dieser Ausstellung "Das schönste Museum der Welt" Museum Folkwang bis 1933, verbunden ist.

Rückblick:

Wenn wir heute gesellschaftlich in Deutschland jammern, weil wir zwar wirtschaftlich zu den Riesen gehören, jedoch in kulturellen und damit künstlerischen Bereichen eher nicht zur ersten Wahl gehören, vergessen wir  Eines. In den 20er Jahren des 20.ten Jahrhunderts war Deutschland der Nabel der Welt im künstlerischen Bereich. Die Impulse die von Deutschland ausgingen begeisterten, ja, es herrschte gerade eine Aufbruchstimmung. Wirtschaftlich war Deutschland allerdings in dieser Zeit eher ein gefesselter Riese, der sich mit seinen Fesseln herum schlug. Berlin, München, Hamburg, Dresden, Essen, Weimar/Dessau vermittelten das, was das Kulturhauptstadtjahr 2010 heute vermitteln möchte: "Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel". Diesen Leitsatz hatte der Hagener Karl Osthaus verinnerlicht der an die Transformationskraft der Gesellschaft durch die Kunst glaubte.

In Dresden war die erste Künstlervereinigung, "Die Brücke" gegründet worden, in München die "Blauen Reiter". Eine Fülle von Kunstrichtungen belebten, forderten ja provozierten das  damalige Publikum . Die  Briefwechsel und Diskussionen zwischen den Künstlern aus dieser Zeit sind unvergessen und befruchteten. In Weimar später Dessau begründete Walter Gropius mit Henry van de Velde die Moderne in der Architektur und im Design. Bertold Brecht brachte der Kunst eine neue Theatertheorie, die neben der Theorie des Griechen Aristoteles (384 – 321 v. Chr.) zukünftig einen festen Platz einnehmen wird und damit das moderne Theater heute begründet. Mathias Hauer und Arnold Schönberg entwickelten die 12 Ton Musik die für die Musik eine Revolution darstellte. Diese kreativen Impulse durchdrangen die gesamte Gesellschaft und legten permanente Kräfte zum Wohle anderer Bereiche, zum Beispiel der Wirtschaft frei.

Um die vielen Nobelpreise der Deutschen in der damaligen Zeit einzuordnen, sollte man nie diese Entwicklungen in der Kunst zur Seite legen. Die damalige Kunst war gerade der Motor für weitergehende Entwicklungen in den anderen gesellschaftlichen Bereichen. Es war ein fruchtbarer Austausch, eben diese Transformation wie der Hagener Osthaus es meinte, zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

Und dann kam die schlimmste Zeit in der Geschichte Deutschlands. Deutschland fiel in die Barbarei und wurde letztendlich zu einem Volk der Täter und Verbrecher. 1933 ergriffen die Nazis die Macht und fackelnden nicht lange, sie setzten die Demokratie außer Kraft und gaben vor, wie und was Kunst zu sein hatte. Heldenverehrung, Überhöhung des Trivialen und Banalen, Führerkult waren die Botschaften, die ausgesandt werden sollten. Kritik wurde im Keim erstickt, alles musste fortan schön und heldenhaft sein und auch so besprochen werden.

Dies knüpfte übrigens an die in der "Rinnsteinrede" von Wilhelm II, 1901 artikulierten Kunstbegriff der Moderne an.
Nun ging es Zug um Zug. 1933 fanden die Bücherverbrennungen statt. Öffentlich wurden missliebige Literaten verbrannt. Entweder waren es Juden, wie zum Beispiel Lessing oder es waren Literaten die nicht in das "edle deutsche Bild" und deren Sprachschatz passte. Das Andere wurde auf einmal zum Aussätzigen.

"Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften von Tucholsky und Ossietzky! "

So lautete damals der Ausruf eines dieser Verbrecher als die Werke dieser Literaten ins Feuer geworfen wurden.
Man muss nicht lange nachdenken um Tendenzen in der heutigen Zeit zu erkennen. Auch heute machen sich wieder einige dieser Zeitgenossen auf, ihre Wiedergeburt zu betreiben.

Und es ging weiter. 1937 wurde mittels eines Erlasses der Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler ermächtigt 16.000 Werke der Moderne zu beschlagnahmen und als entartete Kunst zu deklarieren. Bis 1938 wurde auch der Bereich der Musik erfasst. Der Höhepunkt war die Ausstellung "Entartete Kunst" 1937 im Münchener Hofgarten, dort wurden die konfiszierten Werke mit Kranken und Tieren assoziiert und verspottet. 2 Millionen Besucher hatte diese Ausstellung gesehen, während eine parallele Ausstellung im Haus der deutschen Kunst nur 420 Tausend Besucher hatte. Es war ein ungeheuerer Rückschritt. Der Pöbel, angeführt von einem billigen Landschaftsmaler, diktierte was Kunst sein sollte, alles andere wurde selektiert. Es passte zu dieser Ideologie die sich anmaßte zu bestimmen was gut und was schlecht ist.

Heinrich Heine hatte einmal in seinem Werk Almansor geschrieben:

"Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."

Wohl wahr, wie sich rund hundert Jahre später herausstellte.

Damit war die Zeit des Kunstschaffens der damaligen Zeit unwiederbringlich vorbei. Viele Künstler emigrierten ins Ausland oder traten die innere Emigration an. Letztendlich wurde ihnen, falls sie in Deutschland blieben, ein Berufs- und Austellungsverbot erteilt. Und die Kunstwerke? Soweit sie sich verkaufen ließen, verkauften die Nazis die Kunstwerke ins Ausland um sich ihre eigenen Taschen zu füllen, so pragmatisch waren diese Verbrecher schon. Der Rest, der sich nicht in bare Münze umwandeln ließ, wurde überwiegend verbrannt oder verschwand. Nur wenige Kunstwerke tauchten nach dem Krieg wieder auf. Auch das Essener Folkwang Museum musste einen ungeheuerer Aderlass mit mehr an 1.400 Werken damals hinnehmen, hatte doch gerade das Folkwang Museum sich einen Namen in der modernen Kunst damals gemacht.
Die Namen der Künstler, deren Werke vernichtet wurden, werden in Kürze an einer freien Ausstellungswand des neuen Folkwangmuseums auf kleinen Täfelchen erscheinen..

Die Roadmap dieser Verbrecher war, wie es Heinrich Heine unbewusst prophetisch vorhersagte vorbestimmt.
1938 wurde der Krieg begonnen, die Meilensteine waren Coventry, Stalingrad, Ausschwitz und letztendlich wieder Berlin, wo diesen Verbrechern ihr Tun auf die Füße fiel. 50 Millionen Tote waren zu beklagen und Deutschland lag in Schutt und Asche. Was eine Bewegung von Biedermännern anstellen kann, bringt einem das kalte Grauen. Die Folge: Nie wieder wird in den folgenden Jahren Deutschland an diese so fruchtbare Zeit anknüpfen können. Aber, und das scheint eine deutsche Art zu sein, dieses Kunstverständnis der Nazis scheint tief verwurzelt zu sein, wie man seinerzeit während einer gesellschaftlichen Diskussion über den Sinn der Werke des Künstlers Josef Beuys verfolgen konnte.

Kunst sollte nie mehr wieder so in Frage gestellt werden, indem man es zulässt, dass ganze Lebenswerke vernichtet werden. Dies zu verhindern  bedeutet für alle Kultur- und Kunstschaffenden, die Kunst breiter in der Bevölkerung zu verankern. Deshalb kann man mit Freude beobachten, wie alle Beteiligten die Kunst aus einer für sie nicht abträglichen Ecke des Elitären herausgeholen. Heute finden zunehmend Dialoge auch mit kunstfernen Schichten statt, zumindest versucht man andere Wege zu gehen. Frühzeitig werden Kinder und Jugendliche angesprochen, um ihnen die Türen zu einem breiteren Kunstverständnis zu öffnen. Es werden Multiplikatoren gewonnen, die Schönheit aber auch die Breite der modernen und zeitgenössischen Kunst zu eröffnen. Viele Museen veranstalten Workshops um den Besucher für das Kreative in der Kunst zu begeistern.

                   

Zurück zu der Ausstellung.

Hartwig Fischer trug nicht ohne Stolz vor, dass  der Kunsthistoriker und Harvard-Professor Paul J.Sachs, der Mitbegründer des MoMa in New York, das Museum Folkwang 1932  "das schönste Museum der Welt" nannte. Für Fischer ist es augenscheinlich das schönste Museum. Das Kulturhauptstadtjahr 2010 hat damit eines seiner Hauptprojekte, wobei damit die anderen vielen, vielen Projekte nicht herabgesetzt werden sollen. Vielmehr kommt damit etwas zurück was einmal einzigartig war und sicher Paul J.Sachs zu dieser Äußerung verleitete. Das Kulturhauptstadtjahr steht unter dem Leitwort von Karl Ernst Osthaus: Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel. Auch das Folkwang Museum verkörpert mit seinem Neubau von David Chipperfield diesen Wandel. Durch die Öffnung zur Bismarckstrasse, einer vielbefahrenen Ein-und Ausfallstrasse, lädt das Museum den Vorbeifahrenden zu einem Dialog ein, Dialog um und mit der Kunst.

Mit Professor Dr. Uwe Schneede hat das Museum einen ausgewiesenen Kurator gewonnen, der im Dialog diese Ausstellung realisierte. Prof. Schneede, der von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthallen war ,ist ein erfahrener Museumsmann wie anerkannter Wissenschaftler.
Prof. Schneede war sofort von der Idee dieser Ausstellung begeistert und überlegte auch nicht lange, denn die Idee konnte nicht überzeugender sein.

Bei Licht betrachtet waren es jedoch zwei Ideen: Nämlich die von den Nazis beschlagnahmten in aller Welt verstreuten Werke noch einmal zu versammeln und die im Haus verbliebenen aber auch neu erworbenen mit diesen zu vereinen. Im Grunde ein Familientreffen der ehemaligen mit den im Haus verbliebenen und neu hinzu gezogenen. Es galt also die Geschichte und die Gegenwart zu vereinen, jedoch nicht in Form einer nostalgischen Ausstellung sondern einer Ausstellung, die die ganze Bandbreite der europäschen wie außereuropäschen Kunst unter dem Museum Folkwang zeigt. Man möchte meinen, die in den Depots ruhenden Objekte der außereuropäischen Kunst und Kulturen würden zu dieser Ausstellung nicht passen. Doch. Denn gerade die Moderne stellt ein wertvolles Bindeglied dar, um den Blick auf die außereuropäischen Kulturen frei zu machen.

Der Expressionismus, der Orientalismus in der europäischen Architektur, der französische Japonismus, Jugendstil und Orient, die moderne Formgebung und Japan ….. sie alle fügen sich auf wundersame Weise zusammen und lassen den Weltgeist zumindest in der Kunst erkennen. Wo hat da der Nationalismus eine Chance? Nirgendwo.

Gleichrangig stehen die einzelnen Kulturen nebeneinander, eben das Minarett mit dem Kirchturm, nur in einer anderen Formensprache, wobei die Funktion die Gleiche ist. Ein Krug bleibt ein Krug, eben ein Gefäß zur Aufbewahrung von was auch immer in seiner Funktion überall gleich, nur die Form und die Farbgebung ist den unterschiedlichen kulturellen Sprachen entwachsen, quasi eine Laune. Die Bewunderung setzt da ein, indem wir die Ähnlichkeit mit unseren Werken erkennen. Die Ornamentik der Orientalen, findet seine Entsprechung auch in unseren europäischen Werken. Wir sind eben doch, trotz immer wieder anders lautender Botschaften, mehr verwandt und bekannt als wir glauben mögen.

Dr. Bernd Reutersberger, Vorsitzender des Vorstandes der E.ON Ruhrgas AG betonte, dass seinem Unternehmen die vielfältige Kultur in dieser Region am Herzen liegt. Kultur braucht Impulse, um Neues hervor zu bringen. Und sie braucht Verbündete, die sie fördern. Die Zeit könnte nicht besser sein, alles passt zusammen, der Neubau, das Kulturhauptstadtjahr und diese Sonderausstellung. E.ON ist es ein besonderes Anliegen Partner des Folkwang Museums zu sein und freut sich, gerade dieses Projekt zu fördern. E.ON sieht gute Gründe für diese Partnerschaft; denn Kultur ist ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschafts- und Standortfaktor der Verbindungen zwischen den Menschen schafft und damit erst gesellschaftliches Leben entstehen lässt.

Auf die Frage, warum der Hagener Osthaus sich nie mit Picasso  beschäftigen wollte, antwortete Prof. Schneede: Osthaus hat es nie geschafft über den Expressionismus hinaus zu gehen, wie auch, denn er starb ja recht früh. Auf der anderen Seite, waren die Werke Picassos die man damals nur  in Frankreich erstehen konnte,  sehr teuer. Ob es denn jetzt  "das schönste Museum der Welt" wäre, so ein Kollege. Lächelnd meinte Prof.Schneede, zumindest ist es das interessanteste Museum, welches ich kenne, wobei ich nicht abstreiten mag, dass es das Schönste sein mag.

Wenden wir uns wieder unserer Familienfeier zu, man will doch wissen wie es dem einzelnen ergangen ist.

Da sind die Werke von Oskar Schlemmer, klare stereometrische Formen als irgendwie ineinander greifende Figuren in einer Harmonie ohne gleichen. Kein Wunder das ihn Walter Gropius nach Dessau holte um ihn für die Wandmalerei zu begeistern. Man könnte die Ornamentik der Orientalen als Wurzeln in der gleichmäßigen wiederkehrenden Anordnung erkennen. Er, auch ein Universalgenie, der sich im Bauhaus eines Gropius wie auch auf einer Bühne wohl fühlte und seine kreative Schaffenskraft entfaltete.

     
  Vierergruppe mit rechtwinckligen Armgesten (1929-1930)      Rote Leiber  (1929)     Schwebende und gestreckte 
  Jünglingsfigur in Kreisform (1929-1930)

Oder da, Wassily Kandinsky, der einmal von seinen Kollegen aufgefordert wurde, "möglichst verständliche Werke" zu erstellen. Er,der sich der abstrakten Malerei näherte und letztendlich ihr zu ihrem Durchbruch verhalf.

Dem Expressionismus zuerst verschrieben, wandte er sich mit Franz Marc und August Macke diesem Stil ab und gingen andere Wege. Die "Blauen Reiter", eine Künstlervereinigung entstand die bis heute ihren Ruf für eine abstrakte Kunst erhalten hat.

   

Auch Kandinsky war Lehrer am Bauhaus in Dessau und Weimar. Überhaupt war der Kunstbetrieb in der damaligen Zeit ungeheuer spannend. Da wurde gestritten, in Frage gestellt, verworfen und neu begründet. Kunst war nicht nur Malerei, sondern übergreifend in andere Kunstbereiche wurde experimentiert und gearbeitet.

  Und dann die Roten Pferde von Franz Marc, das Museum Folkwang hat dieses Motiv als Erkennungsmotiv genommen. Er, der viel zu früh im ersten Weltkrieg starb, als Deutschland die ersten nationalistischen Gehversuche machte.

Während des Krieges wandelte er sich vom Nationalist zum Europäer. So schrieb er an seinen Freund Wassily Kandinsky 1914 schon,
"In solcher Zeit wird jeder, er mag wollen oder nicht, in seine Nation zurückgerissen.

Ich kämpfe in mir sehr dagegen an; das gute Europäertum liegt meinem Herzen näher als das Deutschtum."  Zwei Jahre später war er, nicht einmal 40 Jahre alt, gefallen. 

Er setzte die Farben symbolisch ein, nicht naturalistisch und versuchte mit seinen Werken das Ursprüngliche und Reine darzustellen. Die Versöhnung, der Einklang mit der Schöpfung und der Natur, war sein Ziel. Ewiger Traum nach paradiesischen Zuständen. Er war auch der Begründer einer eigenen Farbenlehre, die heute in der Psychologie und anderen Bereichen eine Selbstverständlichkeit sind.

Und das sollte "Entartete Kunst" sein? Das sollten krankhafte Menschen sein? Wie krank mussten wohl diese Nazis sein um solche Aussagen zu machen.

Und dann waren noch die außereuropäischen Schätze aus den Depots des Folkwang Museums. Wie sollten sie zusammen passen? Es gab da nicht so viele Möglichkeiten. Aber, es sollte die erste große Ausstellung oder auch Familienfeier der Kunst im Kulturhauptstadtjahr werden und zwar im neuen Folkwang Museum. Selbstbewusstsein und Stärke im Reigen der Region Ruhrgebiet sollten den Besucher auch den kulturellen Reichtum darbieten. Nicht wir sind wieder wer, sondern wir waren schon immer stark, die Menschen und deren Kultur in dieser Region. Es sollte ein emanzipatorischer Aufbruch sein um auch neben einem MoMa in New York auf Augenhöhe bestehen zu können. Auch und gerade wollte man sich in der Welt zurück melden, mit einer Region die eine der größten Kraftanstrengungen unternimmt sich neu zu erfinden. Beginnend in der stärksten Zeit um den Geist in der heutigen Zeit, den Weltgeist,  zu beschwören.

So entschied sich das Folkwang Museum, die Schätze in ihrer ureigensten Schönheit für sich alleine sprechen zu lassen. Eine richtige Entscheidung. Durch dieses für sich stehen, legen diese Schätze ein klares Zeugnis für das Menschsein und damit der Gemeinsamkeiten in Kunst und Kultur ab. Es war wie eine stille Zwiesprache über die Abteilungen des Museums. Ein Dialog der Kulturen, ein Austauschen des Weltgeistes. Nichts kann den Weltgeist trennen, über Jahrhunderte schon. Das Trennende, die Mauern waren immer nur temporär, nie real.

Das zeigten die ägyptischen Reliefs und Skulpturen, die bedruckten Textilien, die spanischen Wandfliesen mit einer reichhaltigen Ornamentik, die japanischen bemalten Dosen aber auch Gesichtsmasken, oder die Figuren aus Ozeanien mit einem hohen Abstraktionsgrad, der auch den  Gemälden im Zusammenhang mit der restlichen Ausstellung innewohnt. Selbst die Gefäßkeramiken mit ihren verschiedensten Formen aus den unterschiedlichsten Kulturen spiegelten eindruckvoll diese Gemeinsamkeiten wieder. Es ist ein gelungenes Familienfest, ein heiteres Wiedersehen in Räumlichkeiten die fast vergessen lassen wie weit Menschen sinken können. Es ist aber auch ein würdevolles Wiedersehen mit der Botschaft daran anzuknüpfen, sich zu erinnern das Kraft, Stärke und Mut der kreativen Gestaltung den Weltgeist bewegt.

Ebenso ist  eine Botschaft vorhanden, die Botschaft zur Besinnung auf die Gemeinsamkeiten die uns alle verbindet – unsere Kulturen, wo das vermeintlich Andere eben das Schöne und Reine ist. Und das ist es was erhaltenswert ist, der Austausch mit diesem Anderen, welches schon die Gemeinsamkeiten widerspiegeln.

In der letzten Zeit vernehme ich immer wieder, wie man Menschen versucht mittels der Sprache in den einzelnen Nationen auszugrenzen, es ist nicht richtig. Denn in ihren Werken der Kunst haben sie doch eine Gemeinsamkeit. In welchem Land auch immer, es geht etwas erhellendes über jedes Gesicht, egal welche Sprache dieser Mensch spricht, wenn ein Kunstwerk erkannt wird. Es bedarf keiner Worte, es bedarf nur des Erkennens. Ein Pinsel, eine Leinwand und etwas Farbe, verleitet jeden Menschen etwas zu gestalten, welches letztendlich in die Seele des anderen Menschen eintritt.

So verabschiedete ich mich vom Folkwang Museum zum zweiten Male in diesem Jahr, hoffentlich nicht zum letzen Male. Es war eine wirklich sehenswerte berauschende Ausstellung für mich.

Übrigens. Bis heute wurden schon 2.500 Führungen gebucht.

Zum besseren Verständnis habe ich die Künstler die von den Nazis geächtet wurden am Ende aufgelistet.
Viele ihrer Werke sind auf immer verloren, einige konnten gerettet werden. Seien wir dankbar, dass es diese Menschen in der langen Reihe der Menschwerdung gegeben hat.


Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Essen

Hier noch einige Fotos aus dem schönsten Museum der Welt, aufgenommen am 18. März 2010 von Linde Arndt:

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Weitere Informationen über Öffnungszeiten, Anfahrt, Aktionen, Führungen und Eintrittsgelder entnehmen Sie bitte dem anhängenden pdf Info Zahlen_und_Fakten.


Künstlerinnen und Künstler, deren Werke 1937 im Museum Folkwang beschlagnahmt wurden:

Jankel Adler; Charles Angrand; Alexander Archipenko; B. Arnold; August Babberger; Ernst Barlach; Willi Baumeister; Herbert Bayer; Walter Becker; Max Beckmann; René Beeh; Rudolf Belling; Georg Birnbacher; Hermann Blumenthal; Peter August Boeckstiegel; Willi Borutta; Walther Bötticher; Georges Braque; Hans Bruehlmann; Max Bucherer; Paul Camenisch; Karl Caspar; Paul Cézanne; Marc Chagall; Lovis Corinth; Henri Edmond Cross; Marta Cunz; Gustav Dahler; Giorgio de Chirico; Maurice Denis; André Derain; Walter Dexel; Gottfried Diehl; Otto Dix; Karl Doerbecker; Hans Christof Drexel; Ewald Dülberg; Hermann Ebers; Josef Eberz; Nicolas-Mathieu Eekman; Heinrich Ehmsen; Otto Ehrlich; G.
Eimer; Gyn Epper; Karl Eulenstein; Lyonel Feininger; Conrad Felixmüller; Richard Flegel; Otto Freundlich; Willi Geiger; Ida Gerhardi; Bernhard Gilkes; Werner Gilles; von Glümer; Werner Gothein; Walter Gramatté; Johannes Greferath; Rudolf Großmann; George Grosz; Paris von Gütersloh; Olaf Gulbransson; Bernhard Haake; Albert Haueisen; Erich Heckel; Jacoba van Heemskerck; Fritz Heidingsfeld; Peter Helbig; Arthur Hennig; Otto Herbig; Curt Herrmann; Paul Hestrich; Reinhard Hilker; Carl Hofer; Ernst Isselmann; Johannes Itten; Franz Maria Jansen; Alexej von Jawlensky; Wassily Kandinsky; Alexander Kanoldt; Joachim Karsch; Laurent Friedrich Keller; Ernst Kempter; Anton Kerschbaumer; Ernst Ludwig Kirchner; Paul Klee; Cesar Klein; Julius Klinger; Moissey (Moishe) Kogan; Oskar Kokoschka; Hermann Kreidt; Bernhard Kretzschmar; Paul Krüger; Henri Le Fauconnier; Wilhelm Lembruck; Rudolf Levi; Max Liebermann; El Lissitzky; August Macke; Man Ray; Franz Marc; Gerhard Marcks; Horst de Marées; Henri Matisse; Ludwig Meidner; Paula Modersohn-Becker; László Moholy-Nagy; Oskar Moll; Johannes Molzahn; Piet Mondrian; Wilhelm Morgner; Stefan Mrozewski; Otto Mueller; Albert Müller; Edvard Munch; Heinrich Nauen; Emil Nolde; Walter Ophey; Richard Paling; Otto Pankok; Fritz Pauli; Hermann Max Pechstein; Max Peiffer Watenphul; Alfred Heinrich Pellegrini; Josef Pieper; Ewald Platte; Franz
Radziwill; Carl Anton Reichel; Hans Richter; Christian Rohlfs; Eva Samuel; A. E. Schäfer; Fritz Schäfler; Hugo Scheiber; Egon Schiele; Oskar Schlemmer; Wilhelm Schmid; Karl Schmidt-Rottluff; Max Schulze- Sölde; Paul Adolf Seehaus; Richard Seewald; Lasar Segall; Curt Stoermer; William Straube; Georg Tappert; Erich Thum; Richard Tschirner; Herbert Tucholski; Josef Urbach; Eberhard Viegener; Maurice de Vlaminck; Josef Weisz; Konrad Westermayr; Heinrich Wetterrath; Carl Wighi; Gustav Heinrich Wolff

[jpg] Wenn ich es nicht selber gehört und gesehen hätte, würde ich sagen, so was gibt es nicht.
Der Hauptausschuss tagte am 23.03.2010 und es gab an und für sich nur zwei Themen, die alle anderen Themen in den Hintergrund rückten. Die Themen, Anita Schöneberg und die SPD, EN-Mosaik mit seinem Artikel "Schallende Ohrfeige für Ennepetaler Verwaltung?".
Besonders möchte ich die fast schauspielerischen Leistungen von Walter Faupel (CDU), Wilhelm Wiggenhagen (der CDU nahe stehend), Rolf Hüttebräucker (FWE), Sabine Hoffmann (Bündnisgrünen) sowie Mathias Rehbach (CDU) als herausragend würdigen, wobei Wolfgang Frey (FDP)  in dieser Inszenierung eher in einer Nebenrolle auftrat.
   
Es war der Tag der Abrechnung und es wurde rhetorisch scharf geschossen.

Vorab wollen wir jedoch ein Verständnisproblem erörtern,  das der Demokratie.
Viele in Ennepetal meinen Demokratie bestünde alle 5 oder 6 Jahre aus einem kurzen Wahlkampf bei denen die Parteien oder Kandidaten mehr oder weniger irgendwelche allgemeine unverbindliche Aussagen machen. Dann geht der Wähler bzw. Bürger zur Wahl, macht sein Kreuzchen und gut ist. Zur Kontrolle nimmt der Bürger am nächsten Tag die Zeitung zur Hand um zu sehen ob seine Partei oder sein Kandidat es geschafft hat. Am Stammtisch werden sodann die dementsprechenden Kommentare abgelassen oder auch nicht.

Die Kandidaten und Parteien verschwinden hinter den Türen ihrer Sitzungssäle und kommen nach Ablauf dieser Periode wieder auf uns zu um erneut gewählt zu werden. Und so weiter und so fort. Ach halt, zwischendurch jammern die Parteien über die Politikverdrossenheit und dass ihnen die Mitglieder abhanden gekommen sind.

Wir, die Bürger, denken dieser Rat würde sich streiten, streiten um den besten Weg für uns, den Bürger. Da würden verschiedene Meinungen aufeinander prallen, gerungen und sodann mehrheitlich entschieden. Die oppositionelle Partei würde Strategien entwickeln um den politischen Gegner mit Argumenten zu bezwingen. Das alles auch öffentlich, so dass der Bürger weiß zu wem er stehen kann oder sollte. Nach Ablauf der Periode stellen die Parteien ihre Bilanzen auf, die führende Partei was sie erreicht hat und die oppositionelle Partei was sie hätte erreichen wollen, so sie die Führung gehabt hätte.

Nicht so in Ennepetal, hier gehen die Uhren anders, eben wie auf einer "Insel der Glückseligen". Bilanz erstellen, dass haben wir schon recht früh im März 2009 gemerkt, so was gibt es in Ennepetal nicht. Zielvorstellungen oder Perspektiven, werden gerade einmal über Personen definiert, die aber kaum eine belastbare Aussage machen.

Und die Entscheidungen im Rat?  Die sollen einstimmig gefällt werden, logischerweise durch die Vorgaben die die führende Partei vorgibt oder die Stadtverwaltung. Einstimmig deshalb, weil hinterher, wenn es schief geht, niemand sagen kann, ich war es nicht. Alle sind in der Pflicht. Wer dagegen stimmt stört die Harmonie, die Gemeinsamkeit und wird evtl. ausgegrenzt.

Nun hat sich aber 2009 etwas verändert, der Wind hat aufgefrischt, ein Blog, EN-Mosaik, ist in die Öffentlichkeit getreten. Nun ist ein Blog zuerst einmal nichts besonderes, es gibt Millionen davon. Nur für Ennepetal, der "Insel der Glückseligen" ist es was besonderes, Ennepetal tat bis zu unserem Erscheinen das Internet als eine Spielerei von irgendwelchen Freaks ab. In den nun fast 1 ½  Jahren hat EN-Mosaik allerdings in zunehmenden Maßen manchem, wie man so schön sagt,  das Fürchten beigebracht. Die Themen die EN-Mosaik aufgriff wurden fast immer in Kommentarform erstellt, also mit ganzer epischer Breite. Es wurden keine Rücksichten genommen, frech ohne Respekt wurde kommentiert eben auf Augenhöhe. Viele unserer Vorschläge, Gedanken aber auch Ideen fanden wir kurze Zeit später in einem Antrag der einen oder anderen Partei oder gar der Verwaltung wieder.  Wir konnten also sagen, wir waren auch konstruktiv.

Was uns allerdings immer störte, auch heute noch, ist das mangelhafte politische Verständnis aber auch die mangelnde Sensibilität der politischen Akteure. Dieses Gönnerhafte wie man mit dem Bürger umgeht, man etwas gnädigerweise verschenkt, als wenn man alles im Griff hat und als wenn es keine weiteren Optionen zu den gemachten Entscheidungen gäbe. Denn dies kehrt die Machtverhältnisse geradezu ins Gegenteil, denn der Bürger ist der Souverän, nicht umgekehrt.

 Und da kommen wir zu der Sitzung des Schulausschusses .

Diese Sitzung war für uns absolut inakzeptabel im Hinblick darauf, wie unsensibel man mit den Sorgen der versammelten Elternschaft umgegangen ist.

Wenn nicht Frau Schöneberg mit einer für Ennepetal genialen Strategie die Abstimmung verhindert hätte, wäre dies auch eine schwache Vorstellung der Demokratie gewesen. Das Problem was die anderen hatten, sie waren durch das folgerichtige Vorgehen von Frau Schöneberg geradezu zu Statisten degradiert worden.

   

Und das durfte in Ennepetal nicht sein, eine Frau in der Führungsposition!

1.    Richtigerweise hat sie die Einwohnerfragestunde vor dem Punkt, Schließung der Hasperbachschule, gesetzt. Denn was macht es für einen Sinn nach einem Beschuss zu diskutieren? Man hätte nur noch lamentieren können, mehr nicht. Motivierte Eltern, zumal die sicherlich ihre Kinder auch noch lieben, hatten sich noch eine Chance ausgerechnet diesen Beschluss zur Schließung zu verhindern. Warum nicht? Wir haben eine Demokratie!  Es wurde ja auch 30+ Minuten diskutiert. Jedoch die Verwaltung aus Stadt, Rat und dem Schulrat blockten. Überlegungen der Eltern wurden allesamt abgeschmettert. Wobei die Eltern sich redlich mühten, sahen sie auch darüber hinaus noch ihren Stadtteil gefährdet. Ich denke die Eltern haben hoch politisch und verantwortungsvoll diskutiert, was ich in diesem Zusammenhang den Politikern nicht bescheinigen kann. Es kam wie es kommen musste, man wollte zur Abstimmung schreiten, die CDU mit Herrn Knüppel drängte, wobei das Abstimmungsergebnis sich abzeichnete.

2.    Und jetzt kam das, was jede Opposition zu Freudentänzen verführt. Frau Schöneberg hatte noch einen Joker. Die Vorlage war nicht komplett, es fehlte eine Seite. Wie wir heute erfahren hatten, wurde das Frau Schöneberg um 15:00 Uhr von einer Mutter übermittelt. Sie reagierte und schrieb ein 3 seitiges White Paper, vorsorglich falls die Abstimmung schief laufen würde. Und es lief im Sinne der Mütter schief. Schöneberg nutzte den Formfehler aus und beantragte die Abstimmung zu vertagen, weil sonst die Abstimmung ungültig gewesen wäre. Gleichzeitig legte sie das 3 seitige Papier für das Protokoll vor, wobei sie den Inhalt auch noch durch Vortrag öffentlich machte. Wenn das keine gelungene Oppositionsarbeit war, die auch noch vorausschauende Elemente hatte, dann weiß ich nicht was Oppositionsarbeit sein soll. Die Vorlage war vom Tisch und hatte konstruktive alternative Vorschläge die die Vorlage obsolet machen könnte.

Das die Verwaltung damit vorgeführt wurde, hat Frau Schöneberg nicht zu verantworten, hätte die Verwaltung sorgfältiger gearbeitet wäre das halt nicht passiert.

Walter Faupel (CDU) drehte mittels einer Projektion im Hauptausschuss das ganze um. Ein wunderschönes Schauspiel. Er meinte, solch ein Thema sollte man sensibler (Hat Frau Schöneberg) anfassen, denn die Eltern mit ihren Sorgen um ihre Kinder hätten solch eine Politshow nicht verdient. Auch sollte man so nicht mit den Fehlern der Verwaltung umgehen. Eine Seite die fehlt kann doch nicht dazu führen, dass nicht abgestimmt würde. Wie bitte? Dann braucht man ja überhaupt keine Vorlage mehr und könnte auf Zuruf abstimmen.

Rolf  Hüttebräuker (FWE) assistierte indem er die Darstellung im Internet als schädlich sieht. Als Beispiel nannte er den Kommentar von Bernd Oesterling in der WR .Potenzielle Investoren für Ennepetal würden so nicht angezogen, er sieht schwarz. Sabine Hofmann (Bündnisgrüne) fand, dass nach der Wahl der Stil des Umgangs ein anderer geworden ist, es werden Nebenschauplätze aufgebläht. Klar, die Mehrheitsverhältnisse haben sich verändert. Die Verwaltung kann nicht mehr mit sofortiger Zustimmung rechnen. Und so ging es weiter und weiter.

Jörgen Steinbrink (SPD) meinte, wir schließen eine Schule sprechen aber nicht darüber was mit dem Stadtteil passieren soll ohne Gesamtkonzept sei dies falsch.Recht hat er.

Das ganze war nur dazu angetan die SPD und mit ihr Anita Schöneberg zu disziplinieren. Mittels einer Projektion wurde die Schuld umgekehrt. Nicht die Verwaltung hat den Fehler gemacht, sondern Anita Schöneberg. Ich sag doch, lassen wir hier in Ennepetal die Hexenverbrennung einführen.

Ja meine Güte, soll die Frau jetzt vorher in die Verwaltung kommen und die Vollständigkeit der Vorlagen prüfen?
Soll die SPD die Oppositionsrolle aufgeben und in eine große Schmusekoalition eintreten? Was soll das für eine Demokratie sein? Ich verstehe ja, dass die CDU und mit ihr die Verwaltung ihren Führungsanspruch formulieren will, aber die Opposition muss ihn doch nicht akzeptieren. Wenn Wilhelm Wiggenhagen seinen "Laden" nicht in den  Griff kriegt, so wäre es vielleicht überlegenswert  wieder ins zweite Glied zu treten. Anita Schöneberg ist doch nicht seine Sekretärin.

Und dann war da noch das Problem EN-Mosaik. Der Bürgermeister lauert darauf wie er das Blog abschießen kann. In dem Artikel  "Schallende Ohrfeige für Ennepetaler Verwaltung?" ,hatte er vermeintlich etwas gefunden. In dem Artikel, der übrigens in Kommentarform, wie übrigens alle Artikel, geschrieben ist, tauchten ursprünglich die beiden Worte "geistige Inkontinenz"(* auf.
Dies für ihn umso schlimmer da es  unter einem Bild stand, welches seine Kollegen darstellt. Er würde dies ja weg stecken, aber auf seine Kollegen würde er nichts kommen lassen, so Wiggenhagen. Und weiter, er würde das jetzt von der Staatsanwaltschaft überprüfen lassen.

Sich vor seine Kollegen zu stellen ehrt Wiggenhagen ja. Aber in diesem Falle benutzt er seine Kollegen, weil ihm persönlich die Artikel von EN-Mosaik schon lange ein Dorn im Auge sind. Denn mit dieser Vorgehensweise kann er die Staatsanwaltschaft prüfen lassen ob die Paragrafen §185 i.V. § 194 zum Tragen kommen. Dies kommt nur zum Tragen wenn er als Vorgesetzter das beantragt.

Nur Inkontinenz kommt von lat. incontinentia  und heißt soviel wie Nichtverhalten oder Unvermögen, nimmt man nun das Wort geistig hinzu, so ergibt das geistiges Unvermögen. Und dieses unsensible Verhalten der Verwaltung hätte man mit einem bisschen Nachdenken, so man wollte, zu einem sensiblen Verhalten, im Hinblick auf die Sorgen der Eltern, umkehren können. Tja, die meisten haben Latein eben abgewählt.

Was bleibt?

Nun, in der Wirtschaft hat man mehrseitige wichtige Vorlagen nummeriert indem man die Schreibweise 1/3, 2/3 und 3/3 bei wichtigen Vorlagen anwendete. So wusste jeder direkt es gibt 3 Seiten, in der Schulausschusssitzung wussten die Teilnehmer ja noch nicht einmal, dass es eine 3.Seite gab.  Ach ja, und wenn es in der Wirtschaft um Personalangelegenheiten, sprich Menschen, ging, nahm man andersfarbige Blätter oder kennzeichnete sie besonders. Warum? Weil es um Menschen ging. Dies erforderte ein besonderes Einfühlungsvermögen und einen dementsprechenden Zeitaufwand. In einem gut geführten Betrieb knallt man nicht eben mal dem Mitarbeiter die Kündigung auf den Tisch. Er verliert zwar seine Arbeitsstelle, jedoch sollte er seine Würde behalten können. Und das ist es was ich bei dieser Aktion bemängele, den Müttern und Vätern sollte die Würde gelassen werden indem nicht das Gefühl aufkommen kann, ihre Kinder ständen zur Disposition oder sind zu einem Verwaltungsakt degradiert worden.

Jürgen Gerhardt für EN-Mosaik aus Ennepetal

 

(* Die ursprüngliche Formulierung wurde nach einem Gespräch mit  der Pressestelle EN-Kreis im Einvernehmen geändert.

 

[la] Es war der erste runde Tisch in Sachen "Tourismus in Ennepetal" und wieder einmal wurde durch die hohe Teilnehmerzahl (an die 80 Anwesende) dokumentiert, wie wichtig es vielen Ennepetalern ist, sich mit in die Gestaltung ihres Heimat- oder Wohnortes einzubringen.

           

Wenn es zunächst einmal auch nur eine erste zaghafte Erörterung verschiedener Möglichkeiten gab, was man innerhalb Ennepetals unternehmen könnte um in der Außendarstellung attraktiver und nachhaltiger Menschen aus anderen Orten auf sich aufmerksam zu machen, so zeigten die vielen Vorschläge und die rege Beteiligung doch, dass es lohnenswert sein könnte, sich "endlich" mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen. denn seit Jahren wurde gerade das Thema Tourismus immer wieder  angeschnitten um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Nun könnte es ein neuer Anfang sein.

Was wäre da ein besserer Start als das Kulturhauptstadtjahr 2010, dass durch die Vernetzung des Ruhrgebietes und die Städte des  Ennepe-Ruhr-Kreises sowieso schon eine Begegnung und einen Austausch mit anderen fördert, die hier schon ihre Erfahrungen gemacht und daraus gelernt haben. Auch haben wir gerade bei den bisherigen Veranstaltungen, sowohl von der Eröffnung in Essen, als auch den bisher erfolgten Aktivitäten in anderen Städten lernen können, was eine gut durchorganisierte und perfekte Planung und Öffentlichkeitsarbeit ist, um den Tourismus anzukurbeln.

Beispiele gibt es mannigfach und wir sind – auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen – auch gerne bereit, diese auf Wunsch an entsprechende Arbeitskreise oder Persönlichkeiten, die sich in Zukunft mit der Planung "Tourismus" für Ennepetal beschäftigen werden, weiter zu geben, so fern ernsthafte Absichten dahinter stehen.

Einziger Wermutstropfen ist, dass wir in unserer Stadt erst jetzt richtig aktiv werden. Es ist viel Zeit ungenutzt vergangen, denn auch die Macher von RUHR2010 sind nicht erst im letzten Jahr mit den Planungen und Vorbereitungen angefangen, sondern haben diesen Riesenevent step by step aufgebaut.

Und so sollte es auch für Ennepetal step by step, aber trotzdem mit vollem Elan angegangen werden. Es ist vielleicht unsere letzte Chance, endlich unsere Ressourcen zu nutzen und Kapital daraus zu ziehen. Ennepetal hat genug Ansätze – und nicht nur die schöne Landschaft und die Höhle – aber es muss planvoll nach draussen getragen werden. Erst müssen wir etwas konsequent und gut überlegt aufbauen und dann gezielt die Welt (ist mein Ernst – nicht vermessen gemeint) darüber informieren, was es bei uns alles gibt.

Gestern waren genug Bereitwillige da und es kann zunächst nicht mehr als ein zaghafter Anfang sein. Allerdings sollten die Termine zwischen den einzelnen Treffen gut ausgewogen gewählt werden. Und es wird besonders darauf ankommen das Globale dabei im Auge zu behalten und die Spreu so bald wie möglich vom Weizen zu trennen.

Denn nichts wäre schädlicher, als eine Gruppe von Mitwirkenden anzusiedeln, wo jeder im Grunde nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und wo sich der Zentralgedanke recht schnell zersplittert und zu keiner guten Lösung führt.

Also Bürgermeister Wiggenhagen, der Ansatz ist gut – jetzt ist es wichtig die richtigen Leute am richtigen Ort zu haben, die hier die Sache vorantreiben.

Lieber eine kleine, aber elitäre Arbeitsgruppe, die wiederum für sich Gruppen bildet, die den Kerngedanken unterstützen und darauf hin arbeiten.

Auch sollten die Überlegungen viel weiter gehen. In der aufbereiteten Präsentation über die Möglichkeiten, die hier in Ennepetal sind, haben mir gestern schon viele Punkte gefehlt. Wir haben so viele Facetten, die noch gar nicht erwähnt wurden, aber zu einer runden schönen Sache in Ennepetal führen könnten.

Auch habe ich vermisst, dass der Verkehrsverein so stiefmütterlich behandelt wurde, denken wir da nur an das Hülsenbecker Tal, die Musikmuschel und die Konzerte, die Nordic-Walking-Kurse. sowie  andere Aktionen, oder Krenzer Hammer, der immer ein wenig abseits gestellt wird (ausser Herr Kern und der EN-Kreis binden ihn keiner in seine Informationen mit ein). Dann unsere aktiven Bauernhöfe mit Freizeitgestaltung, Barfußweg, Lamahof, um nur einige zu nennen.

Noch ein Punkt, der sicher nicht nur mir ein Kräuseln auf die Stirn gezaubert hat. 26 Gastronomiebetriebe??? Was wurde da durch das  Internet zusammen sortiert? Etwa auch die Pommesbuden? Na ja, aber da hat Herr Palomba ja schon zugegeben, da ist bisher noch keine qualitative Prüfung erfolgt.

Großes Thema war bei fast allen Anwesenden auch die Öffentlichkeitsarbeit.

Ja, ja – die liebe Öffentlichkeitsarbeit. Daran hapert es – wenn ich das einmal so salopp sagen darf – immer wieder. Informationen kommen zwar, aber meist nicht zeitlich gesteuert, recht spät oder nicht intensiv genug, oder nur spärlich innerhalb Ennepetals. Was ist mit unseren Nachbarstädten?

Schon einmal was von "anfüttern" gehört? Im Vorfeld wieder und immer wieder auf eine Sache aufmerksam machen. Das müssen wir lernen.
Einige versuchen es ja schon, aber es muss einfach gezielter erfolgen.

Und wenn man dann sogar von Leuten, die sich für ein Gelingen einsetzen sollten hört: " Ach, da passiert doch gar nichts, davon kommen sowieso nicht mehr Leute zu uns", fällt mir der schöne Spruch von den Schafen und Birnen ein.  Drei Schafe stehen unter einem Birnbaum und schauen begehrlich nach oben zu den reifen Birnen und langsam läuft ihnen das Wasser im Maul zusammen. Sie versuchen nach oben zu springen um die Birnen zu erhaschen, aber es ist vergeblich. Worauf eines dann schließlich sagt: "Kommt, lasst uns weiter gehen, es hat ja keinen Zweck. Die schmecken garantiert  nicht."

Es wäre somit nun nicht nur das zweite Thema "Runder Tisch", sondern wohl ähnlich wie beim "Bahnhof" wird es wohl ebenfalls auf eine Art Initiative hinauslaufen. Denn mit viel Geld ist schnell viel zu bewegen, aber das ist ja nun leider in der augenblicklichen Situation gerade das, woran es hapert.

Also sind hier kreative Köpfe gefragt, die trotzdem eine Lösung finden.

Und der Spruch, der mich seit unserem Mitwirken bei RUHR 2010 im Ruhrgebiet immer wieder beflügelt und der es in sich hat:

JEDE VISION BRAUCHT MENSCHEN, DIE AN SIE GLAUBEN

In diesem Sinne

Linde Arndt

für EN-Mosaik

 

[la] Es war ein zauberhafter sonniger Tag, der die Frühlingslieder der  Schüler der Klassen 3a und 3b der Schule Wassermaus (GS Wassermaus) erleuchtete und sie ganz besonders frisch und fröhlich zum Klingen brachte.

                          

Da standen sie wieder einmal im Aufenthaltsraum des Seniorenheims Brunnenstraße in Ennepetal, der dieses mal von noch mehr Heimbewohnern als bei dem Besuch im Winter aufgesucht wurde, und trällerten fröhlich und unbeschwert Ihre Liedchen. Und die Heimbewohner sangen mit. Waren ihnen die Lieder aus ihrer eigenen Jugend noch so vertraut.

"Manchmal wissen einige um 13:00 Uhr nicht, was es um 12:00 Uhr zu essen gab", so Frau Keller, "aber die Lieder sind Bestandteil ihres Lebens, einfach tief in ihnen drinnen und sie kennen die Texte noch, die Melodien und bei Gedichten sagen sie mühelos Vers um Vers auf."

Und da kommt sie rüber, die unsichtbare Verbindung zwischen den Kindern und Senioren und macht beide Seiten glücklich und zufrieden. Die kleinen Sprotten freuen sich, Ihre Gedichte vorzutragen und man glaubt gar nicht, wie viel Gefühl sie da hinein legen. Es wird nicht einfach nur Text herunter gerattert, sondern es wird förmlich inszeniert. Ebenso die Flötenspielerinnen Clara und Celine, sowie Nadine mit der Gitarre, die mit voller Aufmerksamkeit sich auf die Noten und Ihr Musikinstrument konzentrieren und unbedarft darüber hinweg gingen, wenn einmal der eine, oder andere Ton daneben war.

                           

Der kleine italienische Giuseppe – noch gar nicht so lange bei der Truppe – lernt  eifrig die deutsche Sprache und findet sich schon ganz gut zurecht. Heute aber durfte er, auch zur Begeisterung der Zuhörer, ein Frühlingslied in seiner Heimatsprache vorsingen und seine Klassenkameraden sangen fleissig mit. Dann das fröhliche Lied vom Kuckuck "Und der Kuckuck schweigt nicht still…" und das herzerfrischend lustige Gedicht "Stupps der kleine Osterhase fällt andauernd auf die Nase….  und viele weitere heitere Geschichten und Gedichte.

   

         

      

Die Bewohner dankten mit Aufmerksamkeit, Beifall und in dem sie sich aktiv mit einbrachten und die Schülerinnen und Schüler wollten gar nicht mehr mit ihren Darbietungen aufhören. Immer wieder fiel einem noch ein Gedicht oder Lied passend zum Frühling ein und so wurde die eigentliche Stippvisite  noch um einen geraumen Beitrag verlängert. Emily, Noah, Bastian, Niclas und Nadine trugen als Solobeiträge altbekannte Gedichte vor und man merkte, dass vielen der Anwesenden die Texte noch aus ihrer Jugend vertraut waren.

Als die Kinder der GS Wassermaus, nachdem jedes wiederum den Bewohnern ein selbst gefertigtes österliches Bild mit dem Text eines Frühlingsliedes geschenkt hatten, wieder zurück zu ihrer Schule gingen, klangen die Melodien noch sanft nachschwingend durch den Raum und die zufriedenen Gesichter der Anwesenden gaben Kenntnis davon, wie gut ihnen dieser Darbietungen  gefallen hatten.   
    

Wie schön, dass wenigstens die Kinder der GS Wassermaus und ihre aufmerksamen Lehrerinnen Frau Hunsdiek und Frau Hellhammer, diese Verbindung zwischen jung und alt aufrecht erhalten und ein wenig Frohsinn und Sonne in die Herzen und Gesichter der Heimbewohner bringen konnten.

 

Hier noch einmal die Solisten:

                    
  v.l.n.r:Clara, Celine, Emily, Noah, Bastian, Niclas, Nadine vorne Mitte: Giuseppe  
 

 

Linde Arndt

für EN-Mosaik

[alle Fotos: Linde Arndt]

 

 

                   
   

Joseph Kosuth, Sechs Teile, Lokalisiert, 2004, im Hauswirtschaftsraum von Frau Schmidt / Foto: Sabine Schirdewahn
 

Ihre Nachttischlampe bekommt Gesellschaft: „Open Light in Private Spaces“ ist die weltweit erste Biennale für Internationale Lichtkunst, ein bemerkenswertes RUHR.2010-Projekt – 60 Einwohner aus Bergkamen, Bönen, Fröndenberg/Ruhr, Hamm, Lünen und Unna öffnen ihre privaten Räumlichkeiten für die Werke international renommierter Künstler wie Olafur Eliasson, Sylvie Fleury oder James Turrell.

                         
   François Morellet, Lamentable, 2006, in der Scheune von Familie Middendorf / Foto: Sabine Schirdewahn  

Im Kinderzimmer. Einer Scheune. Dem Hauswirtschaftsraum. Oder im Dachstuhl eines Bestattungsinstitutes. Da geht sogar der Besenkammer ein Licht auf!

      
   John M Armleder, o.T. (Canaletto), 2007, im Wintergarten des Ehepaares Steenhuis / Foto: Sabine Schirdewahn  

Wir stellen hier diverse Informationen jeweils im PDF-Format zum Abruf bereit:

Biennale Eröffnung.pdf

Auswahl Werke.pdf

Biographie WagnerK.pdf

Daten und Fakten.pdf

Künstler_Orte.pdf

Statements.pdf

 

Das städtische Verbund – Familienzentrum hilft, berät und fördert

Viele Bürger wissen, dass es Kindertageseinrichtungen gibt, die auch "Familienzentrum" genannt werden. Auch die drei städtischen Schwelmer Einrichtungen – die Kindertagesstätten Mühlenweg und Stadtmitte sowie der Kinderhort – dürfen diesen Namen mittlerweile führen, ja, sie sind sogar ein "Verbund-Familienzentrum der Stadt Schwelm".

         

Die Initiative, bis 2012 rund 3000 der ca.10.000 Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen zu Familienzentren umzuwandeln, geht vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW aus. PädQuis, ein Kooperationsinstitut der Freien Universität Berlin, wird die Zertifizierung zum "Familienzentrum" übernehmen. Als Familienzentrum passen die drei städtischen Verbund-Einrichtungen ihre Arbeit noch stärker an gesellschaftliche Prozesse an. Immer wieder stellen sich die pädagogischen Fachkräfte in diesen drei Einrichtungen die zentrale Frage: "Was brauchen unsere Eltern jetzt und künftig?" 

Einrichtungen, die auf diese Zertifizierung hinarbeiten, müssen sich nicht neu erfinden. Gleichwohl gilt es, die eigenen Angebote noch differenzierter als bisher auf die Erfordernisse der modernen Familien abzustimmen. Zudem wird mit den eigenen Mitarbeiterinnen ein noch weiteres Leistungsspektrum abgedeckt. Gleichzeitig bindet das Familienzentrum wie ein Kraftzentrum auch externe Partner.

So öffnen sich die drei städtischen Einrichtungen, deren Türen schon immer weit aufstanden, noch weiter für den sogenannten Sozialraum, sprich die Gesellschaft. Schon seit langem wird das deutlich durch die Fülle von Informationsveranstaltungen im "Mühlenweg", in der "Stadtmitte" und im Hort, zu denen neben den Eltern der betreuten Kinder auch die Tageseltern und überhaupt alle interessierten
schwelmer Eltern eingeladen sind.

Der Verbund setzt sich noch stärker für die interkulturelle Öffnung ein: In jeder Kindertageseinrichtung gibt es auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Ohnehin gehören die Kitas hier zu den starken Förderern schon im jungen Alter der Kinder. Im Verbund kann man auch den Müttern und Vätern Angebote unterbreiten, die die schon gelebte Integration noch intensiviert. Das betont die Erzieherin Heidemarie Petry, Leiterin der Kita Stadtmitte. Als diese Einrichtung 1976 den Betrieb aufnahm, hatten 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund.  Petry, die sich für den Verbund als Fachkraft für interkulturelle Öffnung spezialisiert hat, hat erst jüngst mit Müttern die Schwelmer Stadtbücherei aufgesucht, wo man sich das Bilderbuchkino anschaute, und zwar in deutscher, türkischer, italienischer und russischer Sprache. Es sind diese praktischen und lebensnahen Angebote, die die Eltern tatsächlich erreichen und über den Weg der Eltern wieder den Kindern zugute kommen.

Jeder der drei Verbund-Einrichtungen hält zudem eine Infothek mit Materialien  in verschiedenen Sprachen bereit. Hier sind Flyer und Verzeichnisse mit wichtigen Inhalten und Kontaktadressen zu finden.

Und schließlich sind die drei Kindertagesstätten im Verbund eng mit  Kooperationspartnern vernetzt, in der Regel mit solchen Institutionen, die wertvolle Impulse und Informationen in die Familien hineintragen können. Einrichtungen auch, an die man Mütter und Väter weiterleitet, wenn das beratende Gespräch in der Kita eine Perspektive in diese Richtung aufzeigt.

Beispiele: Rund um das Thema Kind und Familie spielen viele Dinge eine Rolle: Medienkonsum, Hygiene, Sprachförderung, Bewegungsabläufe u.a. Eine Referentin oder ein Referent aus einer der Kooperationspartnerschaften kann hier z.B. durch ein Referat Müttern und Väter wertvolle Ratschläge geben. Und sollte ein Beratungsgespräch in der Kita ergeben, dass ein Mädchen oder Junge seine Sprachentwicklung fördern kann oder ggfs. medizinische Unterstützung benötigt, dann sind hier schon die richtigen Ansprechpartner benannt.

Durch die Zusammenarbeit im Verbund muss nicht jede Einrichtung bieten, was auch die andere vorhält. Das setzt Kräfte für Neues frei. So haben zahlreiche Mitarbeiterinnen der drei städtischen Einrichtungen Zusatzqualifikationen erworben und sind Fachkräfte für Kinderschutz und Gewaltprävention oder für Gesundheit, für Sprachförderung, für Bewegung und Psychomotorik sowie für Tagespflege.

Familienbildung und Erziehungspartnerschaft finden ihren Ausdruck z.B. in "Themenabenden" ("Grenzen setzen", "Kind und Medienkonsum", "Mein Kind trotzt").

Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Angebote zur Beratung und Unterstützung der Eltern. Dazu zählt auch das Gesprächsangebot mit einer Diplom-Sozialpädagogin des Kinderschutzbundes einmal im Monat in jeder der drei Einrichtungen.

Zudem unterstützt der Verbund die Eltern in ihrem Bemühen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Die Mitarbeiterinnen fragen z.B., ob die Randbetreuung ausgebaut werden muss, also ob Betreuung vor den eigentlichen Öffnungszeiten oder an Samstagvormittagen nötig ist? Und ob Betreuung in den Sommerferien ein noch wichtigeres Thema werden könnte?

Zweimal im Monat findet in jeder der drei Einrichtungen ein Eltercafé statt, das auch und gerade alleinerziehenden Müttern oder Vätern, die nicht viel rauskommen, eine Kommunikationsmöglichkeit eröffnet.

Die Erzieherin und staatlich anerkannte Heilpädagogin Marianne Pogoda, Leiterin der Kita Mühlenweg, weiß, dass heute "sehr viel Druck auf Eltern lastet". Nicht allen fällt es leicht, dem eigenen Kind gegenüber eine Autorität zu sein, die auch Grenzen setzen muss. Hier geben die Mitarbeiterinnen des Verbundes gerne Sicherheit für eine souveräne und konsequente Erziehungsarbeit.

Das begehrte Gütesiegel als "Verbund-Familienzentrum" ist kein Ruhekissen, sondern Ausgangspunkt für ständige Weiterbildung und qualitätsvolle Angebotsverdichtung. Die Einrichtungen haben sich selber fortwährend zu prüfen und ihre Leistungen zu dokumentieren, wie Christiane Stürtzer-Uthoff, Erzieherin und Diplom-Heilpädagogin mit Zusatzqualifikation für Diagnostik vom städtischen Fachbereich Jugend, Soziales betont.

Koordinatorin des Verbundes ist die Diplom-Sozialpädagogin, Heilpädagogin und staatlich anerkannte Erzieherin Ingrid Bruder. Sie leitet seit vielen Jahren den städtischen Hort in der Markgrafenstraße und bildet sich derzeit weiter zur Managerin für Familienzentren. Das Verbundsystem ist nicht mit einem Mehr an Personal verbunden. Im Monat bekommen die drei städtischen Einrichtungen zusammen 1000 € für ihre Arbeit als Verbund-Familienzentrum.

Die drei städtischen Einrichtungen erfüllen die Vorgabe, in einem Umkreis von drei Kilometern zu liegen. Sie decken eine breite Altersspanne bei den Schwelmer Kindern ab, nämlich von 0, 4 Jahren (in der Kita Stadtmitte) bis 14 Jahren im Hort.  Die Kita Stadtmitte betreut zur Zeit 55 Kinder (ab Sommer ebenfalls 55), die Kita Mühlenweg zur Zeit 66 Kinder (ab Sommer 65) und der Hort zur Zeit 45 Kinder (ab Sommer 50).

 

Kreistag beschließt Haushalt 2010, Hebesatz bleibt bei 40,81 Prozent

(pen) Die abschließende Beratung über den Kreishaushalt 2010 brachte eine parteiübergreifende Einigkeit an den Tag. Sprecher aller Fraktionen hoben den zunehmend enger werdenden finanziellen Spielraum hervor, betonten, wie notwendig zeitnahe Hilfen sind und sprachen sich für Solidarität zwischen Kreis und Städten aus.

„Wenn die Einrichtung milliardenschwerer Fonds für Banken möglich ist, dann muss dies doch auch für Kommunen möglich sein. Hier geht es schließlich um die Lebensqualität von Millionen.“ „Wir sind solange handlungsunfähig, bis die Handelnden über uns uns wieder handlungsfähig machen.“ „Wenn wir uns heute darüber beklagen, dass Bund und Land die Kommunen in die bedrohliche Lage der Überschuldung gebracht haben, indem sie uns immer neue Aufgaben zugewiesen haben, ohne uns dafür notwendige Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, so ist diese Klage mehr als berechtigt.“ „Wir sitzen alle – Städte und Kreis – in einem Boot und dieses Boot hat ein Leck."

Am Ende der Debatte wurde der Etatentwurf mit großer Mehrheit beschlossen, zudem wurde eine Kommission aus Verwaltung und Politik ins Leben gerufen, die in den nächsten Monaten nach Einsparpotentialen suchen soll. Auf Antrag von SPD, CDU, Bündnis90/Die Grünen und FDP bleibt der Hebesatz der Kreisumlage unverändert bei 40,81 Prozent. Effekt für die Städte: Sie werden 2010 im Vergleich zum Vorjahr gut 9,2 Millionen Euro weniger an die Kreiskasse in Schwelm überweisen. Um seinen Haushalt trotz unveränderten Hebesatzes ausgleichen zu können, muss der Kreis 3,3 Millionen Euro mehr als zunächst geplant und damit insgesamt 7,1 Millionen aus der so genannten Ausgleichsrücklage einsetzen. Da es sich hier lediglich um eine virtuelle Rücklage handelt, bedeutet dies faktisch, dass die Kreisverwaltung dafür entsprechend hohe Kredite aufnehmen muss. Mit dem Beschluss des Kreistages reduziert sich die Ausgleichsrücklage, auf die 2011 noch zurückgegriffen werden kann, auf voraussichtlich 4 Millionen Euro.

Der beschlossene Haushalt sieht Ausgaben von rund 430 Millionen Euro vor, sie liegen rund 7,1 Millionen Euro über den Einnahmen. Allein 207 Millionen Euro des Kreisetats stehen im Zusammenhang mit Hartz IV, 24 Millionen Euro davon werden vom Kreis finanziert. Den Rest bilden Bundesmittel und städtische Anteile, die über den Kreishaushalt abgewickelt werden und damit quasi ein durchlaufender Posten sind. Die größten Ausgabenblöcke im laufenden Jahr bilden mit 60,7 Millionen Euro die Umlage, die der Kreis an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe zahlt, sowie mit 43,6 Millionen die Aufwendungen für Sozialhilfe, die Leistungen für pflegebedürftige Menschen sowie die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Im letztgenannten Bereich ist die Tendenz nach wie vor steigend. In den letzten Jahren mussten hier regelmäßig Mehrausgaben in Millionenhöhe verzeichnet werden.

Die Kreistagsmitglieder entschieden auch über eine Vielzahl von Förderanträgen aus dem Sozialbereich. So erhalten die Träger der Drogen- und Suchtberatung 1,2 Millionen Euro, die Träger der ambulanten psychiatrischen Versorgung 250.000 Euro und die Pro Familia bekommt für ihr Youth-Worker-Programm 35.200 Euro sowie für die Beratungsstelle „sexueller Missbrauch“ 111.500 Euro. Für die Schwangerschaftskonfliktberatung stellt der Kreis in diesem Jahr 92.000 Euro zur Verfügung. Gelder erhalten ebenfalls das Wittener Haus im Park (34.500 Euro), das Café Sprungbrett in Hattingen (6.500 Euro) sowie das Gehörlosenberatungsangebot des Paritätischen NRW (7.200 Euro). Der Antrag der Frauenberatung EN auf einen Zuschuss von rund 83.000 Euro fand hingegen keine Mehrheit. Hier sprach sich der Kreistag für das Beibehalten der bisherigen Fördersumme von 24.000 Euro aus; eventuell höhere Mietkosten für den Standort Witten sollen übernommen werden.

Stichwort Kreisumlage

Mit der Kreisumlage legt der Kreis seinen durch die sonstigen Erträge nicht gedeckten Bedarf auf die Städte um. Bemessungsgrundlage/Umlagegrundlagen für die Kreisumlage sind die Steuerkraft (hauptsächlich die Gewerbesteuer und die Einkommenssteuer) der kreisangehörigen Städte sowie die im laufenden Jahr vom Land fließenden Schlüsselzuweisungen an die Städte. Veränderungen bei Steuerkraft und Schlüsselzuweisungen verändern für die Städte die Abgaben an den Kreis. Die Kreisumlage wird vom Kreistag jährlich in Form eines Prozentsatzes der Umlagegrundlagen neu festgesetzt. Sie wird in gleichen monatlichen Raten erhoben. Der Umlagesatz darf im jeweils laufenden Jahr nur einmal geändert werden.